Unheimliche Studien aufgetaucht Staat machte „Stranger Things-Experimente” mit Kindern in Kanada

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Nach und nach kommt ans Licht, was in Kanada jahrelang mit indigenen Kindern passiert ist.
Artur Widak/NurPhoto/picture alliance

Wer teilnahm, wurde mit Süßigkeiten belohnt.
Es war purer Zufall, dass die dunklen Geheimnisse der „Indian Residential School“ in Brandon, in der kanadischen Provinz Manitoba, überhaupt ans Licht kommen. Jahrelang wurden die Kinder an der Schule offenbar systematisch als Versuchskaninchen für parapsychologische Experimente missbraucht. Die Forscher waren damals auf der Suche nach übernatürlichen Fähigkeiten, dem sogenannten sechsten Sinn.

Wissenschaftler testet 50 indigene Schüler auf übersinnliche Fähigkeiten

Maeengan Linklater, der sich in einem Indigenen-Verein in Winnipeg engagiert, entdeckte den schaurigen Artikel aus dem Journal of Parapsychology aus dem Jahr 1943, als er in einem Geschäft ein paar alte Bücher durchsieht. Und was er liest, kommt ihm komisch vor, wie er dem Nachrichtenportal The Debrief erklärt.

Laut der Studie wurden in den Jahren 1940 und 1941 50 Schüler der Residential School im Alter zwischen sechs und 20 Jahren getestet. Alle sollen „freiwillig“ an dem Experiment teilgenommen haben, heißt es. Denn die Teilnehmer seien damals – egal, wie sie abschnitten – mit Naschereien belohnt worden. Die Eltern der Teilnehmer wurden allerdings nie um Erlaubnis gefragt.

Handbemaler Stein vor der Kamloops Indian Residential School
Vor der „Kamloops Indian Residential School” liegt ein handbemalter Stein, um an das Unrecht zu erinnern, was den Schülern dort passiert ist.
picture alliance / empics

Unterernährte Kinder hätten fast alles für ein paar Süßigkeiten getan

Linklater glaubt aber, dass die Kinder in der Studie kaum eine Wahl hatten, wie er dem Sender CBC im Jahr 2015, kurz nach Bekanntwerden der Studie, erzählt. Er fragt sich, was sie hätten antworten sollen, „wenn man hungert und jemand sagt: ‚Willst du an dieser Studie teilnehmen, wir geben dir dann auch Süßigkeiten.‘“ Ein paar Süßigkeiten wären für ein unterernährtes Kind in so einer Situation von unschätzbarem Wert gewesen, ist er sich sicher.

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Tausende Kinder aus indigenen Familien wurden ihren Eltern in Kanada weggenommen und in Residential Schools geschickt. Die staatlichen Internate wurden unter dem Vorwand gegründet, die Kinder in die westliche Kultur zu integrieren. Tatsächlich sollten ihnen ihre kulturellen Wurzeln aberzogen werden. Fernab ihrer Familien wurden zahllose Kinder Opfer von Missbrauch, Misshandlungen und massiver Unterernährung. Viele überlebten den Horror der Residential Schools nicht. Die letzte dieser Schulen wurde erst 1996 geschlossen.

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Kinder sollten in dem Test die Gedanken ihrer Betreuerin lesen

Der Autor der Studie A. A. Foster ging damals offenbar davon aus, dass indigene Kinder parapsychologische Fähigkeiten haben. In dem Experiment lässt er eine Betreuerin der Schule den Kindern verdeckte Karten zeigen. Die Kinder können nicht sehen, was auf der Karte abgebildet ist, die Betreuerin schon. Foster wollte damit testen, ob die Kinder Gedanken lesen und herausfinden können, was ihre Erzieherin sieht.

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Angeblich kommt er bei dem Experiment zu dem Schluss, dass zumindest ein Teil der Kinder tatsächlich über übersinnliche Wahrnehmung verfügt. Denn die Kinder sollen Ergebnisse abgeliefert haben, die über reinen Zufallswerten liegen. Es seien aber weitere Experimente nötig, um das wissenschaftlich zu untermauern, heißt es im Fazit des wissenschaftlichen Artikels, der an die fiktive US-Serie „Stranger Things“ erinnert. Darin kommt eine Gruppe Jugendlicher geheimen parapsychologischen Experimenten der Regierung auf die Spur.

Every Child Matters, Parliament Hill, Ottawa, Ontario, Canada
Bei einer Gedenkveranstaltung in Ottawa erinnern unzählige Kinderschuhe an die Kinder, die in den staatlichen Schulen in Kanada ums Leben gekommen sind.
picture alliance / Design Pics

Mit Kindern in Residential Schools wurden noch viel schlimmere Experimente gemacht

In der modernen Wissenschaft spielen Theorien zu parapsychologischen Fähigkeiten oder übersinnlichen Wahrnehmung kaum noch eine Rolle, wie die Washington Post berichtet. Es gibt keine unabhängigen Studien, die belegen, dass solche Eigenschaften überhaupt existieren.

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Der Historiker Ian Mosby, der sich die Studie von 1943 angesehen hat, geht zwar davon aus, dass bei dieser Studie kein Kind zu Schaden kam – anders als bei anderen medizinischen Experimenten, die an staatlichen Schulen in Kanada durchgeführt wurden. Trotzdem hält er die parapsychologischen Tests für hochproblematisch, wie er dem Sender CBC erklärt. „Die Tatsache, dass Wissenschaftler einfach so Zugang zu den Kindern hatten, sollte uns darüber nachdenken lassen, welche anderen Wissenschaftler auch Zugang zu den Kindern hatten“, meint er. Gibt es weitere gruselige Experimente, von denen wir noch nichts wissen? Mosby befürchtet genau das.

Verwendete Quellen: Journal of Parapsychology, CBC, The Washington Post, The Debrief