Nach gescheiterter HinrichtungChrista Pike weiter bewusstlos – Anwalt fürchtet bleibende Schäden

Wie schwer hat die gescheiterte Hinrichtung Christa Pike geschädigt?
Die 50-Jährige liegt weiterhin bewusstlos und in kritischem Zustand im Krankenhaus. Ihr Anwalt warnt, dass derzeit niemand sagen könne, ob sie sich vollständig erholen wird.
Christa Pike offenbar noch immer nicht bei Bewusstsein
Seit Tagen wartet ihr Anwalt auf Klarheit. Doch noch immer wissen offenbar selbst die Mediziner nicht, welche Folgen der gescheiterte Hinrichtungsversuch für Christa Pike haben wird. Die zum Tode verurteilte US-Amerikanerin liegt nach Angaben ihres Anwalts Stephen Ferrell weiterhin auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee. Sie sei nach der gescheiterten Hinrichtung nicht wieder zu Bewusstsein gekommen und werde künstlich beatmet. Die Ärzte versuchten weiterhin, zwei Dosen des Hinrichtungsmittels Pentobarbital aus ihrem Körper zu bekommen.

„Wir wissen wirklich noch nicht, wie die Prognose aussieht, und möglicherweise werden wir das noch mehrere Tage lang nicht wissen“, sagte Ferrell CNN. Der Anwalt hat Pike bislang nicht selbst im Krankenhaus besucht. Informationen über ihren Zustand erhält er nach eigenen Angaben über die Person, die über eine medizinische Vollmacht für Pike verfügt. Wer zu der 50-Jährigen vorgelassen wurde, weiß Ferrell deshalb ebenfalls nicht. Sie werde bewacht.
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Anwalt schließt dauerhafte Folgen nicht aus
Selbst wenn Christa Pike überlebt und wieder zu Bewusstsein kommt, könnten die Folgen des Hinrichtungsversuchs weitreichend sein. „Wenn sie sich erholt, erholt sie sich möglicherweise nicht vollständig“, erklärte Ferrell. Auch die Frage, ob sie anschließend noch als rechtlich zurechnungsfähig beziehungsweise hinrichtungsfähig gelten könnte, sei vollkommen offen. Die Behörden haben bislang nicht erklärt, warum die Hinrichtung scheiterte. Ebenso ist unklar, ob Tennessee erneut versuchen wird, das Todesurteil zu vollstrecken. Gouverneur Bill Lee setzte allerdings sämtliche weiteren Hinrichtungen im Bundesstaat für den Rest des Jahres aus. Am Samstag kündigte zudem der Leiter der Gefängnisbehörde seinen Rücktritt an.
Pikes Anwalt fordert nun mindestens eine Umwandlung der Todesstrafe in lebenslange Haft. Seine Mandantin habe einen „qualvollen Versuch ihrer Hinrichtung“ durchgestanden. Ferrell erklärte außerdem, man wisse derzeit nicht, was Pike währenddessen durchgemacht habe und werde es möglicherweise niemals vollständig erfahren.
Anwälte hatten vor medizinischen Risiken gewarnt
Schon vor der Hinrichtung hatten Pikes Anwälte vor möglichen Komplikationen bei der Giftspritze gewarnt. Sie verwiesen unter anderem auf eine Thrombozytose, eine Erkrankung, bei der die Zahl der Blutplättchen erhöht ist, sowie auf Pikes kleine Venen. Dadurch bestehe das Risiko unnötiger Schmerzen und Leiden. Die Gefängnisbehörde von Tennessee verteidigte dagegen das Vorgehen bei der tödlichen Injektion. Das geltende Protokoll sehe keine zusätzlichen Maßnahmen über die vorgenommenen Schritte hinaus vor.
Lese-Tipp: Mutter des Mordopfers fordert Entschuldigung
Was genau bei den zwei Hinrichtungsversuchen schiefging, haben die Behörden bislang nicht erklärt. Für Christa Pike und ihre Anwälte dürfte nun zunächst eine andere Frage entscheidend sein. Ob die 50-Jährige wieder zu Bewusstsein kommt und welche gesundheitlichen Schäden zurückbleiben, ist weiterhin völlig offen.
1995 tötete Christa Pike eine 19-Jährige
Der Fall Christa Pike reicht mehr als drei Jahrzehnte zurück. Pike war 18 Jahre alt, als sie 1995 gemeinsam mit ihrem damaligen Freund Tadaryl Shipp die 19-jährige Colleen Slemmer schlug, folterte und tötete. Im folgenden Jahr wurde Pike zum Tode verurteilt
Slemmers Mutter May Martinez war zur geplanten Hinrichtung nach Nashville gereist. Sie hatte sich für die Vollstreckung des Todesurteils ausgesprochen. Gegenüber dem lokalen US-Sender WJXX sagte Martinez, sie sei in Tränen ausgebrochen, als sie erfahren habe, dass die Hinrichtung nicht erfolgreich gewesen war. „Ich denke, der Staat schuldet mir eine große Entschuldigung“, erklärte sie.
Quelle: BBC, CNN


