Umstrittene Frage an Selenskyi„Mehr Russen töten“ – Russland eröffnet Strafverfahren gegen FAZ‑Reporter

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Nach umstrittener Selenskyj‑Frage: Moskau droht deutschem Journalisten mit Haft (Symbolbild)
picture alliance/chromorange

Russland droht mit Straflager!
Eine unglücklich formulierte Frage könnte für FAZ-Korrespondent Michael Martens jetzt ernste Folgen haben. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Tass wurde in Russland ein Strafverfahren gegen den deutschen Journalisten eingeleitet – ihm drohen im schlimmsten Fall bis zu sechs Jahre Haft.

Russland ermittelt gegen FAZ‑Journalist Michael Martens nach Selenskyj‑Frage – bis zu sechs Jahre Haft möglich

Eine Frage auf einer Pressekonferenz – und jetzt ein mögliches Strafverfahren in Russland: Moskau soll gegen den FAZ‑Balkankorrespondenten Michael Martens ermitteln. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass geht es um den Vorwurf, öffentlich Hass oder Feindschaft geschürt zu haben. Bei einer Verurteilung drohen Martens bis zu sechs Jahre Straflager.

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Auslöser ist eine Pressekonferenz am 8. August in der serbischen Hauptstadt Belgrad. Dort fragte Martens den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj: „Was können wir konkret tun, um Ihnen zu helfen, mehr Russen – mehr russische Soldaten – zu töten?“ Die Formulierung sorgte für massive Kritik aus Russland. Nun soll geprüft werden, ob der Journalist international zur Fahndung ausgeschrieben wird und ob in seiner Abwesenheit Untersuchungshaft angeordnet wird.

BELGRADE, SERBIA — August 8, 2026. Serbian President Aleksandar Vu?i? met with Ukrainian President Volodymyr Zelenskyy at the Palace of Serbia in Belgrade. During the meeting, the two sides signed a memorandum of cooperation in the fields of animal health and food safety.//BETAAGENCY_sipa.13705/Credit:Obradovic/BetaPhoto/SIPA/2608081527
Auf der Pressekonferenz in Serbien stellte der Balkankorrespondent der FAZ die heikle Frage an Selenskyi.
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Wichtig: Die Meldung über das Verfahren geht bislang auf die staatliche Nachrichtenagentur Tass zurück, die sich auf eine nicht namentlich genannte „informierte Quelle“ beruft. Eine offizielle Mitteilung russischer Ermittlungsbehörden liegt nicht vor. Auch der FAZ selbst ist nach eigenen Angaben kein Strafverfahren bekannt.

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Die FAZ bedauerte die Formulierung ihres Korrespondenten als missverständlich. Es sei ausdrücklich nicht die redaktionelle Linie des Blatts, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten. Gleichzeitig stellte die Zeitung klar: „Diffamierungen und Drohungen“ gegen Martens seien „inakzeptabel“. Zur Pressefreiheit gehöre es, auf einer Pressekonferenz Fragen zu stellen.

Brisant: Russland kann Strafurteile auch gegen Menschen sprechen, die gar nicht im Land sind. Ein Beispiel ist der deutsche Karnevalswagenbauer Jacques Tilly, der wegen satirischer Putin‑Figuren in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Straflager verurteilt wurde. Eine Auslieferung aus Deutschland muss Martens zwar nicht befürchten – Reisen in Staaten, die eng mit Russland kooperieren, könnten für ihn aber zum Risiko werden.

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Für Martens ist aus einer zugespitzten Frage damit eine ernste juristische Drohung geworden. Ob Moskau die angekündigten Schritte wirklich durchsetzt, ist offen. Klar ist aber: Russland setzt immer wieder auf juristischen Druck, Fahndungsdrohungen und Urteile in Abwesenheit, um Kritiker und Journalisten auch außerhalb des eigenen Landes einzuschüchtern.

Verwendete Quellen: FAZ, Tass