Vor zehn Jahren kamen die grausamen Taten ans LichtHier wurden Frauen gefoltert und starben qualvoll – RTL-Reporterin im Horrorhaus von Höxter

RTL-Reporterin Sarina Sprengelmeyer im Horrorhaus von Höxter
RTL-Reporterin Sarina Sprengelmeyer in einem der zugemüllten Zimmer. Die Opfer von Angelika und Wilfried W. wurden hier an die Heizung (im Hintergrund zu sehen) gekettet (Archivbild).
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Entsetzen, Ekel, Fassungslosigkeit.
Als Ende April 2016 die ersten Details zu den Vorwürfen, die Polizei und Staatsanwaltschaft gegen Wilfried und Angelika W. später erheben würden, bekannt wurden, war das nur die Spitze des Eisbergs. In einem Haus in Nordrhein-Westfalen hatte das Ex-Ehepaar mehrere Frauen körperlich und seelisch gequält, zwei der Opfer starben dort. RTL-Reporterin Sarina Sprengelmeyer hatte als eine von zwei Journalisten die Möglichkeit, den Tatort hautnah zu spüren, bevor das sogenannte Horrorhaus von Höxter abgerissen wurde. Ein Dreh, den die 38-Jährige aus mehreren Gründen niemals vergessen wird.

Die Verbrechen aus dem Horrorhaus von Höxter

„Neugierig” sei sie damals im Dezember 2016 gewesen, als sie sich zur Hausbegehung auf den Weg nach Höxter gemacht habe, erinnert sich die RTL-Reporterin: „Wie würde es dort aussehen? Wie riechen? Wie würde es sich anfühlen, an dem Ort zu stehen, an dem Frauen so unfassbares Leid angetan wurde?”

Fortsetzung im Mordprozess von Höxter
Wilfried (links) und Angelika W. mussten sich zwei Jahre lang vor Gericht verantworten (Archivbild)
picture alliance / Guido Kirchner/dpa

Mit Kontaktanzeigen hatten die beiden mehrere Frauen in das Gebäude im Stadtteil Bosseborn gelockt, fasst der Spiegel zusammen. Angelika W. hatte sich als Schwester ihres Ex-Mannes ausgegeben, Wilfried W. schwor jeder der Frauen die große Liebe. Doch dann wendete sich das Blatt für die Frauen und sie mussten sich verworrenen Verhaltensregeln beugen. Beim Zuwiderhandeln wurden sie bestraft. Ihnen wurden unter anderem die Haare ausgerissen, die Frauen wurden an die Heizung gekettet, geschlagen, getreten und verbrüht. Anika W. (†33) und Susanne F. (†41) überlebten die Grausamkeiten nicht.

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Am 27. April 2016 nahmen laut Neue Westfälische mehrere Beamte Wilfried und Angelika W. im gemieteten Haus am Saatweg 6 fest, einen Tag später erließ ein Richter Haftbefehl wegen Totschlags. Mehrere Monate lang kamen dann immer wieder schier unglaubliche, grausame Details zu den Taten, die dem Ex-Ehepaar vorgeworfen werden, ans Licht.

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Frauen massiv gequält – RTL-Reporterin am Ort des Grauens

RTL-Reporterin Sarina Sprengelmeyer erinnert sich an die Schauer, die ihr während ihres Drehs in den Zimmern, dem Stall und im Keller über den Rücken liefen. Die hätten nicht nur mit der winterlichen Kälte zu tun gehabt: „Sondern auch mit dem Entsetzen, dem Ekel und der Fassungslosigkeit, die ich erlebt habe, als mir an diesem Tatort wirklich bewusst wurde, was dort geschehen ist.”

Schlafzimmer im Horrorhaus von Höxter
So sah ein Schlafzimmer im Haus am Saatweg 6 aus (Archivbild)
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Sie empfand die Atmosphäre in dem Haus als ungemütlich, die Einrichtung war lieblos. Überall herrschte Unordnung und Dreck, viele Kisten standen herum. Zum Zeitpunkt, als die 38-Jährige das Horrorhaus von Höxter betreten durfte, war die Spurensicherung längst abgeschlossen. „Ich bin mir aber sicher, dass es auch vorher schon ähnlich beklemmend, beengt und heruntergekommen war”, sagt sie. Scheinbar alltägliche Dinge in diesem Haus erzählten vor Ort eine grausame Geschichte: „Da war die Heizung im Obergeschoss, an die die Opfer angekettet waren. Abrieb am Heizungsrohr habe ich damals wie heute als Zeichen interpretiert, dass die Frauen möglicherweise versucht haben, sich zu befreien.”

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Zimmer erstes Obergeschoss am Saatweg 6
Ein weiteres Zimmer (Archivbild)

Eine der toten Frauen soll das Paar zerstückelt und in der Tiefkühltruhe unter Erbsen und Fleisch versteckt haben, bis die Leichenteile schließlich verbrannt und als Asche am Straßenrand verteilt worden seien, so die Zeit. Auch diese Gefriertruhe sah Sarina Sprengelmeyer: „Wie ein Mensch dazu fähig sein kann, einen anderen zu töten und im Anschluss zu zerteilen, wird mir für immer ein Rätsel bleiben.”

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Opfer starb im Badezimmer nach Misshandlungen

Vor allem das Badezimmer im Keller kann Sarina Sprengelmeyer nicht vergessen. „Kalt, dreckig, unhygienisch” sei es dort gewesen. Das Fenster zugemauert, kein Laut konnte nach außen dringen. An diesem Ort sei Opfer Anika W. angekettet worden und schließlich an den Folgen der Misshandlungen gestorben, berichtet das Westfalen-Blatt. „Der Gedanke, dass die junge Frau hier gequält wurde, war in dem Moment, in dem ich wirklich in diesem Raum stand, unerträglich und gleichzeitig für mich kaum zu begreifen”, so die RTL-Reporterin, „am schlimmsten war für mich, dass sie in diesem schrecklichen Raum ganz allein und vermutlich ohne jede Hoffnung gestorben ist.”

In dieser Badewanne starb eine 33-Jährige.
Das Fenster hinter der Badewanne war zugemauert (Archivbild)
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Der Prozess gegen Anika W.s Peiniger begann am 26. Oktober 2016 vor dem Landgericht Paderborn. Nach zweijähriger Verhandlung wurden Angelika und Wilfried W. wegen Mordes durch Unterlassen und Körperverletzung verurteilt. Damals im Gerichtssaal ist auch Sarina Sprengelmeyer. „Reue und Bedauern habe ich bei beiden nicht gespürt“, erklärt die erfahrene Journalistin. Sie erlebte die Angeklagten als ruhig und regungslos. „Ich erinnere mich noch, dass es schwierig für mich war, in meinem Kopf zusammen zu bekommen, dass diese beiden die Menschen sind, deren Zuhause ich gesehen habe und die diese armen Frauen misshandelt, gequält und getötet haben”, so die RTL-Reporterin.

Angelika W. erhielt eine Haftstrafe in Höhe von 13 Jahren, ihr Ex-Mann wurde für elf Jahre ins Gefängnis geschickt, im Oktober 2023 wurde an die Haft anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet.

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Horrorhaus von Höxter wurde abgerissen

Frau stirbt nach wochenlanger Gefangenschaft
Das Haus am Saatweg 6 steht inzwischen nicht mehr (Archivbild)
picture alliance / dpa

Das Horrorhaus von Höxter wurde 2022 abgerissen, doch das, was darin passierte, ist unvergessen. Auch das Leben von Sarina Sprengelmeyer wurde durch ihre Berichterstattung zu einem der spektakulärsten Kriminalfälle Deutschlands nachhaltig beeinflusst. „Ich bin es als Journalistin gewohnt, mit Abstand und professioneller Distanz über Kriminalfälle zu berichten. Details lasse ich nur selten an mich heran, sonst könnte ich den Job vermutlich auch gar nicht machen”, sagt die 38-Jährige. Aber auch sie kommt bei der Ausübung ihres Berufs nur selten so nah an Tatorte heran wie damals bei der Hausbegehung. Das mache für sie die Taten „noch schlimmer, noch realer, noch unbegreifbarer”.

Und ein Gedanke beschäftigt die RTL-Reporterin seit ihrem Einsatz in Höxter persönlich: „Weil ich selbst eine Frau bin und mich während dieser Drehs immer wieder selbst gefragt habe: Was wäre gewesen, wenn ich eines der Opfer gewesen wäre?”

Verwendete Quellen: RTL-Recherche, Spiegel, Zeit, Neue Westfälische, Westfalen-Blatt