Vielzahl von Tieren betroffen Demenz bei Katzen und Hunden – diese Symptome sollten Tierhalter kennen

von Anna Schröjahr, Vera Dünnwald und Anja Blanuscha

Wenn dein tierischer Begleiter plötzlich sein Wesen verändert.
Nicht nur Menschen, sondern auch Hunde und Katzen werden im Alter von Symptomen wie Vergesslichkeit und Orientierungslosigkeit geplagt. Diagnose: Demenz. Auch Katze „Leni” ist dement. Wie sich das im Alltrag äußert, zeigen wir im Video.

Demenz bei älteren Hunden und Katzen weitverbreitet

Bei Hunden und Katzen kommt Demenz im höheren Alter häufig vor, weiß Mediziner Holger Volk von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Bei Hunden im Alter von 12 bis 13 Jahren weise etwa eines von drei Tieren die klinischen Symptome auf. Im Alter von 15 bis 16 Jahren seien schon zwei von drei Hunden vom „caninen kognitiven Dysfunktionssyndrom” betroffen. Und unter den sehr alten Katzen um die 16 Jahre haben rund 50 Prozent Demenz, in dem Fall „felines” Syndrom genannt. Also insgesamt eine „Riesenzahl”, betont der Experte.

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Aber wie kommt es zur Demenz? Die Nervenzellen können nicht mehr richtig arbeiten – hervorgerufen durch Veränderungen des Gehirn-Stoffwechsels oder auch Entzündungen und Ablagerungen von Eiweißen. Das Tier wird langsamer, manche verlernen eingeübte Kommandos, es kommt zu Verwirrung, schlechtem Schlaf - und auch zu Verhaltensveränderungen. „Eigenbrötlerisches Verhalten und Rückzug”, nennt Volk als Beispiele.

Ganz wichtig sei daher frühe Intervention. „Wenn Tierbesitzer Auffälligkeiten bemerken, ist es oft schon fast zu spät”, berichtet der Leiter der Klinik für Kleintiere. Schwierig: Die Anzeichen fallen unterschiedlich aus, Demenz entwickelt sich fortschreitend, ist meist begleitet von anderen Erkrankungen und nicht leicht zu trennen von „normalen” degenerativen Alterserscheinungen.

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Alterserscheinungen oder Demenz?

Woran merke ich als Tierbesitzer, dass mein Haustier nicht einfach nur älter wird – sondern eine Demenzerkrankung dahintersteckt? „Wenn das Haustier plötzlich an ungewohnten Stellen Urin oder Kot ablässt, einfach, weil es vergessen hat, rauszugehen, dann könnte das auf Demenz hindeuten“, weiß auch Tierärztin Dr. Tanja Pollmüller alias Doc Polly. Auch eine Veränderung des Tag-Nacht-Rhythmus zählt zu einem der Anzeichen.

Neben den normalen Alterserscheinungen sei es zwar manchmal schwer für den Besitzer, einzuschätzen, ob es vielleicht „nur“ Schwerhörigkeit sei oder Demenz. Aber: „Wenn Kommandos oder Befehle nicht mehr befolgt werden, wenn die Tiere sie nicht mehr erkennen, könnte das auch auf Demenz hindeuten.“ Nur beim Tierarzt kann dann endgültig festgestellt werden, ob eine Demenz dahintersteckt oder nicht.

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Was ihr zu Hause tun könnt, um das Leid zu mindern

Auch wenn es nicht möglich sei, den Hund oder die Katze langfristig von ihrem Leid zu befreien und zu heilen, kann man vieles tun, um dem Tier ein weitestgehend beschwerdefreies Leben zu ermöglichen. Neben Medikamenten sei laut Pollmüller auch eine entsprechende Ernährung hilfreich. Und: CBD-Öl sei zwar in der Tiermedizin umstritten, soll aber auch bei Demenz helfen. Es komme allerdings auf die richtige Dosierung an.

„Ansonsten gilt, wie bei uns Menschen auch: Du bist, was du isst, und je mehr du dich bewegst und je mehr dein Gehirn gefordert wird, desto besser“, erklärt die Tiermedizinerin. Heißt also: Achtet auf die richtige Auslastung eures Tieres – sowohl kognitiv als auch physisch –selbstverständlich gemäß seinem Alter und der körperlichen Verfassung.

Abschließend rät die Veterinärmedizinerin: „Nehmt euer Haustier genauer unter die Lupe und macht euch mit Signalen der Demenz vertraut. Geht zum Tierarzt, wenn ihr das Gefühl habt, dass etwas nicht stimmen könnte und scheut euch nicht, bestimmte Auffälligkeiten aktiv anzusprechen.“ (mit dpa)