Die Einzige, die je eine Hinrichtung in den USA überlebte„Medizinisch beispiellos“ – Anwälte von Christa Pike melden sich aus dem Krankenhaus

Es ist ein unglaublicher Fall!
Nach einem gescheiterten Hinrichtungsversuch in Tennessee kämpften Ärzte in einem Krankenhaus um das Leben von Christa Pike. Nun ist die 50-Jährige wieder ansprechbar, wie ihre Anwälte mitteilen. Ihre Prognose sei noch unklar. Pike müsse ihre Genesung Tag für Tag angehen.
Anwälte rechnen mit langer Genesungszeit
Ihre Erholung sei „medizinisch beispiellos“, erklären die Anwälte von Christa Pike in einer Stellungnahme. „Sie ist die einzige bekannte Person, die einen vollständigen Hinrichtungsversuch in den USA überlebt hat.”
Doch Entwarnung können Pikes Anwäte bisher nicht geben. „Christa ist eine Überlebende und wird ihre Genesung Tag für Tag angehen“, erklärten die Anwälte. Die rechnen damit, dass es lange dauern wird, bis ihre Mandantin sich von den Giftspritzen erholt hat.
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Gift hinterlässt schwere Schäden an Pikes Armen
Nach der missglückten Hinrichtung sei die US-Amerikanerin bewusstlos gewesen, so ihre Anwälte. Im Krankenhaus wird sie künstlich beatmet, während die Ärzte versuchen, das Gift aus den zwei Todesspritzen aus ihrem Körper zu bekommen. Inzwischen sei die 50-Jährige wieder bei Bewusstsein und könne sprechen, heißt es.
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Die Hinrichtungsversuche hätten jedoch schwere Schäden an Pikes Armen verursacht, erklären die Anwälte. „Wir sind den Rettungskräften und dem medizinischen Team im Krankenhaus unglaublich dankbar, die Christa wie einen Menschen behandelt und sie hervorragend versorgt haben“, sagten die Anwälte. Trotz ihres Zustands sei Christa Pike weiterhin mit Handschellen und Fußfesseln an ihr Krankenhausbett gefesselt.
Anwalt hört Pike nach erster Spritze noch singen
Der US-Amerikanerin waren am vergangenen Mittwochabend nach Angaben der Behörden die im Hinrichtungsprotokoll vorgesehenen zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden. Dennoch lebte sie weiter. Zeugen berichteten, sie hätten sie noch längere Zeit schwer atmen hören können. Einer ihrer Anwälte sagte später sogar, er habe Pike nach der ersten Medikamentengabe noch sprechen und singen gehört.
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Die genaue Ursache für die gescheiterte Hinrichtung ist weiterhin unklar – und soll durch eine unabhängige Untersuchung geklärt werden. Pikes Anwälte berichteten von erheblichen Problemen beim Legen der Venenzugänge. Einer ihrer Arme habe sich während der Hinrichtung violett verfärbt, später habe es Blasen und Verbrennungen an Einstichstellen gegeben.

Die Strafvollzugsbehörde erklärte dagegen, das Hinrichtungsprotokoll sei vollständig abgearbeitet worden. Ein vergleichbarer moderner US-Fall zu dem von Pike sei nach Angaben des Death Penalty Information Center nicht bekannt.
Todesstrafe kurz vor Hinrichtung zunächst gestoppt
Noch wenige Stunden vor dem Hinrichtungsversuch war unklar gewesen, ob die Todesstrafe überhaupt vollstreckt werden würde. Ein Bundesberufungsgericht hatte die Hinrichtung zunächst kurzfristig gestoppt. Pikes Anwälte wollten erreichen, dass sich die Gerichte erneut mit der Frage beschäftigen, ob schwere Missbrauchs- und Gewalterfahrungen aus ihrer Kindheit und psychische Erkrankungen bei früheren Entscheidungen über ihr Todesurteil ausreichend berücksichtigt worden waren.
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Der Bundesstaat Tennessee wandte sich daraufhin an den Supreme Court. Das höchste US-Gericht hob den Aufschub noch am selben Tag wieder auf und machte damit den Weg für die Hinrichtung frei. Einen weiteren Antrag Pikes gegen die Vollstreckung hatte der Supreme Court bereits am Vortag abgelehnt.
Ob man in Tennessee zu einem späteren Zeitpunkt erneut versuchen wird, Pike hinzurichten, ist unklar. Der Gesundheitszustand der 50-Jährigen könnte dafür entscheidend sein. Pikes Anwälte forderten nach der gescheiterten Hinrichtung, ihre Todesstrafe in lebenslange Haft umzuwandeln, und kündigten weitere rechtliche Schritte an.
Mit 18 Jahren zum Todes verurteilt
Pike war 1996 für den Mord an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe Knoxville über längere Zeit gefoltert und schließlich getötet worden. Pikes Hinrichtung wäre die erste einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren gewesen. (okr)
Verwendete Quellen: dpa

