Nachbarn wurden misstrauisch Frau und Tochter lebten zwei Jahre lang mit Leiche im Haus

Ein katalanischer Polizeiwagen
Die Polizei machte eine schockierende Entdeckung, als sie das Haus betrat
picture alliance / imageBROKER / Pius Koller
von Philipp Petersdorff

Der Müll rund um das Haus wird immer mehr.
Nachbarn werden misstrauisch und informieren schließlich die Behörden. Als Polizisten in Cabrera d’Anoia rund 50 Kilometer nordwestlich von Barcelona nach dem Rechten sehen, machen sie eine schockierende Entdeckung. Im verwahrlosten Haus liegt die stark verweste Leiche eines Mannes.

Ehefrau und Tochter lebten weiter im Haus

Wie die spanische Zeitung El País berichtet, wohnt die Familie seit neun Jahren in dem Haus. Seit der Corona-Pandemie sollen Mutter und Tochter das Grundstück praktisch nicht mehr verlassen haben. Ihre Einkäufe bestellen sie online. Lieferanten stellen die Pakete vor der Tür ab, die beiden Frauen holen sie laut ihren Angaben nachts herein.

Mit der Zeit fällt den Nachbarn allerdings immer stärker auf, wie sehr das Grundstück verwahrlost. Eine direkte Nachbarin beschwert sich nach eigenen Angaben mehrfach über den Müll, zuletzt etwa zwei Wochen vor der Entdeckung. Schließlich bemerken Anwohner zusätzlich einen schlechten Geruch und wenden sich an die Gemeinde.

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So kommt die Polizei auf die Spur des Toten

Die Sozialdienste versuchen daraufhin, Kontakt zu der Familie aufzunehmen – ohne Erfolg. Außerdem stellen sie laut El País fest, dass der 77-jährige Hausbewohner schon länger nicht mehr zu seinen Arztterminen erschienen ist. Am Mittwochnachmittag (23. September) stehen schließlich Beamte der katalanischen Polizei Mossos d’Esquadra vor dem Haus. Die Ehefrau öffnet ihnen die Tür und lässt sie hinein. Drinnen bietet sich den Polizisten ein verstörendes Bild. Zahlreiche Kartons füllen das Haus, laut Polizeiquellen herrschen erhebliche hygienische Probleme. Inmitten des Chaos entdecken die Beamten schließlich die sterblichen Überreste des Mannes.

Ehefrau berichtet vom Tod auf dem Sofa

Die Frau erzählt der Polizei, ihr Mann sei bereits 2024 auf dem Sofa gestorben. Eine Todesursache nennt sie demnach nicht. Mutter und Tochter sollen den Körper anschließend lediglich mit einer Decke bedeckt und in ein Zimmer gebracht haben. Dort blieb er offenbar rund zwei Jahre lang. Bei dem Verstorbenen handelt es sich um einen Mediziner, der 1979 sein Studium der Medizin und Chirurgie an der Universität Barcelona abgeschlossen hatte. Später beschäftigte er sich intensiv mit Homöopathie und bekleidete mehrere Funktionen in entsprechenden Fachorganisationen. Unter anderem leitete er Ende der 1980er-Jahre die homöopathische Ärzteakademie von Barcelona.

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Ermittler gehen bislang von natürlichem Tod aus

Auch die Kriminaltechnik untersucht das Haus. Bislang finden die Ermittler keine Anzeichen dafür, dass der 77-Jährige Opfer eines Verbrechens wurde. Die Mossos d’Esquadra gehen derzeit davon aus, dass der Arzt eines natürlichen Todes starb. Eine Autopsie soll endgültige Klarheit über die Todesursache bringen. Für die beiden Frauen endet der Polizeieinsatz zunächst im Krankenhaus. Mutter und Tochter werden medizinisch untersucht und psychologisch betreut. Anschließend dürfen sie zunächst wieder nach Hause zurückkehren.

Verwendete Quellen: dpa, El Pais