Zu anzüglich oder künstlerische Freiheit?Ärger im Rathaus – nackte Kunst kommt in Niederkrüchten nicht gut an

von Julia Haiminger

Zwei Aktbilder im Rathaus Niederkrüchten (Kreis Viersen) sorgen für Ärger. Der Bürgermeister befürchtet, dass die Werke die Gemüter der Bürger zu sehr erhitzen könnten.

Diskussion um Aktbilder im Rathaus von Niederkrüchten

Eigentlich sollten die Werke der Künstlerin Melanie Fontana-Wintraken die Wände des Rathauses in Niederkrüchten bereichern – stattdessen sorgen sie für Diskussionen. Die 54-Jährige hat dort 35 Arbeiten ausgestellt. Zwei Aktdarstellungen stoßen jedoch auf Kritik.

Streit um Neutralität im öffentlichen Raum

Bürgermeister Thomas Ricker (CDU) sieht in den Bildern mit deutlich erkennbarem Intimbereich ein mögliches Konfliktpotenzial. Das Rathaus sei ein öffentlicher Ort, den alle Bürger aufsuchen müssen – anders als eine Galerie, die freiwillig besucht wird. Gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt kam er zu dem Entschluss, die betreffenden Werke entfernen zu lassen. Ziel sei es, möglichen Beschwerden vorzubeugen und die Verwaltung neutral zu gestalten. Die 54-jährige Künstlerin empfindet die Entscheidung als Eingriff in ihre künstlerische Freiheit. Sie betont die Bedeutung von Offenheit und Austausch in einer pluralistischen Gesellschaft – gerade in öffentlichen Gebäuden. Ob und wann die beiden Werke tatsächlich abgehängt werden, ist noch offen. Für die Künstlerin steht jedoch fest: Sollten die Aktbilder entfernt werden, will sie ihre komplette Ausstellung aus dem Rathaus zurückziehen.