Trauernde Mutter bekommt Sterbehilfe in der Schweiz Wer ist Wendy Duffy – die Frau, die nach dem Tod ihres Sohns sterben will? 

Frankreich trauert um die neunjährige Sarah
Wendy Duffy will ohne ihren Sohn nicht weiterleben und bekommt jetzt Sterbehilfe in der Schweiz.
picture alliance / Zoonar | Piotr Adamowicz

„Ich war das schwarze Schaf.“
Wendy Duffy, ist 56 Jahre alt und wohnte im County West Midlands in England, bevor sie ihre letzte Reise in die Schweiz antrat. Dort will sie am 24. April Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Mit der Daily Mail hat sie über ihr Leben, ihre Familie und den Schmerz gesprochen, der sie zu der Entscheidung gebracht hat, ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Wendy Duffy ist Teil einer großen Familie

Denn Wendy Duffy ist nicht todkrank, körperlich geht es der Britin gut. Seit dem Tod ihres einzigen Sohns hat die 56-Jährige aber ihren Lebenswillen verloren, sagt sie. Ihr Umfeld wird diese Entscheidung hart treffen. Ihre Familie weiß zwar, was Wendy vorhat, einverstanden mit ihrem Todeswunsch sind die Angehörigen aber nicht.

Lese-Tipp: Trauernde Mutter aus England soll noch diese Woche Sterbehilfe erhalten

Wendy wurde in eine irische Großfamilie geboren. Sie hat vier Schwestern und zwei Brüder. Die Geschwister seien katholisch erzogen worden, erinnert sich die 56-Jährige im Interview mit der Boulevardzeitung. Trotzdem habe sie nie geheiratet, obwohl das von ihr erwartet wurde. Sie lebte jahrelang mit ihrem damaligen Partner zusammen, ohne dass die beiden vor den Traualtar getreten wären.

Wendy Duffy wünschte sich viele Kinder

In dem Interview erzählt Wendy, dass sie sich immer gewünscht habe, Mutter zu werden. „Es war alles, was ich jemals wollte. Ich wollte viele Kinder, aber das ist einfach nicht passiert.“ Ihre Geschwister hätten alle ein Kind nach dem anderen bekommen, aber ihr Kinderwunsch habe sich jahrelang nicht erfüllt.

Lese-Tipp: Sterbehilfe für Noelia (25) – die rührende letzte Botschaft der Mutter an ihr Kind

Sie ging zu einem Spezialisten und ließ sich behandeln, um doch noch schwanger zu werden und 1998 sei dann das kleine Wunder passiert. „Der Tag, an dem ich herausfand, dass ich mit Marcus schwanger war, war der glücklichste Tag meines Lebens“, erinnert sich die Frau in der Daily Mail.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Einziger Sohn erstickt mit 23 Jahren auf dem Sofa

Ihr Sohn kommt gesund zur Welt. Doch die Beziehung zu seinem Vater sollte nicht halten. Als Marcus vier Jahre alt ist, trennt sich das Paar und Wendy zieht das Kind allein groß. Marcus ist ihr Ein und Alles. Sie arbeitet in der Pflege und spart Geld, um ihrem Sohn ein schönes Leben bieten zu können. Ihr Sohn habe nach der Schule verschiedene Jobs ausprobiert. Aber Musik sei seine wahre Leidenschaft gewesen, erinnert sich die Mutter.

Als Marcus 23 Jahre alt ist, passiert das Drama. Nach einer Partynacht sitzt der junge Mann verkatert bei seiner Mutter auf dem Sofa. Sie macht ihm ein Sandwich, doch offenbar schläft Marcus ein, während er isst und erstickt. Als seine Mutter ins Zimmer kommt, ist er schon blau angelaufen. Sie versucht noch, ihn wiederzubeleben – vergeblich.

Wendy Duff ist allein in die Schweiz geflogen, um zu sterben

Marcus kommt zwar noch ins Krankenhaus, aber ein paar Tage später werden die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet. Wendys Sohn ist tot. In dem Interview spricht sie darüber, dass sie die ersten Tage nach seinem Tod, ins Bestattungsinstitut gegangen sei, um bei ihrem Sohn zu sitzen. Sie habe durch seine Playlist gehört und sich daran erinnert, wie er die Musik viel zu laut in seinem Zimmer aufdrehte. „Ich würde alles dafür geben, ihn wieder anzumeckern, dass er die Musik leiser machen soll“, sagt sie.

Lese-Tipp: Ein letzter Song am offenen Fenster! Das plant Wendy Duffy für ihre letzten Minuten

Das Gefühl hat sich offenbar bis heute nicht verändert. Trotz Therapie, Antidepressiva und ihrem liebevollen Umfeld gehe es ihr bis heute nicht besser. Ohne ihren Sohn Marcus wolle sie auch nicht weiterleben, sagt die 56-Jährige. Sie habe noch abgewartet, bis ihre beiden Hunde an Altersschwäche gestorben seien. Jetzt will die Britin Sterbehilfe in der Schweiz in Anspruch nehmen.

Streaming Tipp
RTL Aktuell
Jetzt auf RTL+ streamen

Dafür ist sie heimlich allein in die Schweiz geflogen. Keiner ihrer Angehörigen habe sie begleiten dürfen. Sie wollte nicht, dass die Polizei wegen Beihilfe zum Suizid Ermittlungen gegen ihre Familie einleitet. Sie habe ihre Geschwister erst angerufen, als sie schon in der Sterbehilfeklinik angekommen war, um sich zu verabschieden.

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Verwendete Quellen: Daily Mail