Wie konnte das passieren?Stade-Killer begeht Suizid – JVA-Mitarbeiter erklärt, wie er untergebracht war

OT Oliver Mageney, Vorsitzender Verband Niedersächsischer Strafvollzugsbediensteter
Strafvollzugsbediensteter gibt Einblicke in die Abläufe hinter Gittern.

„Wer den Willen gefasst hat, der macht das auch”
Er erschießt sechs Menschen – und nimmt sich dann selbst das Leben! Nach dem Suizid des mutmaßlichen „Stade-Killers“ in der JVA Bremervörde steht eine harte Frage im Raum: Hätten die Behörden das verhindern müssen? Ein Mann, der seit Jahrzehnten hinter Gefängnismauern arbeitet, sagt im RTL-Interview: Inhaftierte können selbst Psychologen täuschen

Suizid des mutmaßlichen Stade-Killers in JVA: Oliver Mageney erklärt Regeln und Grenzen der Suizidprävention

Oliver Mageney kennt den Strafvollzug, in dem der Stade-Killer saß. Der Vorsitzende des Verbands Niedersächsischer Strafvollzugsbediensteter war selbst lange in der JVA Bremervörde tätig. Er erklärt: Tatverdächtige werden nach schweren Taten zunächst meist in einem kameraüberwachten Haftraum untergebracht, psychologisch betreut und eng kontrolliert. Erst wenn Fachleute keine akute Suizidgefahr mehr sehen, kommen sie in eine normale Zelle.

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Dort saß auch der Tatverdächtige aus Stade. Ein besonders gesicherter Haftraum ohne mögliche Befestigungspunkte ist nur bei deutlich erkannter Suizidgefahr erlaubt. Offenbar wurde der Mann nicht entsprechend eingestuft, obwohl er nach Recherchen des Spiegel nach der Tat versucht haben soll, sich das Leben zu nehmen. Laut NDR endete die Dauerbeobachtung des Stade-Killers am Abend bevor er sich das Leben nahm.

ARCHIV - 09.01.2013, Niedersachsen, Bremervörde: Der Blick in einen Haftraum in der Justiz-Vollzugsanstalt (JVA) Bremervörde (Niedersachsen).  (zu dpa: «Verdächtiger von Stade tot in Zelle gefunden») Foto: Carmen Jaspersen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Der Blick in einen Haftraum in der Justiz-Vollzugsanstalt (JVA) Bremervörde (Niedersachsen). (Archivbild)
Carmen Jaspersen/dpa

Ob er länger hätte überwacht werden müssen, will Mageney nicht beurteilen. Psychologen dokumentierten ihre Gespräche und Entscheidungen genau. Diese Unterlagen würden nun vom Justizministerium ausgewertet.

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Doch selbst Fachleute könnten getäuscht werden, sagt Mageney: „Wir haben die größten Blender und Betrüger im Vollzug.“ Deshalb sei aufmerksames Personal besonders wichtig. Veränderungen wie Rückzug, ungewöhnliche Ruhe oder Aggressivität könnten Warnzeichen sein. Trotzdem gelte: Wer fest zum Suizid entschlossen sei, lasse sich nicht immer aufhalten.

Auch für die Bediensteten, die den Mann tot in seiner Zelle fanden, sei der Vorfall ein Schock. In Bremervörde kümmert sich ein Kriseninterventionsteam um die betroffenen Kolleginnen und Kollegen.

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über eure Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Mageneys Fazit: Kameras, Kontrollen und Gespräche können das Risiko senken. In die Köpfe der Gefangenen kann der Strafvollzug aber nicht hineinschauen. Vor allem mehr Personal und psychologische Betreuung könnten helfen, weitere Suizide zu verhindern. Aber er sagt auch: „Wer den Willen gefasst hat, der macht das auch.” Einen 100 Prozentigen Schutz gibt es nicht.

Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche, NDR