Drohen jetzt höhere Preise im Supermarkt?Dürre und Hitze sorgen für Missernte: Bauernverband fordert Entlastung von der Regierung

von Niklas Bönsch

Wochenlange Trockenheit und extreme Hitze haben deutschen Landwirten in diesem Jahr schwer zugesetzt. Der Deutsche Bauernverband meldet eine deutlich niedrigere Getreideernte und fordert von der Bundesregierung rasche Unterstützung.

Mais taugt nur noch für die Biogasanlage

Landwirt Benedikt Wichmann aus Dülmen wollte einen Großteil seines Mais eigentlich zur Fütterung seiner Schweine nutzen. Nach den anhaltenden Trockenperioden und teils extremen Temperaturen sei die Pflanze für diesen Zweck jedoch nutzlos geworden. Für ihn ein Totalausfall, auch wenn ihm das Wort nur schwer über die Lippen geht. Übrig bleibt nur die Nutzung in der Biogasanlage. Wie Wichmann geht es vielen. Der Deutsche Bauernverband stellte Dienstagvormittag (18.08.) seine Erntebilanz vor: Die Getreideernte fällt in diesem Jahr voraussichtlich sieben Prozent geringer aus als im Vorjahr. Als Ursachen nennt der Verband ein zu trockenes Frühjahr sowie eine Hitzewelle in der zweiten Junihälfte. Angesichts gestiegener Energie- und Lohnkosten trifft dieser Rückgang die Betriebe besonders hart.

Bauernverband fordert schnelle Hilfe

Verbandspräsident Joachim Rukwied beschreibt die Lage vieler Höfe als existenzbedrohend: Betriebe müssten sich fragen, wie sie die nächste Ernte überhaupt noch finanzieren können, da vielfach die Liquidität fehle. Er fordert konkrete Entlastungen von der Bundesregierung und insbesondere von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU). Im Dürre-Sommer 2018 hatte der Staat 340 Millionen Euro Soforthilfe für betroffene Betriebe bereitgestellt. Rainer signalisiert grundsätzlich Unterstützungsbereitschaft, will das tatsächliche Schadensausmaß aber erst Ende August auf Grundlage amtlicher Erntedaten bewerten. Erst dann sollen gemeinsam mit den Bundesländern die notwendigen Schritte eingeleitet werden.

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Auch Kartoffeln, Äpfel und Zuckerrüben betroffen

Nicht nur beim Getreide fällt die Ernte in diesem Jahr schlechter aus als üblich, sondern auch bei Kartoffeln, Äpfeln und Zuckerrüben. Das treibt die Preise im Supermarkt in die Höhe, wie Simon Gerards Iglesias vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln erklärt: Weil zusätzlich importiert werden muss, konkurriert Deutschland mit anderen Käufern um die verbliebenen Waren. Die Folgen betreffen nicht nur Obst und Gemüse direkt, sondern die gesamte Lebensmittelkette. Auch die verarbeitende Industrie kämpft zusätzlich zu den ohnehin gestiegenen Energiepreisen mit höheren Kosten. Trotz dieser Entwicklung geht der Ökonom davon aus, dass Kunden von allzu deutlichen Preissteigerungen verschont bleiben könnten. Grund dafür ist der harte Wettbewerb im Lebensmittelhandel: Die Supermärkte könnten die gestiegenen Kosten möglicherweise nicht vollständig an die Verbraucher weitergeben.