Er tötete sechs Menschen in Mutter-Kind-HeimKiller von Stade begeht im Gefängnis Suizid

Blumen und Kerzen stehen und liegen am Tatort, einem Gebäude einer Jugendeinrichtung. In der Einrichtung waren am Vortag mehrere Menschen durch Schüsse getötet worden. +++ dpa-Bildfunk +++
Blumen und Kerzen stehen und liegen am Tatort, einem Gebäude einer Jugendeinrichtung. In der Einrichtung waren mehrere Menschen durch Schüsse getötet worden.
picture alliance/dpa / Jörn Hüneke
von Camilla Koziol und Lea Haberbosch

Der Tod von sechs Menschen in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade sorgte Ende Juni für bundesweite Erschütterung. Jetzt hat der mutmaßliche Täter im Gefängnis Suizid begangen, wie aus einer Pressemitteilung des niedersächsischen Justizministeriums hervorgeht. Bild berichtete zuerst.

Ministerium hat Ermittlungen aufgenommen

Das Justizministerium teilt im Schreiben mit, dass der Verdächtige „innerhalb der Anstalt verstorben ist. Nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse handelt es sich um einen Suizid. Hinweise auf ein Fremdverschulden liegen aktuell nicht vor.”

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Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Der Gefangene wurde heute um 06.05 Uhr von einem hierfür zuständigen Stationsbediensteten im Rahmen der morgendlichen Lebend- und Vollzähligkeitskontrolle in seinem Einzelhaftraum aufgefunden. Der Gefangene wies zu diesem Zeitpunkt bereits keine Körpertemperatur mehr auf. Durch den herbeigerufenen Notarzt wurde um 06.29 Uhr der Tod des Gefangenen durch Strangulation festgestellt.”

Die Ermittlungen zu den konkreten Umständen des Todes seien eingeleitet worden. Sowohl die Angehörigen des Toten als auch die Angehörigen der Opfer in Stade seien informiert worden.

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über eure Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Wie konnte der Insasse in U-Haft sterben?

Die Justizvollzugsanstalt Bremervörde sei derzeit damit befasst, einen umfassenden Sofortbericht zu formulieren.
„Wir bitten um Verständnis, dass derzeit keine darüberhinausgehenden Informationen mitgeteilt werden können”, heiß es schriftlich.

Doch wie kann es sein, dass ein Verdächtiger überhaupt die Möglichkeit hat, sich in der Zelle das Leben zu nehmen? Schließlich soll er nach Spiegel-Recherchen den Ermittlern nach der Festnahme am Tag des Massakers berichtetet haben, dass er auch sich selbst erschießen wollte. Ihm seien jedoch die Patronen ausgegangen.

Niedersachsens CDU fordert Aufklärung

Dazu fordert die Opposition im niedersächsischen Landtag Aufklärung. „Die Justizministerin muss jetzt lückenlos darlegen, wann welche Hinweise auf eine mögliche Selbstgefährdung vorlagen, wie diese bewertet wurden, welche Schutzmaßnahmen angeordnet waren und ob sie tatsächlich eingehalten wurden”, teilte Carina Hermann, die Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Landtagsfraktion, der dpa mit.

„Dass der Beschuldigte nun tot in seiner Zelle aufgefunden wurde, nimmt den Angehörigen auch die Möglichkeit, die vollständige strafgerichtliche Aufarbeitung der Tat zu erleben”, kritisiert Hermann.

Die CDU-Fraktion wirft Niedersachsens Justizministerin Kathrin Wahlmann eine ”Serie schwerwiegender Pannen” vor. Zuletzt stand die SPD-Politikerin nach einer zwischenzeitlichen Flucht eines verurteilten Mörders aus dem Gefängnis in der Kritik. Außerdem bemängelt die Opposition, dass wichtige Führungspositionen im Ministerium nicht besetzt seien. „Diese Häufung von Pannen und nicht erklärbaren Vorgängen ist der Öffentlichkeit nicht länger zu vermitteln”, teilte Hermann mit.

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Mitarbeitende in Jugendhilfeeinrichtung getötet

Ende Juni hatte der Mann in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade sechs Menschen getötet, darunter jeweils drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes Hannover und der Einrichtung in Stade. Hintergrund ist nach bisherigen Erkenntnissen ein Sorgerechtsstreit um die zur Tatzeit drei Monate alte Tochter des Verdächtigen. Der Verdächtige wurde nach der Tat festgenommen und saß bis zu seinem Tod in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurde wegen Mordes ermittelt.

Im Fokus der Ermittler sind auch die Mutter des Kindes sowie eine weitere Frau, die den Fluchtwagen gefahren haben soll. Inwieweit sie aber tatsächlich an der Tat beteiligt waren, ist weiter offen, so die Staatsanwaltschaft.

Verwendete Quellen: Niedersächsisches Justizministerium, Bild, eigene RTL-Recherche, Spiegel.de