Polen schickt Kampfjets Heftige russische Angriffe nahe Nato-Gebiet

Von einer Friedensabsicht Russlands ist nach wie vor nichts zu sehen. Kurz nach der vermeintlichen Waffenruhe kommt es zu besonders schweren Angriffen mit Toten und Verletzten. Auch mehrere Nato-Staaten reagieren.
Bei russischen Angriffen auf die Ukraine sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Die bei Tageslicht geflogenen Angriffe zielten auf kritische Infrastruktur im Westen des Landes und veranlassten das Nachbarland Polen, vorsorglich Kampfjets aufsteigen zu lassen, wie die polnische Armee mitteilte. Der Luftraum des Nato-Mitglieds sei jedoch nicht verletzt worden.
Die ungarische Außenministerin Anita Orban verurteilte die Angriffe und kündigte an, diese würden Thema bei der ersten Kabinettssitzung der neuen Regierung im Laufe des Tages sein. Die Slowakei teilte mit, aus Sicherheitsgründen ihre Grenze zum Westen der Ukraine zu schließen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zu Beginn der Welle von mehr als 100 russischen Drohnen im Luftraum und später von mehr als 800. Russland setze seine Angriffe rücksichtslos fort und nehme dabei gezielt die Eisenbahninfrastruktur sowie zivile Einrichtungen ins Visier, erklärte Selenskyj auf Telegram.
„Es kann sicherlich kein Zufall sein, dass einer der längsten massiven russischen Angriffe auf die Ukraine genau zu dem Zeitpunkt stattfindet, als der Präsident der Vereinigten Staaten zu einem Besuch in China eintraf“, so Selenskyj weiter. „In dieser schwierigen geopolitischen Lage versucht Russland ganz offensichtlich, das allgemeine politische Klima zu stören und die Aufmerksamkeit auf seine böswilligen Absichten zu lenken.“
Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR teilte mit, der Angriff solle die ukrainische Luftverteidigung überlasten. Die Behörde warnte vor nachfolgenden Raketenangriffen und einem möglicherweise länger andauernden Beschuss. Ziel seien Energieanlagen, Rüstungsbetriebe und Regierungsgebäude in Großstädten.
Es war der erste derart schwere Angriff seit dem Ende einer von den USA vermittelten, kurzzeitigen Feuerpause. Einem Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums zufolge zeigt das Vorgehen, wie Moskau seine Taktik anpasst. Diesmal sei eine große Zahl von Drohnen in einer Entfernung von fünf bis zehn Kilometern entlang der Grenze zu Belarus geflogen, um die Luftverteidigung zu umgehen und in die westlichen Regionen vorzudringen.
Die Staaten an der Nato-Ostflanke forderten angesichts wiederholter russischer Luftraumverletzungen eine rasche Stärkung der Flugabwehr des Bündnisses. In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten die Staats- und Regierungschefs von 14 Bündnispartnern nach einem Treffen in Bukarest zudem russische Sabotageakte und hybride Angriffe.
Verwendete Quellen: rog/dpa


