Mindestens 39 Tote bei Zugunglück in Spanien„Konnte nichts tun” – Ana muss Passagieren beim Sterben zusehen

Two high-speed trains derail in Spain
In eine Decke gewickelt erinnert sich Ana García Aranda an das Unglück.
REUTERS

Niemals wird sie diese Szenen vergessen können!
Als am Sonntag (18. Januar) zwei Hochgeschwindigkeitszüge in der spanischen Provinz Córdoba entgleisten, saß Ana García Aranda mit ihrer schwangeren Schwester, deren Freund und dem Hund Boro in Wagen Nummer sieben des einen Zuges. Die Überlebende schildert, wie sie die Katastrophe erlebt hat – und bittet um Hilfe bei der Suche nach einem geliebten Familienmitglied.

Ana García Aranda überlebt Zugunglück in Spanien

Zwei Pflaster verdecken Verletzungen, die Ana García Aranda bei dem Unfall nahe der Gemeinde Adamuza erlitten hat. Die 26-Jährige zieht ein Bein hinter sich her, stützt sich schwer auf ihren Begleiter. Der Schmerz zeichnet sich in ihren Augen ab. Was sie seit dem Zugunglück gesehen hat, hat sich unlöschbar in ihre Erinnerung eingebrannt. Zwar hat sie das Unglück überlebt, bangt aber um ihre Familie.

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Die Lehrerin aus Malaga arbeitet wie ihre Schwester Raquel in Madrid. Über das Wochenende waren die Frauen in ihre Heimat gefahren, weil es der Großmutter nicht gut gegangen sei, berichtet El Mundo. Begleitet werden die beiden vom Freund der Schwester und Hund Boro, der, wie Ana sagt, „auch zur Familie gehört”. Sie habe gerade zu ihrer Schwester geschaut, erinnert sich die 26-Jährige im Interview mit Reuters: „Das ist das Letzte, woran ich mich erinnere. Dann wurde alles dunkel. Ich hörte nur noch Schreie.”

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Überlebende schildern Horror-Szenen

Gegen 19.40 Uhr war am Sonntag (18. Januar) ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Gesellschaft Trenitalia nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba mutmaßlich mit Tempo 300 entgleist und in das benachbarte Gleis geraten, wie die Bahngesellschaft Renfe mitteilte. Just zu diesem Zeitpunkt fuhr dort ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug von Renfe vorbei und wurde vom anderen Fahrzeug aus den Schienen geworfen.

Passagierin Inmaculada dachte in diesem Moment, sie „würde sterben”, wie sie El Mundo berichtet. „Plötzlich bremste der Zug abrupt, es ging alles sehr heftig zu und einige Sitze wurden herausgeschleudert, es war ein Wahnsinn.“ Lola ist nach eigenen Angaben eine derjenigen, die aus dem Zug geschleudert wurden. „Als ich aufstehen konnte, war es stockdunkel, die Leute schrien. Sie fingen an, die Scheiben einzuschlagen. Wir konnten bereits sehen, dass der Waggon vor uns entgleist war“, sagte sie Telecinco.

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Am Unglücksort bot sich ein Bild des Grauens. „Der Anblick war furchtbar”, sagt Adamuz’ Bürgermeister Rafael Moreno, der als einer der Ersten an der Unfallstelle eintrifft, dem Fernsehsender Antena 3. „Die Menschen riefen um Hilfe, Verletzte sind aus den Waggons gekommen, ein Bild, das ich nie vergessen werde.” Der Passagier Lucas Meriako äußert sich im Sender La Sexta ebenfalls schockiert: „Das ist wirklich wie in einem Horrorfilm.” Mindestens 39 Menschen kommen bei dem Unfall ums Leben, insgesamt 73 werden teils schwerst verletzt in Krankenhäusern behandelt.

Ana bangt um das Leben ihrer schwangeren Schwester

Ana de Garcías Arandas Schwester Raquel ist unter ihnen. Der Zustand der Schwangeren ist kritisch, berichtet El Mundo. Offenbar hat sie versucht, den Hund bei dem Unglück zu retten: „Ich glaube, meine Schwester schlug mit dem Gesicht auf, als sie versuchte, Boro zu schützen. Sie verlor das Bewusstsein. Ich konnte nicht zu ihr, weil sie unter Trümmern lag; sie war im Zug eingeklemmt”, schildert die Lehrerin. Nach eigenen Angaben sah sie Blut und weitere schwerverletzte Mitreisende, während sie auf die Rettung wartete. „Sie waren direkt vor einem und man wusste, dass sie sterben würden, und man konnte nichts tun“, beschreibt die junge Frau die traumatische Situation. Raquels Freund Iván ist laut El Mundo nicht verletzt.

Nach dem Unglück verschwindet Hund Boro.
Nach dem Unglück verschwindet Hund Boro.
Ana García Aranda

Schließlich wurden Ana und ihre Liebsten von Helfern durch eingeschlagene Scheiben aus den Trümmern gezogen. In dem Chaos ruft die Lehrerin nach ihrem Hund. Den Mischling aus Schnauzer und Spanischem Wasserhund hat sie aus einem Tierheim adoptiert. „Er ist total ängstlich”, so Ana.

Zunächst kommt Boro zu seinem Frauchen. „Dann rannte er weg, aber ich konnte ihm nicht hinterherlaufen, weil ich meine Schwester nicht allein lassen konnte“, schildert Ana die Minuten nach dem Unglück. Seitdem ist Boro verschwunden, seine Besitzerin appelliert nun, auch nach ihm und den anderen Tieren, die in den Waggons gereist seien, zu suchen. Schwere Stunden für die 26-Jährige, die gleich um zwei geliebte Familienmitglieder bangt: ihren Hund und ihre Schwester.

Verwendete Quellen: El Mundo, Reuters, dpa, Telecinco, El Mundo