Hilferufe nach Stromschlag beim TrainsurfingLebensgefährlich verletzter Junge (14) schreit um Hilfe – Retter müssen mehr als eine Stunde warten

Jugendlicher bei Trainsurfing lebensgefährlich verletzt
Rettungskräfte und ein Hubschrauber sind nach einem schweren Unfall beim Trainsurfing im Einsatz. Ein 14-Jähriger war auf dem Dach eines Zuges mitgefahren und lebensgefährlich durch einen Stromschlag verletzt worden.
Jan Ohmen/dpa

Die Einsatzkräfte hören seine Hilferufe, doch sie dürfen nicht zu ihm!
Nach einem schweren Stromunfall auf einem Zugdach in Köln kämpft ein 14-Jähriger um sein Leben. Obwohl die Feuerwehr, der Rettungsdienst und der leitende Notarzt der Stadt Köln schnell vor Ort sind, dauert es offensichtlich mehr als eine Stunde, bis die Helfer zu dem Teenager dürfen. Der Grund: Das Notfallmanagement der Bahn hat die Strecke nicht „stromfrei” gemeldet. Das verdammt die Retter zum Warten.

Trainsurfing-Unfall in Köln: 14-Jähriger erleidet schwerste Verbrennungen

Am Sonntagabend (11. Oktober) kommt es auf einem Regionalexpress der Linie RE5 zu einem dramatischen Unfall. Um 20.44 Uhr gehen Notrufe bei der Kölner Feuerwehr ein. Fahrgäste hatten zwei Lichtblitze gesehen und plötzlich Hilferufe gehört. Der Zug wird gestoppt. Der Lokführer entdeckt einen schwer verletzten Jugendlichen zwischen zwei Wageneinheiten.

Offenbar ist der 14-Jährige auf dem Dach des Zuges mitgefahren, als es zu einem gefährlichen Stromüberschlag zwischen der Oberleitung und ihm kam. Der Junge erleidet schwerste Verbrennungen an rund 80 Prozent seines Körpers. Der Teenager ist lebensgefährlich verletzt.

Feuerwehr Köln muss mehr als eine Stunde warten – trotz Hilferufen

Sofort rast ein Großaufgebot der Kölner Feuerwehr zur Unglücksstelle. Die Bahnstrecke wird durch die Bahn sehr schnell gesperrt, das bestätigt ein Sprecher. Doch trotzdem dürfen die Helfer nicht zu dem Jungen.

Der Grund ist die Hochspannung von bis zu 15.000 Volt in der Oberleitung. Erst wenn die Stromzufuhr abgeschaltet, die Spannungsfreiheit festgestellt und die Leitung geerdet ist, können sich die Rettungskräfte dem Verletzten nähern.

Rettungskräfte können erst nach langer Wartezeit zum lebensgefährlich Verletzten (14).
Rettungskräfte können erst nach langer Wartezeit zum lebensgefährlich Verletzten (14).
aba, Jan Ohmen/dpa

Das Problem: Dieser Vorgang zieht sich offenbar über mehr als eine Stunde hin. Erst gegen 22 Uhr können die Feuerwehrleute nach eigenen Angaben zum Verletzten – rund 76 Minuten nach dem Notruf. Sie beginnen dann sofort mit der medizinischen Versorgung des Jugendlichen.

Nach RTL-Informationen kommt der Teenager in das Brandverletzten-Zentrum nach Köln-Merheim.

Doch es bleibt vor allem eine Frage: Warum hat es so lange gedauert, bis die Retter zu dem lebensgefährlich verletzten Jungen durften? RTL.de hat bei der Deutschen Bahn nachgefragt. Ein Sprecher sagt: „Im aktuellen Fall sind uns keine Verzögerungen bei der Sicherung der Einsatzstelle bekannt. Die Mitarbeitenden des Notfallmanagements waren innerhalb der vorgegebenen Zeiten am Einsatzort und haben die Oberleitung umgehend geerdet.” Und: „Erst wenn zweifelsfrei keine Gefahr mehr von der Oberleitung und dem Zugbetrieb ausgeht, geben unsere Mitarbeitenden den Gleisbereich für die Rettungskräfte frei.”

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Feuerwehrsprecher schildert RTL.de, wie sehr der Einsatz belastet

Für die Rettungskräfte war die Situation kaum auszuhalten. „Es geht uns richtig an die Nieren, dass wir da stehen und warten müssen“, sagt ein Sprecher der Kölner Feuerwehr zu RTL.de.

Die dramatischen Minuten hinterlassen auch bei den Helfern Spuren. Wie der Feuerwehrsprecher RTL.de erklärt, habe man mit den beteiligten Einsatzkräften im Nachgang gesprochen, damit sie das Erlebte verarbeiten können.

Nach Angaben der Feuerwehr ist außerdem ein Team zur psychosozialen Unterstützung vor Ort, um die Retter aufzufangen. Insgesamt sind rund 50 Kräfte von Berufsfeuerwehr, Freiwilliger Feuerwehr und Rettungsdienst im Einsatz.

Die Deutsche Bahn warnt eindringlich vor dem sogenannten Trainsurfing: „Das Betreten von Bahnanlagen und das Klettern auf Züge ist immer lebensgefährlich! Keine Mutprobe und kein Freundschaftsbeweis ist es wert, das eigene Leben zu riskieren! Jeder Unfall ist einer zu viel. Bahnfahren ist sicher, wenn man sich an Regeln hält.”

Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche/ Statement Deutsche Bahn