Das steckt hinter den letzten WünschenDie ungewöhnlichsten Henkersmahlzeiten von US-Gefangenen

Vier ungewöhnliche Henkersmahlzeiten
Vier ungewöhnliche Henkersmahlzeiten (Symbolbilder)
Von o. li. nach u. re.: RTL (KI), picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Kiichiro Sato, picture alliance / CHROMORANGE / Barbara Neveu, picture alliance / Zoonar / Markus Beck
von Philipp Petersdorff

Eine einzelne Olive, Minzeis, Erde.
Wie alle Todeskandidaten durfte Christa Pike vor der geplanten Hinrichtung eine Henkersmahlzeit wählen.
Doch die 50-Jährige verzichtete auf eine besondere Bestellung. Ungewöhnlich, aber keineswegs einmalig. Teils äußerst schlicht, teils kurios fielen hingegen die Wünsche anderer zum Tode verurteilter Häftlinge aus.

Eine einzelne Olive als letztes Essen

Kaum eine letzte Mahlzeit war so klein und gleichzeitig so symbolträchtig wie die von Victor Feguer. Der wegen Entführung und Mordes zum Tode verurteilte US-Amerikaner bestellte vor seiner Hinrichtung 1963 nur eine einzige Olive – ausdrücklich mit Kern. Dahinter steckte ein letzter Wunsch: Feguer hat gehofft, dass aus Kern nach seinem Tod ein Olivenbaum wachsen würde – als Symbol für Frieden und Erlösung. Der damals 27-Jährige wurde am 15. März 1963 im US-Bundesstaat Iowa gehängt.

Eine Olive auf einem Teller
Victor Feguer wünschte sich, dass aus seiner letzten Mahlzeit aus seinem Grab ein Olivenbaum wachsen würde (Symbolbild)
RTL (KI)

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Er wollte Erde – und bekam Joghurt

Noch ungewöhnlicher war der Wunsch von James Edward Smith. Vor seiner Hinrichtung 1990 im US-Bundesstaat Texas verlangte er eine Handvoll Erde. Der 37-Jährige wollte sie demnach für ein Voodoo-Ritual verwenden. Die Gefängnisleitung erfüllte ihm diesen Wunsch nicht. Statt der Erde entschied sich Smith schließlich für Joghurt. Er wurde am 26. Juni 1990 durch eine Giftspritze hingerichtet.

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Minz-Eis für den Oklahoma-Attentäter

Timothy McVeigh bestellte Süßes. Der Attentäter von Oklahoma City wünschte sich vor seinem Tod zwei Pints – also zwei große Becher – Minz-Schokoladen-Eis. McVeigh hatte 1995 mit einer Bombe vor einem Regierungsgebäude in Oklahoma City 168 Menschen getötet. Am 11. Juni 2001 wurde er im Bundesgefängnis in Terre Haute im US-Bundesstaat Indiana hingerichtet. Wie die Washington Post damals berichtete, aß er sein Eis am Tag vor der Exekution.

Timtohy James McVeigh hat 168 Menschen getötet und wünschte sich Minz-Eis als letzte Mahlzeit
Timtothy James McVeigh hat 168 Menschen getötet und wünschte sich Minz-Eis als letzte Mahlzeit
picture alliance/AP Photo / John Gaps

Seine letzten Worte drehten sich um Spaghetti

Thomas J. Grasso hatte deutlich größere Pläne für seine letzte Mahlzeit. Der 1995 im US-Bundesstaat Oklahoma hingerichtete Mörder wünschte sich unter anderem Muscheln, einen Cheeseburger, Rippchen, Milchshakes, Kürbiskuchen und eine Dose SpaghettiOs mit Fleischbällchen.

SpaghettiOS
Das wären die richtigen Spaghetti gewesen
picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Kiichiro Sato

Doch ausgerechnet bei den SpaghettiOs ging offenbar etwas schief. Statt der amerikanischen Dosennudeln bekam Grasso normale Spaghetti. Kurz vor seiner Hinrichtung machte er seinem Ärger darüber Luft. Der Guardian zitierte seine letzten Worte so: „Ich habe meine SpaghettiOs nicht bekommen, ich habe Spaghetti bekommen. Ich will, dass die Presse das weiß.“

Warum Texas besondere letzte Mahlzeiten abschaffte

Nicht überall in den USA können zum Tode Verurteilte heute noch Wünsche für ihr letztes Essen äußern. Texas schaffte diese Tradition 2011 ab. Vorausgegangen war die Bestellung des verurteilten Mörders Lawrence Russell Brewer.

Brewer ließ sich unter anderem zwei Chicken-Fried-Steaks, einen dreifachen Bacon-Cheeseburger, Fleisch mit Käse-Omelett, Barbecue, Fajitas, Pizza, Eis und Fudge bringen. Gegessen habe er davon anschließend nichts, berichtete der Guardian damals. Ein einflussreicher Senator des Bundesstaates forderte daraufhin das Ende der Sonderwünsche. Seitdem bekommen zum Tode verurteilte Häftlinge in Texas vor ihrer Hinrichtung das Essen, das auch die anderen Gefangenen erhalten.

Lawrence Russell Brewer
Weil Lawrence Russell Brewer seine bestelltes letztes Menu nicht anrührte, wurde in Texas die Henkersmahlzeit abgeschafft
action press

Christa Pike verzichtete auf Henkersmahlzeit

Christa Pike, die am 30. September in einem Gefängnis in Nashville durch Gift sterben sollte, verzichtete auf einen besonderen Wunsch. Ihre vermeintlich letzte Mahlzeit wurde damit zur Randnotiz einer Hinrichtung, die ganz anders endete als geplant.

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Pike war wegen des Mordes an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer im Jahr 1995 zum Tode verurteilt worden. Ihre Exekution scheiterte auf dramatische Weise: Pike überlebte zwei Dosen des Hinrichtungsmittels Pentobarbital. Die 50-Jährige wurde schließlich in ein Krankenhaus gebracht. Associated Press berichtete am Freitag (2. Oktober), dass sie bewusstlos sei und künstlich beatmet werde. Tennessees Gouverneur Bill Lee setzte weitere Hinrichtungen zunächst aus und ordnete eine unabhängige Untersuchung an.

Verwendete Quellen: AP, CBS, Guardian, Washington Post, The Sun