Doch keine Tierquälerei?Kater vor laufender Kamera getötet – Gericht spricht alle vier Angeklagten frei

Ein Kater (Symbolbild)
Ein Kater ist vor laufender Kamera getötet worden (Symbolbild)
Tierschutzverein Hannover e.V.
von Philipp Petersdorff

Dieser Fall sorgte monatelang für Entsetzen weit über Österreich hinaus.
Vier junge Männer standen vor Gericht, nachdem sie einen Kater vor laufender Kamera getötet haben. Am jetzt ist das Urteil gefallen – und es dürfte die Diskussionen noch weiter anheizen.

Das Video schockierte Tausende

Der Fall wurde Anfang Mai bekannt. Zwei Jugendliche hatten ein Handyvideo bei der Polizei abgegeben. Die Ermittlungen führten zu vier Österreichern im Alter zwischen 16 und 24 Jahren aus der Gemeinde Brixen im Thale (Bundesland Tirol). Sie meldeten sich später selbst bei der Polizei und räumten ihre Beteiligung ein.

Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie ein Kater zunächst mit einem Bolzenschussgerät getötet werden soll. Anschließend schlagen Beteiligte mit einer Schaufel auf das Tier ein. Schließlich wird ihm die Kehle durchgeschnitten. Das Video verbreitete sich über Messenger-Dienste und löste Empörung aus.

Warum das Gericht die Täter trotzdem freigesprochen hat

Vor dem Landesgericht Innsbruck erklärten die Angeklagten, sie hätten den Kater schwer verletzt gefunden und ihn von seinem Leiden erlösen wollen. Dieser Darstellung folgte das Gericht. Nach der Urteilsbegründung konnte nicht widerlegt werden, dass das Tier bereits verletzt aufgefunden worden war, berichtet Rosenheim24.

Ein Sachverständiger habe außerdem nicht sicher feststellen können, ob der Kater nach dem Bolzenschuss überhaupt noch Schmerzen verspürte, als anschließend mit der Schaufel auf ihn eingeschlagen wurde. Das Gericht verwies in seinem Urteil vom 4. August zudem darauf, dass ein Bolzenschussgerät grundsätzlich ein Mittel sei, mit dem Tiere fachgerecht getötet werden können. Deshalb sah es den Vorwurf der Tierquälerei nicht als erwiesen an.

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Angeklagter verlor seinen Job – Hass im Netz

Für einen der Angeklagten hatte der Fall dennoch erhebliche Folgen. Er verlor seinen Arbeitsplatz bei einem Bergbahn-Unternehmen fristlos. Außerdem sahen sich die Beschuldigten massiven Anfeindungen in sozialen Netzwerken ausgesetzt. Es soll Hasspostings, Drohungen und Veröffentlichungen persönlicher Daten gegeben haben. Der Bürgermeister von Brixen im Thale warnte deshalb schon früh vor einer Online-Hetzjagd, wie Der Standard schreibt.

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Tierschützer bleiben fassungslos

Das Urteil stößt bei Tierschützern auf scharfe Kritik. Bereits nach Bekanntwerden des Videos hatte der Tiroler Tierschutzverein den Fall als erschütternd bezeichnet und betont, für ein solches Vorgehen gebe es keine Rechtfertigung. Auch nach dem Freispruch hält die öffentliche Empörung an. In sozialen Netzwerken wird die Entscheidung des Gerichts vielfach kritisiert, während Tierschützer strengere Konsequenzen bei Fällen mutmaßlicher Tierquälerei fordern.

Verwendete Quellen: Der Standard, Rosenheim24.de