Der Tod ihres Sohns brach ihr das Herz Trauernde Mutter aus England soll noch diese Woche Sterbehilfe erhalten

Mit der Schließung von Chirurgie und Notaufnahme in Groß-Sand geht ein wichtiger Teil der Notfallversorgung in Hamburg-Wilhelmsburg verloren. (Illustration)
Wendy Duffy möchte in einer Sterbehilfeklinik in der Schweiz sterben. (Foto: Motivbild)
Fabian Sommer/dpa

Sie weiß, dass das, was sie vorhat, hart für ihre Familie und ihre Freunde ist.
„Ich möchte sterben und das werde ich auch. Mein Leben, meine Entscheidung“, sagt Wendy Duffy im Interview mit der britischen Zeitung Daily Mail. Die 56-Jährige, die in den West Midlands in England wohnt, ist in die Schweiz geflogen, weil sie dort Sterbehilfe in Anspruch nehmen will. Nicht, weil sie an einer unheilbaren Krankheit leidet – rein körperlich ist die Frau kerngesund. Sie möchte sterben, weil sie nach dem Tod ihres einzigen Sohns vor vier Jahren den Lebenswillen verloren hat, erzählt sie in dem Interview.

Wendy Duffys Sohn stirbt unter dramatischen Umständen

Ihr Sohn Marcus war damals 23 Jahre alt. Der junge Mann sei verkatert gewesen, weil er nachts gefeiert und getrunken hatte. Sie habe ihm ein Sandwich gemacht. Doch während er aß, sei er damals auf dem Sofa eingeschlafen. Als seine Mutter wieder ins Zimmer kam, war sein Gesicht schon blau angelaufen. Wendy, die als Pflegerin im Gesundheitssektor arbeitete, begann sofort mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung.

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Doch für den 23-Jährigen kam jede Hilfe zu spät. Marcus erstickte an einem Stück Tomate, das in seine Luftröhre gerutscht war. Die 56-Jährige sagt, dass sich ihr Leben in dem Moment für immer verändert habe. „Ich bin damals auch innerlich gestorben“, erinnert sie sich in dem Daily Mail-Interview. „Früher habe ich Dinge gefühlt. Als ich nach Marcus Tod zu Beerdigungen ging, habe ich nichts mehr gefühlt.“

Suizidversuch der trauernden Mutter scheitert

Darum habe sie auch ihren Job in der Pflege aufgegeben. Sie könne keine gute Pflegerin sein, wenn ihr alles egal sei, meint Wendy. „Ich existiere nur. Ich lebe nicht“, sagt sie. Neun Monate nach dem Tod ihres Sohnes habe einen Suizidversuch unternommen. Doch besorgte Freunde wählten den Notruf, als sie Wendy nicht erreichen konnten, darum wurde sie noch lebend gefunden. Sie versuchte es danach mit Medikamenten und einer Therapie, aber das habe ihr alles nicht geholfen, meint die Britin.

Damit ihr nächster Versuch, zu sterben, nicht wieder scheitert, begann Wendy, sich über Sterbehilfe zu informieren und fand eine Klinik in der Schweiz. In dem Interview mit der Daily Mail erzählt sie, dass sie sich lange auf ihren Tod vorbereitet habe. Sie habe ihre Sachen verkauft, sie habe Abschiedsbriefe an all die Menschen geschrieben, die ihr nahestehen und einen Flug in die Schweiz gebucht. In mehreren Vorbereitungsgesprächen mit der Klinik musste sie nachweisen, dass sie schwer leidet, ihre Symptome seit langer Zeit anhalten und nicht zu behandeln sind.

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Jetzt soll Wendy Duffy Sterbehilfe bekommen

Ihre vier Schwestern und ihre beiden Brüder wurden über ihre Pläne zu sterben informiert. Details durfte Wendy ihnen aber nicht erzählen, denn nach britischem Recht hätte sie ihre Geschwister damit in rechtliche Schwierigkeiten bringen können. Wenn auch nur einer von ihren sie zum Flughafen gebracht hätte oder sie gar in die Schweiz begleiten würde, hätte die Polizei Ermittlungen einleiten können.

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Wendy ist darum allein geflogen, ohne ihren Geschwistern etwas zu sagen, wie sie in dem Interview erklärt. Erst als sie in der Schweiz angekommen war, konnte sie alle ein letztes Mal anrufen. Ihre Familie ist mit ihrer Entscheidung zwar nicht einverstanden, habe sie aber akzeptiert. Nach einer letzten psychologischen Begutachtung vor Ort, soll die 56-Jährige am Freitag (24. April) das tödliche Medikament erhalten und auf eigenen Wunsch sterben.

„Ich glaube, dass Marcus auf mich wartet. Aber selbst wenn nicht, selbst wenn da nichts auf der anderen Seite ist, ist es immer noch besser als das hier“, sagt Wendy.

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Verwendete Quellen: Daily Mail