Liveticker zum Grenz-DramaWarum jetzt? Warum so viele? Die Gründe für den beispiellosen Sturm auf Spanien

von Camilla Koziol, Martina Lewinski und Jan Luhrenberg

Größter Ansturm seit 2021!
60.000 Migranten haben Polizeiangaben zufolge binnen weniger Tage die Grenze von Marokko zur spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika gestürmt. Viele sind beim Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben gekommen. In unserem Liveticker informieren wir euch stets über die neuesten Entwicklungen.

Grenz-Drama in Ceuta – hier geht’s zu unserem Live-Ticker!

Wichtige Updates
Jan Luhrenberg

Warum der beispiellose Andrang auf Ceuta, und warum jetzt?

Kaum hat Spanien die schwersten Waldbrände der vergangenen Jahre überstanden, da erschüttert bereits die nächste Krise das Land. Doch warum strömen plötzlich Zehntausende Migranten nach Ceuta? 

Es gibt mehrere Erklärungsversuche für die Lage. Verwiesen wird auf Armut und fehlende Perspektiven für junge Marokkaner. Als ein möglicher Auslöser wird ein Beschluss des Obersten Gerichts in Madrid genannt, wonach die sofortige Zurückweisung von Migranten nur dann zulässig ist, wenn diese beim irregulären Grenzübertritt einen Zaun oder eine andere Sperre überwunden haben. Für Menschen, die über einen unbefestigten Abschnitt wie das Meer nach Spanien gelangen, sei eine Einzelfallprüfung nötig. Deshalb auch die Entscheidung Madrids, im Meer nun Bojen zu installieren. 

Die Zeitung „El País“ und andere Beobachter betonen jedoch, dies erkläre die Krise nicht vollständig. Vielmehr duldeten die marokkanischen Behörden die Ausreisen nach Ceuta allem Anschein nach plötzlich. Dadurch entstehe erneut der Verdacht, Rabat könne Migration - wie bereits während der Ceuta-Krise 2021 - als politisches Druckmittel gegenüber Spanien einsetzen. Um dem Anspruch auf Ceuta und der anderen von Marokko umschlossenen Exklave Melilla Nachdruck zu verleihen oder aber aus Ärger wegen einer Algerien-Reise von Sánchez letzte Woche. Das Land liegt wegen des Westsahara-Konflikts mit Marokko im Clinch.
Jan Luhrenberg

EU-Kommission: Keine Weiterbewegung aus Ceuta nach Europa

Von der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika gibt es nach Angaben der EU-Kommission keine Weiterbewegungen in Richtung des europäischen Kontinents. Das sagte eine hochrangige Mitarbeiterin Journalisten angesichts der Vielzahl von Migranten die in den vergangenen Tagen nach Ceuta gelangt waren.

Ceuta - eingeschlossen von Marokko und dem Mittelmeer - gehört zu Spanien und damit zur Europäischen Union, aber anders als das spanische Gebiet auf dem europäischen Festland nicht zum Schengen-Raum. Innerhalb des Schengen-Raums - also auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar - können Menschen grundsätzlich ohne Grenzkontrollen reisen. 

In der Vergangenheit bat Ceutas Regionalregierung die Regierung in Madrid, unbegleitete Jugendliche angesichts überlasteter Aufnahmekapazitäten aufs europäische Festland zu holen. Aktuell ist nicht absehbar, dass spanische Behörden Menschen auf den Kontinent bringen. 
Jan Luhrenberg

Medien haben neue Zahlen: Bereits 57 Tote bei Ceuta

In der Krise um die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta sind mindestens 57 Migranten ums Leben gekommen. Die meisten Menschen seien bei dem Versuch ertrunken, schwimmend von Marokko aus in die spanische Exklave Ceuta zu gelangen, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE unter Berufung auf einen Sprecher des Innenministeriums in Madrid.

Weiter standen unterschiedliche Schätzungen im Raum, wie viele Menschen in den vergangenen Tagen insgesamt irregulär in die Exklave gekommen waren. Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas sprach von rund 60.000, die spanische Zentralregierung von knapp 50.000. Die meisten seien am Mittwoch und Donnerstag schwimmend gekommen, viele seien aber unter anderem auch über die Grenzzäune geklettert, hieß es. 

Unter ihnen sind nach Angaben der Behörden auch zahlreiche Frauen, Minderjährige und Kinder. Nach Angaben des Innenministeriums in Madrid war bis Freitagnachmittag bereits ein Großteil der Menschen freiwillig nach Marokko zurückgekehrt. 
Martina Lewinski

Bereits 37.500 Menschen nach Marokko zurückgekehrt

Die spanische Exklave Ceuta wird von Tausenden Menschen überrascht und stürzt Spanien in eine Krise. Mittlerweile sollen viele das kleine Gebiet in Nordafrika wieder verlassen haben.

37.500 Menschen, die irregulär in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika gekommen sind, haben das Gebiet wieder Richtung Marokko verlassen. Das berichteten der staatliche TV-Sender RTVE und andere Medien unter Berufung auf das Innenministerium in Madrid. Die Angaben bilden den Stand von 15.30 Uhr ab.

Das würde bedeuten, dass drei Viertel der rund 50.000 Menschen, die nach Regierungsangaben in den vergangenen Tagen irregulär in die Exklave an der Meerenge von Gibraltar gelangt waren, nicht mehr dort sind.

Die Regionalregierung Ceutas hatte die Zahl der Ankömmlinge auf mehr als 60.000 geschätzt. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht. Medienberichten zufolge hielten sich am Nachmittag weiterhin Tausende Migranten in der Exklave auf. Die meisten waren den offiziellen Angaben zufolge schwimmend angekommen.

Im Mai 2021 kamen innerhalb von 36 Stunden mehr als 8.000 Menschen

Mindestens 19 Menschen kamen dabei bisher ums Leben. Es ist die größte Zahl von nach Ceuta gekommenen Migranten seit 2021. In der Nacht und auch am Freitagmorgen kamen demnach weiter Hunderte Menschen über die Grenze, aber viele kehrten auch zurück. Die Lage habe sich etwas entspannt, hieß es.

Verwendete Quellen: dpa, AFP