Eigeninitiative bestraftAnwohner pflanzt Bäume und repariert Bänke – und bekommt dafür eine fette Strafe aufgebrummt

Die Carrer del Cos in Mataró
In dieser Straße legt ein Anwohner selbst Hand an, um sie zu verschönern – und wird dafür bestraft
Google Street Vie
von Philipp Petersdorff

Sieben Jahre lang hat Miquel Beschwerden eingereicht, ohne dass sich etwas änderte.
Also beschloss der Bewohner der katalanischen Stadt Mataró, die Sache selbst in die Hand zu nehmen: Er pflanzte fünf Bäume, setzte marode Parkbänke instand und reparierte lockere Gehwegplatten vor seinem Haus. Und damit beginnt eine echte Beamtenposse.

Miquel investiert eigenes Geld und eigene Arbeitskraft

Nach Angaben des Mannes hatte er die Stadtverwaltung über Jahre immer wieder auf Mängel in seiner Straße aufmerksam gemacht. Besonders die beschädigten Gehwegplatten seien für ältere Menschen und Passanten ein Risiko gewesen. Weil aus seiner Sicht nichts passierte, investierte er eigenes Geld und eigene Arbeitszeit. Doch statt eines Dankeschöns flattert Miquel ein Bußgeld über mehr als 1.700 Euro ins Haus.

Er kaufte fünf Bäume für leer stehende Baumscheiben, arbeitete zwei stark beschädigte Sitzbänke auf und tauschte mehrere Gehwegplatten aus, die sich gelöst hatten. Nach eigenen Angaben informierte er sich sogar vorab darüber, welche Baumarten laut den örtlichen Vorgaben gepflanzt werden dürfen.

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Aus Helfer wird plötzlich ein „Verursacher”

Die Stadt sieht den Fall allerdings völlig anders. Nach ihrer Auffassung veränderte der Anwohner den öffentlichen Raum ohne Genehmigung und verursachte dadurch Schäden an öffentlichem Eigentum. Deshalb erhielt er eine Geldbuße von 1.733 Euro. Und nicht nur das. Die Stadt kündigte an, den Bereich wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzen zu wollen.

Der Betroffene kann die Entscheidung kaum nachvollziehen. Dem Lokalsender TV Mataró sagte er: „Ich verstehe vollkommen, dass das eigentlich Aufgabe der Stadt ist und kein Privatmann das machen sollte.“ Er wisse auch, dass es Regeln gebe. Doch ihn störe, „dass man mich ohne vorherige Warnung direkt mit einem Verwaltungsverfahren bestraft und mir praktisch Vandalismus oder Schäden am öffentlichen Raum vorwirft“.

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Der Mann legt Einspruch ein

Der Anwohner hat inzwischen Einspruch gegen den Bescheid eingelegt. Er betont, niemals in böser Absicht gehandelt zu haben. Sein Ziel sei allein gewesen, Missstände zu beseitigen, über die er jahrelang geklagt habe. Deshalb empfinde er die Strafe als ungerecht.

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Nach der großen öffentlichen Aufmerksamkeit kam allerdings Bewegung in den Fall. Wie La Vanguardia inzwischen berichtet, räumt die Stadtverwaltung Fehler im Verwaltungsverfahren ein und will den Vorgang erneut prüfen. Ob der Mann die bereits gezahlten rund 1700 Euro zurückerhält, sollen nun die Rechtsabteilung und die weitere Prüfung entscheiden.

Verwendete Quellen: La Vanguardia, TV Mataro