„Eine Mischung aus Schutz der Gesellschaft und Jugendhilfemaßnahmen“Kind im Fall Yosef (†14) unter Tatverdacht – das passiert jetzt mit dem Zwölfjährigen

Die Tat wird auch die Familie des Kindes massiv verändern.
In Dormagen ist seit dem Tod des 14-jährigen Yosef nichts mehr wie es war. Und noch schlimmer: Ein Kind – gerade einmal zwölf Jahre alt – soll ihn getötet haben. Im Gespräch mit RTL erklärt Psychologin Ariadne Sartorius, welche Konsequenzen dem strafunmündigen Jungen drohen.
Zwölfjähriger ist in der Obhut des Jugendamtes
„Dieses Kind wird Konsequenzen haben, das ist ganz klar”, sagt Kinder- und Jugendpsychologin Ariadne Sartorius. „Er ist ja sofort in die Obhut des Jugendamtes genommen worden. Dort wird man ihm erst einmal die Maßnahmen der Jugendhilfe zukommen lassen.”
Noch immer herrscht deutschlandweit Fassungslosigkeit, dass ein Zwölfjähriger der Täter im Fall des 14-jährigen Yosef aus Dormagen bei Köln sein soll. Am 28. Januar fand man den Schüler erstochen an einem See. Und nur wenige Stunden vor der Trauerfeier am Freitag (6. Februar) die schockierende Nachricht, dass ein Kind für die Tragödie verantwortlich sein soll. Doch wie geht man mit diesem Kind um, das rechtlich nicht für seine Tat belangt werden kann?
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Psychologin Sartorius erklärt: „Es wird Sachverständige geben, die sich dieses Kind sehr genau anschauen.” In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt wolle man herausfinden, was passiert sei und was das Kind brauche, um auch mit dieser Tat sein Leben weiterführen zu können. Doch sei auch klar, dass die Gesellschaft vor strafunmündigen Jugendlichen schützen müsse, die Dinge täten, die mit 14 eine Straftat sind. „Es ist eine Mischung aus Schutz der Gesellschaft und Jugendhilfemaßnahmen.”
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Was durchlebt die Familie des Zwölfjährigen?
Auch für die Familie des tatverdächtigen Kindes seien die Einschnitte massiv. „Grundsätzlich haben die jetzt auch einiges an Konsequenzen zu befürchten. Sie sind ja die Angehörigen dieses Kindes.” Die Familie würde psychosozial unterstützt und Hilfsmöglichkeiten aufgezeigt. Damit sie diese vollkommen neue Situation – ohne das aus der Familie genommene Kind – meistern könne.

Ariadne Sartorius weiß auch, warum solche Kinder nicht mehr in der gewohnten Umgebung bleiben können: „Um zur Ruhe zu kommen.” Denn alle im Ort kennen es und wissen, was es getan habe. „Es kommt jetzt in eine Umgebung, wo es unbekannt ist und wo es sich jetzt erst mal nicht mit diesen ganzen Nachfragen, mit Stigmatisierung, womöglich sogar mit Beschimpfungen, Gewalt auseinandersetzen muss.”
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Wo und wie lebt das Kind jetzt?
Das Kind käme in eine Wohngruppe, die „Kinder beheimaten und ihnen ein neues Zuhause geben. Je nachdem, wie intensiv die Betreuung sein muss, in denen Heilpädagogen arbeiten.” Und auch Psychologen, Psychotherapeuten, Sozialarbeiter, je nachdem, was dieses Kind brauche. Es lebe dort, gehe von dort aus in die Schule und habe dort den Alltag.
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Im neuen Umfeld wüssten nur eine kleine Anzahl von Menschen über die Vergangenheit Bescheid. „Diejenigen, die es wissen müssen, um mit ihm gut arbeiten zu können”, so Sartorius. Die Tat müsse in einem geschützten Rahmen aufgearbeitet werden, in dem das Kind auch über beschämende Sachen offen sprechen können „ohne befürchten zu müssen, dafür dann auch noch aufgezogen oder verurteilt zu werden.”
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche
































