„KlarBrief“ übersetzt „Amtsdeutsch“ in einfache SpracheBehördenschreiben besser verstehen – Maximilian (24) startet mit KI-App durch
Von Minden aus die Welt ein Stück verständlicher machen – das ist das Ziel von Maximilian Graf von Korff. Der 24-jährige Mindener hat eine App entwickelt, die sogenanntes „Amtsdeutsch“ in einfache Sprache überträgt und automatisch in sechs Sprachen übersetzt. Sie heißt „KlarBrief“ und soll vor allem Migranten helfen, deutsche Behördenschreiben besser zu verstehen.
Früher Einschnitt ins Erwachsenenleben
Der Lebensweg des jungen Grafen begann unspektakulär – und nahm früh eine dramatische Wendung. Nach dem Abitur am Ratsgymnasium zog es ihn zunächst zum BWL-Studium nach Hamburg. Kaum angekommen, erkrankte seine Mutter schwer an einem Hirntumor. Maximilian brach das Studium ab, kehrte nach Minden zurück und begleitete sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2021 – einen Tag nach seinem Geburtstag. Mit gerade 20 Jahren übernahm er die Verantwortung für die Immobilien der Familie: mehrere denkmalgeschützte Häuser am Mindener Marktplatz und im Hofviertel, die einst sein Großvater eigenhändig saniert hatte. „Es war eine Pflicht für mich, das weiterzuführen“, sagt er. Inzwischen betreut er rund 40 Wohnungen und Geschäftsräume – halb Denkmalpfleger, halb moderner Vermieter.
Familienmensch und Entwickler
Privat steht sein Leben inzwischen auf festem Fundament: Seit zwei Jahren ist Graf von Korff verheiratet. Seine Tochter ist zwei Jahre alt. Im Sommer erwartet das Paar einen Sohn. Während viele Gleichaltrige noch ihre Studiengänge wechseln, hat der 24-Jährige längst ein zweites Standbein aufgebaut. Bei Vermietungsgesprächen bemerkte er oft, dass Interessenten aus der Ukraine, der Türkei oder arabischen Ländern Probleme hatten, amtliche Schreiben zu verstehen. Daraus entstand die Idee zu „KlarBrief“. Nutzer fotografieren oder scannen ein Dokument, und die App liefert in Sekunden eine übersichtliche Zusammenfassung: Wer schreibt, was wird verlangt, bis wann muss reagiert werden – und auf Wunsch gleich eine Übersetzung in der passenden Sprache. Zusätzlich lassen sich Rechnungen direkt über QR-Code bezahlen, inklusive tagesaktuellem Währungsumrechner.
Datenschutz und Eigenleistung
Technisch basiert „KlarBrief“ auf KI-Systemen von OpenAI und Apple, doch die Verarbeitung findet laut Entwickler ausschließlich auf dem Endgerät statt. „Dokumente werden nicht dauerhaft gespeichert“, sagt Graf von Korff, der selbst schon in der Schulzeit programmiert hat. Rechtliche Beratung will die App ausdrücklich nicht ersetzen – sie soll ein Hilfsmittel sein, um Alltagshürden zu senken. Drei Scans pro Monat sind kostenlos. Das Abo kostet 2,99 Euro.
Vom Provinzjungen zum digitalen Brückenbauer
Was als Notlösungsprojekt begann, ist für Graf von Korff längst zur Mission geworden. Er will seine App künftig auch in anderen Ländern einsetzen, in denen Migranten mit Amtsbürokratie kämpfen. Der junge Mindener, der einst von der großen Stadt träumte, ist inzwischen fest verwurzelt in seiner Heimat – und verwandelt Verantwortung in Fortschritt. „Ich bin kein normaler 24 Jähriger“, sagt er ohne Überheblichkeit. „Aber vielleicht ist das gut so.“

































