Gina H. schweigt seit neun Monaten. Zum Vorwurf, den 8-jährigen Fabian erst erstochen und dann verbrannt zu haben, damit - so die Anklage - Fabians Vater nur ihr allein gehört.
Heute, am 22. Prozesstag, liest sie dann 95 Seiten vor-bereiteten Text vor. Fabians Mutter schaut ihr dabei in die Augen:
"Also für mich sind Lügen, was sie dort alles behauptet und sich wieder als kleines zerbrechliches Wesen darstellt und als Opfer darstellt."
Gina H. widerspricht vor allem den Hauptbelastungszeugen. Jenen Männern, die mit ihr am Tatort sind, am Tag bevor sie selbst den Fund von Fabians Leichnam der Polizei meldet. Diese Zeugen - angeblich Lügner.
"Immer wieder die Äußerung: wahrheitswidrig, wahrheitswidrig. Kein normaler Mensch sagt sowas. (...) Also es ist nicht so sehr überzeugend, was die Anwälte ihr da zusammengeschrieben haben."
Es geht darum, wer wen zum Tatort führt. Die Zeugen sagen, es war Gina H. Die behauptet nun das Gegenteil.
"Die Angeklagte belastet vor allem den Zeugen Christian D., mit dem sie eine sehr intensive Beziehung gehabt haben will. Sie sagt: er, ein Jäger, habe sie bei einem nächtlichen Rendezvous mit der Taschenlampe zu Fabians Leiche geführt. Sie sei geschockt gewesen und habe geweint."
Zudem habe Christian D. sie angefleht, nicht die Polizei zu rufen, weil er sonst "seine Jagdlizenz verlieren würde".
Glaubwürdig?
Fragen zum Mammutvortrag ihrer Mandantin lassen die Verteidiger heute nicht zu. Auf Drängen der Richter will sich Gina H. nun aber doch noch befragen lassen. Am kommenden Freitag, beim übernächsten Prozesstermin zum Mord am kleinen Fabian.