Prozess geht weiterVater soll Tochter mehr als 20-mal missbraucht haben – jetzt will er Sorgerecht fürs gemeinsame Kind

Unfassbare Wende in Missbrauchs-Prozess!
Ein 60-Jähriger soll seine eigene Tochter jahrelang missbraucht und mit ihr zwei Kinder gezeugt haben. Nun soll er für eines dieser Kinder sogar das alleinige Sorgerecht beantragt haben. Und: Kurz vor dem geplanten Prozessende werfen neue Aussagen und ein alter Brief plötzlich weitere Fragen auf.
Mann schrieb in Brief von „schönen Momenten”
Seit Anfang August muss sich ein 60-jähriger Mann aus Weimar vor dem Landgericht Erfurt verantworten. Am 20. Oktober sollte eigentlich der letzte Verhandlungstag stattfinden – doch dazu kam es nicht.
Kurz vor dem geplanten Abschluss brachte die Aussage einer früheren Mitarbeiterin einer Mutter-Kind-Einrichtung neue Details in das Verfahren. Das berichtet der mdr. In der Einrichtung hatte die damals 17-jährige Tochter des Angeklagten 2013 dem Bericht zufolge mit ihrem ersten Baby gelebt. Die Sozialarbeiterin berichtete vor Gericht unter anderem von einer Anzeige, die die junge Frau damals gegen ihren Vater erstattet haben soll. Außerdem las sie einen Brief vor, den der Angeklagte seiner Tochter geschrieben haben soll.
Nach Darstellung der Zeugin habe der Mann darin geschrieben, wie sehr er seine Tochter vermisse, und auf gemeinsame „schöne Momente“ Bezug genommen. Weiter soll er geschrieben haben: „Den Beweis dafür hast du ja schon. Du liebst es ja genauso wie ich und es wäre nicht da, wenn es diese Momente nicht gegeben hätte.“ Der Brief soll nach ihren Angaben damals dem Jugendamt vorgelegen haben. Der Staatsanwaltschaft im aktuellen Verfahren soll das Schreiben jedoch bisher nicht bekannt gewesen sein.
Laut mdr-Bericht sollen nun weitere Fragen zu den damaligen Vorgängen geklärt werden – unter anderem, was aus der Anzeige von 2013 wurde und welche Informationen den beteiligten Stellen zu diesem Zeitpunkt vorlagen. Deshalb sind weitere Verhandlungstermine vorgesehen.
Um zu verstehen, welche Bedeutung die Ereignisse von 2013 für den heutigen Prozess haben könnten, muss man allerdings einige Jahre zurückgehen.
Hilfe bei sexuellem Kindesmissbrauch
Wenn es in eurem Umfeld sexuellen Missbrauch von Kindern oder Jugendlichen gibt oder ihr selbst betroffen seid, findet ihr unter der Telefonnummer 0800 – 22 55 530 oder unter www.hilfe-portal-missbrauch.de Menschen, mit denen ihr darüber sprechen könnt.
„Treibst Du ab, bringe ich Dich um“
Nach Angaben des mdr sagte die heute 30-Jährige vor Gericht aus, die sexuellen Übergriffe durch ihren Vater hätten begonnen, als sie etwa 15 oder 16 Jahre alt gewesen sei. In dieser Zeit wurde die Jugendliche erstmals schwanger. Nach ihrer Aussage habe sie die Schwangerschaft abbrechen wollen. Ihr Vater soll ihr laut mdr jedoch gedroht haben: „Treibst Du ab, bringe ich Dich um.“
2013 lebte die damals 17-Jährige dann mit ihrem ersten Baby in der besagten Mutter-Kind-Einrichtung. Ein genetisches Gutachten soll später ergeben haben, dass der Angeklagte der biologische Vater dieses Kindes ist.
2013 zeigt die 17-Jährige ihren Vater erstmals an
Während ihres Aufenthalts in der Mutter-Kind-Einrichtung soll die junge Frau ihren Vater 2013 bei der Polizei angezeigt haben. Wie die Sozialarbeiterin nun vor Gericht berichtete, sei die Polizei damals sogar in die Einrichtung gekommen.
Nach Aussage der Sozialarbeiterin war damals außerdem das Aufenthaltsbestimmungsrecht auf das Jugendamt übertragen worden. In diese Zeit fällt auch der Brief des Vaters, der nun im aktuellen Prozess erneut eine Rolle spielt.
Aus Angst vor Obdachlosigkeit kehrt sie zum Vater zurück
Die junge Frau habe später zeitweise bei einem Freund gelebt, heißt es. Doch dort habe sie nach eigener Aussage nicht dauerhaft bleiben können. Aus Angst, sonst auf der Straße zu landen, sei sie schließlich wieder zu ihrem Vater zurückgekehrt. Dort sei es dann aber erneut zu sexuellen Übergriffen gekommen.
2017 brachte sie ein zweites Kind zur Welt. Auch bei diesem Kind soll ein genetisches Gutachten ergeben haben, dass der Angeklagte der biologische Vater ist.
2024 zeigt sie ihren Vater erneut an
Erst Jahre später wendet sich die Frau erneut an die Polizei. 2024 erstattet sie nach Angaben des mdr eine weitere Anzeige gegen ihren Vater. Diese zweite Anzeige führt schließlich zu dem Verfahren, das seit August 2026 vor dem Landgericht Erfurt verhandelt wird.
Der Angeklagte äußerte sich zum Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Jetzt soll der Angeklagte sogar das Sorgerecht für eines der Kinder wollen
Während des laufenden Prozesses wurde laut mdr noch ein weiteres Detail bekannt: Der Angeklagte soll das alleinige Sorgerecht für eines der beiden Kinder beantragt haben, deren biologischer Vater er laut genetischem Gutachten sein soll.
Der Strafprozess selbst ist jedenfalls noch nicht beendet. Statt des geplanten Abschlusses soll das Gericht nun zunächst weitere Fragen rund um die Ereignisse von 2013 klären.
Verwendete Quelle: mdr


