Unglück im Roten MeerSekunden vor dem Ertrinken! Wie Mathias Baier aus München die „Sea Story”-Katastrophe überlebt hat 

Mathias Baier
Mathias Baier aus München hat die „Sea Story”-Katastrophe im Roten Meer überlebt
RTL

Mitten in der Nacht wird Mathias Baier brutal aus dem Schlaf gerissen!
Seine Tauchsafari im Roten Meer wird in Sekunden zum Überlebenskampf. Die Jacht „Sea Story” kentert, Baier und Kabinenpartner sind eingesperrt in Kabine 12. Im stockdunklen Bad, während das Wasser unaufhaltsam steigt, merkt der Münchner: Jetzt entscheidet sich, ob er lebt oder stirbt. Hier erzählt er seine Geschichte!

Mathias Baier hat die „Sea Story”-Katastrophe überlebt

Als die Urlaubsjacht „Sea Story” in den Wellen des Roten Meeres schwankt, liegen Mathias Baier, Danilo Rößger und 28 andere Gäste in ihren Kabinen in unruhigem Schlaf. Ein Starkwind aus Nordwest drückt das Schiff in eine bedrohliche Seitenlage, auf den Decks rutschen schwere Möbel hin und her. Die Küste ist rund 20 Kilometer entfernt.

Mit der Wucht von Hunderten Tonnen Gewicht schlägt die Sea Story mit der rechten Seite hart auf die Wasseroberfläche auf. Baier wird durch seine Kabine geschleudert und landet auf Rößgers Bett. Sie hören das ohrenbetäubende Klirren von splitterndem Glas. Eine Alarmsirene schickt ein schrilles Heulen in die Nacht. Nur Sekunden später verstummt der Alarm und das Licht fällt aus. Alles wird dunkel. Wassermassen fluten Kabinen und Gänge. 

„Es war nach fünf Sekunden Überlebenskampf. Für mich war dann schon klar, okay, wir haben jetzt nicht ein kleines Problem oder ein größeres Problem, sondern ein Riesenproblem”, erinnert sich Mathias Baier.

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Zu hören ist Baiers Geschichte in der zweiten Folge des neuen Serienpodcasts „Der Untergang der Sea Story“ von „stern Investigativ“. Die neue Folge „Kabine 12“ ist ab dem 19. Juni 2026 auf allen großen Podcast-Plattformen abrufbar. Alle sieben Folgen gibt es jetzt schon bei stern+ und auf RTL+ . Die Serie erzählt vom Untergang der „Sea Story“, die Ende November 2024 im Roten Meer kentert. 45 Menschen sind an Bord, elf sterben, viele werden verletzt – darunter auch Tauchtouristen aus Deutschland.

Gefangen in Kabine 12 – und das Wasser steigt

Eines der Opfer ist Mathias Baier, Ingenieur bei einem deutschen Autokonzern in München. Er ist zum Tauchen nach Ägypten gereist. Eine Woche Tauchsafari mit der „Sea Story“ zu einigen der besten Tauchplätze der Welt, das war das Versprechen des Anbieters. Baier wollte sich einfach ein paar von seinem stressigen Job erholen.

Die „Sea Story” war auf einer mehrtägigen Exkursion im Roten Meer unterwegs
Die „Sea Story” war auf einer mehrtägigen Exkursion im Roten Meer unterwegs
dpa

Neben ihm sucht sein Zimmernachbar Danilo Rößger, ein Fotoredakteur aus Hamburg, hektisch nach seinem Handy. Er braucht Licht. Doch überall liegen Matratzen, Koffer, verstreute Kleidung. Nichts ist mehr da, wo es hingehört. Erst langsam setzt sich das Bild zusammen: Das Schiff liegt auf der rechten Seite, ihre Kabine zeigt Richtung Himmel. Die Außenwand mit den Fenstern ist jetzt oben, die Tür zum Gang irgendwo unter ihnen, verschüttet unter all dem, was die Schwerkraft in Sekundenbruchteilen dorthin gedrückt hat.

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Sie tasten sich nach unten, zur Tür. Mathias Baier spürt das harte Holz, die Kante des Rahmens – und den Druck der Dinge, die sich darüber gestapelt haben. Sie liegen auf der Tür, aber sie lässt sich nicht öffnen. Hier kommen sie nicht raus. Also wechseln sie den Plan. Wenn nicht durch die Tür, dann über die Fenster.

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Fenster und Türen ließen sich nicht öffnen

Die Panoramafenster im Schlafzimmer sind jetzt gut vier Meter über ihnen, außerhalb jeder Reichweite. Also kämpfen sie sich Richtung Bad. In dem schräg im Wasser liegenden Schiff hangeln sie sich über den Türrahmen, steigen auf die Glaswand der Dusche, ziehen sich hoch zu dem kleinen Bullauge im Badfenster. Die große Scheibe lässt sich nicht öffnen. Das winzige runde Fenster daneben schon, aber es ist viel zu klein, um hindurchzuklettern. Es reicht gerade, um Luft hereinzulassen – nicht, um ihnen einen Ausweg zu bieten.

Eingeklemmt zwischen Duschwand und Fenster versuchen sie die Scheibe zu zerschlagen, mit Fäusten, Füßen, einer Klobürste. Aber: „Keine Chance, es ging einfach nicht“, so Baier. „Man hätte wirklich einen Hammer oder irgendwas gebraucht, um es zu zerschlagen“

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Zwischen entfernten Hilfeschreien aus dem Inneren des Schiffs mischt sich ein neues, bedrohliches Geräusch: ein Gluckern. Das Wasser kommt. Es sickert zuerst langsam, dann spürbar schneller in die Kabine, klettert an den schrägen Wänden hoch, stiehlt ihnen Zentimeter um Zentimeter den Raum zum Atmen.

„Das kann nicht sein, dass ich jetzt hier in Ägypten draufgehe“

Mathias Baier rechnet nicht mehr in Minuten, sondern in Luft. Wie lange reicht der schmale Streifen über ihnen, bevor auch er verschwindet? Für einen Moment verlässt ihn die Hoffnung, aber dann meldet sich ein anderes Gefühl. „Ich hab dann gedacht: ‘Das gibt es nicht. Ich gehe Eisklettern. Ich mache so viel anderen Schmarrn. Das kann nicht sein, dass ich jetzt hier in Ägypten beim Tauchen draufgehe’.“

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Und in dem Moment spürt er etwas. Erst ist es nur ein leises Geräusch, kaum mehr als ein Flüstern: „Ch, Ch, Ch.“ Wie der Luftzug einer schwachen Klimaanlage, jedes Mal, wenn sich das gekenterte Boot mit den Wellen bewegt. Mathias Baier hält inne. „Durchzug“, denkt er. Und Durchzug bedeutet: Es muss irgendwo noch eine zweite Öffnung geben.

„Der Untergang der Sea Story” auf RTL+ und stern+ hören

Alle sieben Folgen des Podcasts „Der Untergang der Sea Story” sind seit dem 12. Juni 2026 exklusiv auf stern+ und auf RTL+ verfügbar. Die ersten drei Folgen erscheinen jede Woche freitags auf allen gängigen Podcast-Plattformen. Heute erscheint Folge 2: „Kabine 12“.

Verwendete Quellen: Stern, RTL