Mindestlohn, Bürokratie und Billigimporte bringen viele Obstbaubetriebe an ihre GrenzenBrandbrief der Obstbauern: „So können wir nicht weitermachen“

Erdbeeren, Äpfel oder Kirschen aus der Region – für viele Verbraucher selbstverständlich. Doch genau diese heimischen Produkte könnten künftig seltener werden. Obstbauern in Nordrhein-Westfalen schlagen Alarm. Mit einem Brandbrief an Politik, Handel und Verbraucher machen sie auf ihre schwierige wirtschaftliche Lage aufmerksam.

Kosten steigen, Einnahmen reichen nicht mehr

Jörg Umberg bewirtschaftet in Bottrop einen Obsthof, der seit Generationen in Familienbesitz ist. Doch die Zukunft des Betriebs bereitet ihm große Sorgen. Die Nachfrage nach regionalem Obst gehe zurück, gleichzeitig steigen die Kosten für Energie, Betriebsmittel und Personal. Besonders der deutlich gestiegene Mindestlohn belaste die Branche, da auch Saisonarbeitskräfte davon profitieren. Nach Angaben der Obstbauern lassen sich die höheren Ausgaben immer häufiger nicht mehr über die Verkaufspreise ausgleichen. Viele Betriebe könnten ihre Kosten kaum noch decken.

Produktion wandert ins Ausland

Wie groß der wirtschaftliche Druck inzwischen ist, zeigt das Beispiel von Markus Staden aus Telgte. Er betreibt Deutschlands letzten Vermehrungsbetrieb für Erdbeerpflanzen und beliefert Obstbauern im In- und Ausland. Weil die Lohnkosten in Deutschland stark gestiegen sind, hat er einen Teil seiner Produktion nach Marokko verlagert. Dort seien die Personalkosten deutlich niedriger, außerdem stünden ausreichend Wasser und günstigere klimatische Bedingungen zur Verfügung. Rund 20 Hektar bewirtschaftet sein Unternehmen bereits dort. Eine vollständige Verlagerung schließt er zwar derzeit aus – sie hänge aber von den weiteren Entwicklungen ab.

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Verbraucher entscheiden mit

Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels sind regionale Produkte im Einzelhandel grundsätzlich gut vertreten. Welche Ware letztlich gekauft wird, entscheiden jedoch die Verbraucher. Viele achten zwar bewusst auf heimisches Obst, gleichzeitig spielt für viele Haushalte angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage vor allem der Preis eine entscheidende Rolle.

Landwirtschaft fordert bessere Bedingungen

Das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium zeigt Verständnis für die Sorgen der Obstbaubetriebe. Importware verschärfe den Wettbewerb zusätzlich. Gleichzeitig verweist das Ministerium darauf, dass viele Regelungen zu Bürokratie und Landwirtschaft auf Bundes- und EU-Ebene entschieden würden. Nordrhein-Westfalen setze sich deshalb in Berlin und Brüssel für bessere Wettbewerbsbedingungen und weniger Bürokratie ein. Für Jörg Umberg sind das erste positive Signale. Entscheidend sei nun aber, dass konkrete Lösungen folgen. Sein Familienbetrieb besteht seit 863 Jahren. Damit diese Tradition fortgesetzt werden kann, müsse Obstbau in Deutschland wirtschaftlich wieder eine Zukunft haben.