Folgen für die Ernten drohen!Abgas-Gift macht Bienen blind – finden sie bald keine Blüten mehr?

Stickoxide und Ozon verändern den Duft von Blumen und erschweren Insekten die Orientierung. Eine britische Überblicksstudie zeigt dramatische Einbußen bei der Bestäubung. Besonders spezialisierte Arten geraten dadurch in Bedrängnis.
Abgase von Verbrennern schaden nicht nur Menschen und Klima - auch für Bienen und andere Bestäuber sind sie ein Problem. Ein Forschungsteam um James Ryalls von der Universität Reading kommt im Fachjournal „Frontiers in Ecology and the Environment“ zu dem Schluss, dass Stickoxide (NOx) und bodennahes Ozon es Bienen, Motten und anderen Bestäubern erschweren, die für sie relevanten Blumen zu riechen.
Beide Schadstoffe behinderten das gezielte Ansteuern von Blumen, da sie die von den Pflanzen abgegebenen Düfte veränderten oder abschwächten, heißt es in der Überblicksstudie. Wie stark die Insekten dadurch beeinträchtigt werden, wird mit der sogenannten Bestäuberleistung („Pollinator Performance“) angegeben, die unter anderem berücksichtigt, wie effizient die Tiere Blüten finden und bestäuben. Erhöhte Ozonwerte verringerten der Auswertung zufolge die Leistung der Tiere im Schnitt um etwa 42 Prozent, Stickoxide um etwa 46 Prozent.
Traten beide Schadstoffe gleichzeitig auf, verringerte sich die Bestäuberleistung der Insekten sogar um durchschnittlich 68 Prozent. Dieser Wert ist allerdings insofern mit Vorsicht zu betrachten, als nur wenige Studien diese Kombination unter die Lupe nahmen. Zudem sei der kombinierte Effekt kleiner als die Summe der beiden Einzeleffekte, da die beiden Gase miteinander reagierten und sich teilweise gegenseitig aufhöben, erläutert das Team.
Vor allem spezialisierte Insekten betroffen
Bei der Überblicksstudie handelt es sich um keine neue Forschung, sondern die systematische Auswertung von 22 experimentellen Studien, die die Wirkung von Schadstoffen auf Bestäuber untersucht haben. Besonders große Probleme stellen die Stoffe für sehr spezialisierte Bestäuber wie einige Motten dar, die auf den Duft einer bestimmten Blume angewiesen sind. Viele Bienen hätten mehr Auswahl zwischen verschiedenen Blumen, sie seien weniger stark betroffen, hieß es. Bei nachtaktiven Insekten sind eher Stickoxide die vorherrschende Belastung, bei tagaktiven eher höhere Ozonwerte.
Die Schadstoffbelastung durch Stickoxide entstehe vor allem durch Diesel-Fahrzeuge, so die Autoren. Die Autos blieben nach ihrem Kauf oft mehr als 20 Jahre auf der Straße. Großbritannien habe das Verbot für den Verkauf neuer Verbrennerfahrzeuge von 2030 auf 2035 verschoben - der Schaden für Bestäuber werde also länger anhalten. Auch in der EU zeichnet sich eine Aufweichung des ursprünglich für 2035 geplanten Verbots für neue Verbrenner ab.
„Lebensmittel auf gesunde Bestäuber angewiesen“
Ryalls erklärte: „Es wird prognostiziert, dass die Ozonwerte bis etwa 2050 weiter steigen werden, auch wenn die Stickoxid-Emissionen zurückgehen, sobald die Welt zunehmend auf fossile Brennstoffe verzichtet.“ Dies bedeute für Bestäuber in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten eine schwierige Phase. „Sobald sauberere Kraftstoffe vollständig zum Einsatz kommen, dürften die Ozonwerte sinken, was den Bestäubern eine Chance zur Erholung gibt.“
Es sei jedoch keine Option, bis dahin einfach abzuwarten. „Der Großteil der von uns angebauten Lebensmittel ist auf gesunde Bestäuber angewiesen - daher darf der Schutz dieser Tiere vor Umweltverschmutzung nicht bis 2050 aufgeschoben werden“, betonte Ryalls.
Verwendete Quellen: Larissa Schwedes, dpa


