Eine Liebe gegen alle Konventionen„Ich bereue nichts!” Petra Thompson heiratete einen Mörder im Todestrakt

von Annalena Margies und Theresa Maas

Es ist eine Geschichte, die klingt wie das Drehbuch eines Hollywood-Films!
Eine Deutsche heiratete im US-Bundesstaat Texas ihre große Liebe ‒ einen zum Tode verurteilten Mörder, der im Todestrakt auf seine Hinrichtung wartete. Anfang 2026 wurde Charles Thompson (55) hingerichtet. Für seine Ex-Frau Petra Thompson (62) ein Moment, der ein extremes Lebenskapitel abschließt – und doch alles wieder hochholt. Jetzt hat sie mit uns über ihr bewegtes Leben, ihre verlorene Liebe und ihren Kampf gegen die Todesstrafe gesprochen.

Petra Thompson fand die Liebe hinter Gittern

Anfang 2026 ging eine Nachricht um die Welt, die auch in Deutschland für Schlagzeilen sorgte: Charles „Chuck” Thompson, der über 25 Jahre in einer texanischen Todeszelle saß, wurde am 28. Januar durch eine Giftspritze hingerichtet. Für die meisten war es eine Meldung über das US-Justizsystem. Für Petra Thompson aus Bocholt war es das endgültige Ende einer Beziehung, die ihr Leben für immer prägen sollte. „Ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass er jemals hingerichtet wird”, erzählt sie uns sichtlich bewegt im RTL-Interview. „Das hat natürlich alles hochgeholt. Ich konnte es überhaupt nicht fassen.” Die Hinrichtung markiert den Schlusspunkt einer Reise, die 15 Jahre zuvor mit einem der wohl ungewöhnlichsten Eheversprechen begann.

Wir schreiben das Jahr 2011. Petra, damals noch mit Nachnamen Hermann, gibt in Texas ihr Ja-Wort. Ihr Bräutigam, Charles Thompson, darf selbst nicht persönlich bei der Trauung dabei sein. Stattdessen steht Petra einem Foto ihres Liebsten gegenüber. Charles sitzt nur wenige Meilen entfernt in der Polunsky Unit, einem Hochsicherheitsgefängnis, das unter Insassen auch als „Welcome to Hell” bekannt ist. Petra ist zu diesem Zeitpunkt 47 Jahre alt und überzeugt, die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben.

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Kennengelernt hatte sie den verurteilten Mörder im Rahmen ihres Engagements gegen die Todesstrafe. Aus einem Briefkontakt entwickelte sich eine tiefe emotionale Bindung. „Wir beide sind glücklich. Und emotionale Nähe. Das ist das Wichtige”, erklärte sie damals im Interview. Mehrmals im Jahr flog sie in die USA, um ihn zu sehen – immer getrennt durch Panzerglas. Die Beziehung war intensiv, aber ohne jede körperliche Nähe. Der Heiratsantrag von Charles erreichte sie per Videobotschaft. Für Petra war klar: Dieser Mann ist es wert, alles zu riskieren. Die kuriose Hochzeit per Stellvertreter wurde auch in Deutschland rechtskräftig anerkannt.

Petra Thompson bei ihrer Hochzeit
Petra Thompson bei ihrer ungewöhnlichen Hochzeit im Jahr 2011
RTL

Der Fall Charles Thompson

Um Petras damalige Entscheidung zu verstehen, muss man den Fall betrachten, der sie so fesselte. Charles „Chuck” Thompson wurde 1998 für den Mord an seiner Ex-Freundin und deren neuem Partner zum Tode verurteilt. Von Anfang an beteuerte er, in Notwehr gehandelt zu haben. Doch für eine aufwendige und teure Verteidigung fehlte ihm das Geld. Nach nur drei Prozesstagen stand das Urteil fest. „Ich lebe jeden Tag damit. Bereue, dass das alles passiert ist. Es belastet mich, dass die beiden tot sind”, sagte Charles in einem Interview aus der Todeszelle. Petra glaubte an seine Version und investierte laut eigenen Angaben Zehntausende Euro, die sie sich lieh, um eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu erkämpfen. Für sie war Charles kein Mörder im klassischen Sinne.

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„Ich fühlte mich wie eine lebendige Kreditkarte”

Die Ehe, die so hoffnungsvoll begann, entwickelte sich für Petra zu einem Albtraum. Nach der Hochzeit änderte sich der Ton in Chucks Briefen dramatisch. Statt Liebesbekundungen kamen nun Forderungen, Vorwürfe und sogar Drohungen. „Es gibt ein altes Sprichwort: Ein verzweifelter Mann hat nichts zu verlieren, wenn er die Dinge in die eigene Hand nimmt. Ich denke, es ist in deinem Sinne, dass ich zufrieden bin”, schrieb er ihr.

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Petra erkannte die Manipulation. „Es kamen nur noch Briefe, die Anweisungen enthielten, was ich zu tun habe”, erinnert sie sich. „Ich habe mich gefühlt wie eine lebendige Kreditkarte.” Als sie ihm den Geldhahn zudrehte, war die Beziehung am Ende. Sie reichte die Scheidung ein, zurückblieben über 50.000 Euro Schulden und ein Gefühl der Leere und Verachtung. Mit der Trennung beendete sie auch ihren jahrelangen Kampf gegen die Todesstrafe. „Ich habe 15 Jahre meines Lebens gegeben. Es ist genug. Ich kann nicht mehr”, sagte sie damals.

Petra Thompson
Petra Thompson hat heute ihr Glück gefunden
RTL

Ein neues Leben – mit dem Namen des Mörders

Heute, Jahre später, hat Petra Thompson ihr Glück gefunden. Sie ist zum vierten Mal verheiratet, lebt mit ihrem Mann Tobias und zwei Hunden ein ruhiges Leben in Bocholt. Aufgrund von Long-Covid kann sie nicht mehr als Sekretärin arbeiten und widmet sich stattdessen ihrer Leidenschaft: dem Schreiben. In ihrem Kleingarten verfasst sie Kriminalromane und verarbeitet darin ihre Erlebnisse.

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Den Nachnamen Thompson hat sie bewusst behalten. „Ich finde den Namen toll, er passt zu meinem Schreiben”, erklärt sie. „Außerdem war er mir lieb und teuer. Ich habe viel Geld dafür bezahlt, ihn in Deutschland annehmen zu dürfen.” Der Name ist für sie eine Erinnerung an einen prägenden Teil ihres Lebens.

Wenn Petra auf die Frau zurückblickt, die einen Todeskandidaten heiratete, tut sie das ohne Groll. „Ich bereue nichts. Ich bin der Meinung, dass man immer nur das bereut, was man nicht macht.” Sie beschreibt sich damals als neugierig auf das Leben mit all seinen Facetten. „Das war halt der Teil von mir damals. Der verrückte Teil.”

Verwendete Quellen: RTL