Urteil macht wütendEin Suff-Crash, zwei Tote – und ein Kind, das seine Mutter nie wiedersieht
Ein Mann steigt betrunken in seinen Wagen und rast davon.
Eine Entscheidung, die in einem fatalen Crash endet. Er kracht er frontal in ein entgegenkommendes Auto, Fahrerin und Beifahrerin sterben. Jetzt stand der Raser im sächsischen Marienberg vor Gericht.
Betrunken am Steuer – Fahrt endet in einer Katastrophe
Vor dem Prozess gegen Pierre R. haben wir mit Sandra R. gesprochen. Ihre Schwester Melanie saß bei dem verheerenden Unfall auf dem Beifahrersitz. Ihr Lachen, die Gespräche und das Wissen, jederzeit zum Telefon greifen zu können – es sind all diese alltäglichen Dinge, die Sandra R. heute schmerzlich fehlen. „Wir reden immer über alles. Und ich konnte immer anrufen“, erinnert sie sich. Genau diese Nähe vermisse sie heute sehr.
Im August 2025 kommt es auf der B95 zwischen Bärenstein und Annaberg-Buchholz zu dem folgenschweren Unfall. Gerichtssprecher Toralf Kliemt schildert im RTL-Interview den Tatvorwurf: Pierre R. soll unter Alkoholeinfluss auf die Gegenfahrbahn geraten und dort mit einem entgegenkommenden Auto zusammengestoßen sein.
Dessen Fahrerin Selina W. stirbt noch an der Unfallstelle. Auf dem Beifahrersitz sitzt Melanie R., sie wird schwer verletzt. Ärzte kämpfen noch um ihr Leben, doch auch die Mutter eines siebenjährigen Jungen stirbt an den Folgen des Unfalls. Auch mit im Auto: Melanies Sohn Charlie und eine Nichte von Selina. Beide Kinder überleben den Crash. Doch für Charlie ist seitdem nichts mehr wie es mal war, denn er verliert an dem verhängnisvollen August-Tag seine geliebte Mama.
„Charlie braucht seine Mama“
Seine Tante Sandra kümmert sich seitdem um ihren Neffen. Doch so sehr sie für den Jungen auch da ist, eines ist ihr schmerzlich bewusst: „Charlie braucht seine Mama. Und ich werde es nie ersetzen können“, sagt sie im RTL-Interview.
Jedes Mal, wenn sie ihren Neffen anschaue, sehe sie ihre Schwester. Gleichzeitig sei es „wunderschön“, Charlie aufwachsen zu sehen.
Pierre R. gesteht unter Tränen
Vor dem Amtsgericht Marienberg äußert sich Pierre R. zu der Tat. Der Angeklagte verliest sein Geständnis unter Tränen. Immer wieder betont er, dass ihm bewusst sei, was er angerichtet habe. Er könne sich selbst nicht mehr im Spiegel ansehen und nicht mehr schlafen. Gleichzeitig habe er Verständnis dafür, wenn die Angehörigen ihm nicht verzeihen könnten.
Für Melanies Mutter Kerstin Rauch kann Reue allein nicht genügen. Vor dem Urteil sagt sie im RTL-Interview: „Ich wünsche, dass er eine gerechte Strafe kriegt. Dass er ins Gefängnis kommt.“ Ihre Wut auf den Angeklagten sei groß.
Am Ende verurteilt das Gericht Pierre R. zu drei Jahren Gefängnis. Für Sandra ist das immerhin besser als eine Bewährungsstrafe. Zufrieden ist sie trotzdem nicht: „Ich finde das Urteil etwas zu mild“, sagt sie nach der Entscheidung. Doch sie weiß auch, dass keine Strafe den Verlust ungeschehen machen kann: „Es bringt uns Melanie und Selina leider nicht zurück.“
Für Sandra und ihre Familie geht es deshalb nach dem Prozess um etwas, bei dem kein Gericht helfen kann. Sie müssen einen Weg finden, mit dem Verlust weiterzuleben. Und für Charlie da sein, während er ohne seine Mutter groß wird.
Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche


