Nach Suizid von mutmaßlichem Stade-MörderJustizministerium erklärt Haftzeit – Gefangener fand schnell Anschluss im Knast

ARCHIV - 09.01.2013, Niedersachsen, Bremervörde: Der Blick in einen Haftraum in der Justiz-Vollzugsanstalt (JVA) Bremervörde (Niedersachsen).  (zu dpa: «Verdächtiger von Stade tot in Zelle gefunden») Foto: Carmen Jaspersen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Der Blick in einen Haftraum in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bremervörde (Niedersachsen). (Archivbild)
Carmen Jaspersen/dpa

Wie konnte sich der mutmaßliche Stade-Mörder in seiner Gefängniszelle das Leben nehmen?
Ende Juni soll er in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade sechs Menschen erschossen haben. Einen Prozess wird es nicht mehr geben, stattdessen teilt das Justizministerium Informationen über die Haftzeit des mutmaßlichen Mörders. Dabei kommt raus: Anfangs wurde er als selbstmordgefährdet eingestuft, doch nachdem er Kontakte zu anderen Häftlingen pflegte, lockerten sich die Maßnahmen.

Justizministerium: Keine Hinweise auf Fremdverschulden

Als ein Justizbeamter am Dienstagmorgen (21. Juli) um 6.05 Uhr die Zellentür öffnet, ist der Schock groß: Der mutmaßliche Sechsfachmörder ist tot. „Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse handelt es sich um einen Suizid. Es liegen keinerlei Hinweise auf ein Fremdverschulden vor”, erklärt Simon Beschoten, Pressesprecher des Justizministeriums Niedersachsen, am Mittwoch (22. Juli) auf einer Pressekonferenz. Der Körper des Gefangenen ist schon kalt, als er gefunden wird, stranguliert. Am Vorabend, gegen 20 Uhr, fand die letzte Kontrolle statt.

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über eure Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800 – 1110111 oder 0800 – 1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Im Video: Hunderte Menschen trauern um die Getöteten

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Einen Tag nach der Tat kommt der mutmaßliche Täter in die JVA

29. Juni 2026: Der mutmaßliche Mörder ist zu einem Termin in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade. Dabei soll es um das Sorgerecht für seine drei Monate alte Tochter gegangen sein. Dort soll er dann sechs Menschen erschossen haben. Er flüchtet, wird wenig später aber festgenommen. Schon kurz nach der Tat soll er Beamten gesagt haben, dass er sich umbringen wollte, ihm allerdings die Munition fehlte.

Flowers and candles sit in the ground near the scene after a deadly shooting at a youth welfare facility in the northern town of Stade, Germany, June 29, 2026. REUTERS/Jonas Walzberg
Schock und Trauer sind groß in der niedersächsischen Stadt Stade.
REUTERS

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Dazu äußert sich das Justizministerium nicht und verweist auf laufende Ermittlungen. Simon Beschoten erklärt, dass der mutmaßliche Mörder am 30. Juni, also einen Tag nach der Tat, in die JVA Bremervörde kam: „Am selben Tag wurde eine besondere Sicherungsmaßnahme angeordnet: ständige Beobachtung mittels optisch-elektronischer Einrichtungen – also eine lückenlose Überwachung rund um die Uhr im kameraüberwachten Haftraum.“ Hintergrund ist ein Zugangsgespräch, das mit jedem Gefangenen durchgeführt wird, so auch bei dem mutmaßlichen Stade-Mörder. „Insbesondere zur Einschätzung von Suizidgefahr“, erklärt der Pressesprecher.

Kontakt zu Mitgefangenen wurde ihm ermöglicht

Am 9. Juli wurden die Haftbedingungen des mutmaßlichen Mörders dann verändert, laut Justizministerium auf Grundlage eines psychologischen Berichts: Teilnahme am Stationsalltag und Kontakt zu Mitgefangenen war ab dann möglich: „Die Psychologin stellte fest, der Gefangene habe sein Befinden als verbessert beschrieben und sich glaubhaft von Suizidgedanken distanziert“, erklärt Beschoten. Alle zwei Stunden sei nach dem Gefangenen geschaut worden, auch nachts.

Nur wenige Tage später, so berichtet das Justizministerium, habe er Anschluss gefunden, soziale Kontakte zu anderen Gefangenen gepflegt. Es hätte keine Hinweise auf selbstgefährdendes Verhalten mehr gegeben. Am 20. Juli erfolgte schließlich die vollständige Aufhebung der Maßnahmen. Diese wurden sukzessive verringert. Am nächsten Morgen wird der Gefangene tot in seiner Zelle gefunden.

Kein Prozess und keine gerichtliche Aufarbeitung

„Uns ist bewusst, was das insbesondere für die Angehörigen der Opfer bedeutet”, erklärt der Pressesprecher während der Konferenz. „Dadurch, dass der Gefangene tot aufgefunden wurde, wird ihnen die Möglichkeit der gerichtlichen und emotionalen Aufarbeitung genommen.“ Die Aufarbeitung laufe auf Hochtouren, ergänzt er noch.

Verwendete Quelle: RTL-Recherche