Der Untergang der „Sea Story” Mitten in der Nacht soll sie unterschreiben, dass keiner schuld ist – dann erfährt sie, wer der „Helfer” wirklich ist

Nach Stunden voller Todesangst glaubt Lisa Wolf endlich in Sicherheit zu sein – doch an Land beginnt der nächste Albtraum.
Nach Stunden voller Todesangst glaubt Lisa Wolf endlich in Sicherheit zu sein – doch an Land beginnt der nächste Albtraum.
dpa / privat

An Land beginnt der nächste Albtraum!
Nach endlosen Stunden voller Todesangst klettert Lisa Wolf an Land und trifft auf einen freundlichen Übersetzer, der ihr angeblich helfen will. Erst später begreift die Dortmunderin, wer der Mann ist, der sie zur Unterschrift drängt. Die dritte Folge des „stern Investigativ”-Podcasts erzählt ihre Geschichte.

Lisa Wolf kann sich auf eine Rettungsinsel retten

Als Lisa Wolf nach endlosen Stunden voller Todesangst auf den Holzsteg im ägyptischen Marsa Alam klettert, ist sie nicht vorbereitet auf das, was sie erwartet. Die Dortmunderin hat gerade ein Schiffsunglück überlebt. Die Yacht, mit der sie und 44 andere zum Tauchen im Roten Meer unterwegs war, ist mitten in der Nacht umgefallen: die „Sea Story“. Lisa Wolf konnte sich auf eine Rettungsinsel retten, trieb stundenlang auf dem offenen Meer, dann kam die Rettung.

Nun, auf dem Steg, wünscht sie sich vor allem Antworten: Wieso ist die „Sea Story“ untergegangen? Und was ist mit den 16 Menschen, die immer noch vermisst werden? Aber stattdessen steht da jetzt ein Pulk von Männern in Anzügen, mit Fernsehkameras. In der Mitte ein älterer Herr in wattierter Weste, der eifrig Hände schüttelt und in die Kameras lächelt: Amr Mohamed Hanafi, Gouverneur der Region Rotes Meer. Er beantwortet keine Fragen, er produziert PR-Bilder. Während auf dem Meer immer noch Passagiere um ihr Leben kämpfen, versucht der ägyptische Politiker offenbar schon eine Legende in die Welt zu setzen, die günstig ist für ihn und seine Tourismusregion.

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Während auf dem Meer noch Passagiere um ihr Leben kämpfen, inszeniert der Gouverneur der Region Rotes Meer bereits PR-Bilder für seine Tourismusregion.
Red Sea Governorate Media Office

Eine riesige Welle habe die „Sea Story“ zum Kentern gebracht. Die Geschichte klingt, als hätte eine Naturgewalt zugeschlagen, schicksalhaft und unabwendbar. Nur steckt in dieser Erzählung mehr Fiktion als Wirklichkeit. Lisa Wolf sagt: „Es war eine ganz schöne Show.”

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Behörden setzen Überlebende unter Druck – noch am Tag des Unglücks

Zu hören ist Wolfs Geschichte in der dritten Folge des Serienpodcasts „Der Untergang der Sea Story“ von „stern Investigativ“. Die Folge „Monsterwelle“ ist ab dem 26. Juni 2026 auf allen großen Podcast-Plattformen abrufbar. Alle sieben Folgen gibt es jetzt schon bei stern+ und auf RTL+ . Die Serie rekonstruiert den Untergang der „Sea Story“, die Ende November 2024 im Roten Meer kentert. 45 Menschen sind an Bord, elf sterben, viele werden verletzt – darunter auch Tauchtouristen aus Deutschland. Das Unglück macht damals weltweit Schlagzeilen. Der Podcast deckt auf, warum das Schiff untergegangen ist.

Eine Monsterwelle ist nicht die Ursache. Die Wetterdaten dieses Tages sind eindeutig: Hohe Wellen dieser Art hat es auf dem Roten Meer in dieser Nacht nicht gegeben. Statt nach den wahren Ursachen zu forschen, setzen die ägyptischen Behörden die Überlebenden unter Druck – noch am Tag des Unglücks.

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Auf dem Steg sucht sie Antworten – doch statt Aufklärung gibt es Kameras, Handschütteln und Posen.
Red Sea Governorate Media Office

Lese-Tipp: Sekunden vor dem Ertrinken! Wie Mathias Baier aus München die „Sea Story”-Katastrophe überlebt hat 

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„Das müsst ihr jetzt unterschreiben”

Ein Reisebus bringt Lisa und andere zu einem Hotelressort. Sie sind erschöpft, geschockt, wollen ihre Ruhe oder ihre Familien anrufen. Aber es kommt anders. Im Hotelrestaurant taucht ein Ägypter auf, der sich als Alaa vorstellt und gut Englisch spricht. „Ich bin hier, um euch zu helfen”, sagt er – Lisa Wolf hinterfragt zunächst nicht, wer er ist.

Nach dem Essen gibt Alaa ihnen Stift und Papier: Sie sollen aufschreiben, was passiert ist. Lisa Wolf notiert gewissenhaft den miesen Zustand der Rettungsinseln, das fehlende Trinkwasser. Alaa sammelt die Protokolle ein und bringt sie auf Arabisch übersetzt zurück. Darunter ein hinzugefügter Satz auf Englisch. Lisa Wolf habe keinen Verdacht, dass jemand schuld sei an dem Unglück und sich strafbar gemacht habe. „Und dann hieß es: Das müsst ihr jetzt unterschreiben“, erzählt Lisa Wolf.

Lese-Tipp: „Sea Story“-Unglück in Ägypten: Warum mussten elf Menschen sterben? DAS wussten die Behörden!

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Das Foto zeigt Lisas handgeschriebenes Protokoll – festgehalten direkt nach der Rettung. Im Hotel taucht ein Mann namens Alaa auf, lässt die Überlebenden ihre Erinnerungen notieren, übersetzt sie ins Arabische – und fügt einen Satz hinzu, der jede Schuld am Unglück verneint. Dann sollen alle unterschreiben.
stern-Montage: Illustration: Marta Kochanek / Gibson Kochanek

Bruder des Schiffsbesitzers mischt mit

Dann erscheinen drei Männer in Anzügen – die Staatsanwaltschaft. Es ist kurz vor Mitternacht als Lisa Wolfs Befragung beginnt. Alaa ist immer noch als Übersetzer dabei. Die Staatsanwälte scheinen sich nicht für die mangelhafte Rettungsausrüstung auf der „Sea Story“ zu interessieren. Stattdessen verlangen auch sie von Lisa Wolf zu unterschreiben: Niemand habe sich strafbar gemacht. Aus lauter Erschöpfung tut Wolf schließlich, was sie wollen.

Hoffnung auf echte Aufklärung hat sie da längst nicht mehr. Denn inzwischen weiß sie, wer Alaa ist: kein unbeteiligter Dolmetscher. Im Gegenteil: Er ist der Bruder des Schiffsbesitzers der „Sea Story“ – und als technischer Betriebsleiter war es Alaas Job, dafür zu sorgen, dass die „Sea Story“ sicher ist. Damit ist er gescheitert. Das Schiff ist einfach umgefallen wie ein Spielzeugboot. Lisa Wolf fragt sich: Was verheimlicht Alaa?

stern und RTL haben sowohl Alaa als auch die ägyptischen Behörden schriftlich um Stellungnahme gebeten. Aber keine Antwort erhalten.

Im Video: Warum sank die „Sea Story” wirklich? Überlebende des Schiffsunglücks berichten!

„Der Untergang der Sea Story” auf RTL+ und stern+ hören

Alle sieben Folgen des Podcasts „Der Untergang der Sea Story” sind ab dem 12. Juni 2026 exklusiv auf stern+ und RTL+ verfügbar. Die ersten drei Folgen erscheinen jede Woche freitags auf allen gängigen Podcastplattformen.