Alle Entwicklungen im LivetickerTödliche Schüsse in Stade: Warum war keine Polizei beim Hilfegespräch dabei?

von Lena Sofie Schenk, Festim Beqiri, Hauke Kutz , Nils Fischer-Stahl, Roger Saha, Nele Hasselbusch, Johanna Grewer, Camilla Koziol und Sebastian Fuhrmann

Eine Stadt steht unter Schock.
Bei Schüssen in einem Mutter-Kind-Heim im niedersächsischen Stade sind sechs Erwachsene getötet worden. Immer mehr Details zum mutmaßlichen Täter und zum Tatablauf werden bekannt. In unserem Live-Ticker informieren wir über alle Entwicklungen und Hintergründe.

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Nele Hasselbusch

Warum war keine Polizei beim Gespräch dabei? 

Es stellt sich auch die Frage nach den Sicherheitsvorkehrungen. Nach Angaben des niedersächsischen Sozialministeriums finden Hilfeplangespräche wie das in der Mutter-Kind-Einrichtung üblicherweise nicht bei der Polizei oder vor Gericht statt. Zwar könne bei einer entsprechenden Gefahreneinschätzung auch die Polizei hinzugezogen werden, in diesem Fall sei das jedoch nicht erfolgt.

Das Ministerium kündigte an, nun mögliche Konsequenzen zu prüfen. Ob künftig zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für solche Gespräche nötig seien, werde nun zu diskutieren sein. Zum jetzigen Zeitpunkt sei aber noch offen, welche Maßnahmen daraus folgen könnten. (dpa)
Nele Hasselbusch

Kaufte der Tatverdächtige die Waffe eine Woche vor der Tat?  

Der mutmaßliche Schütze soll die Tat offenbar vorbereitet haben. Nach Recherchen des NDR soll der 45-Jährige die spätere Tatwaffe rund eine Woche vor den tödlichen Schüssen in Berlin gekauft haben. Laut NDR handelt es sich um eine Beretta Modell 70. Der Mann soll die Pistole am Kurfürstendamm erworben und dafür zusammen mit 21 Schuss Munition rund 4.000 Euro bezahlt haben. Offiziell bestätigt ist diese Information bislang nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte sich aus ermittlungstaktischen Gründen bislang nicht zur Tatwaffe geäußert.
Nele Hasselbusch

Olaf Lies: „Mit welcher Grausamkeit der Täter vorgegangen ist, ist erschreckend“ 

Zum Auftakt seiner Sommerreise hat sich Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) im RTL-Interview noch einmal tief betroffen über die Bluttat in Stade geäußert. "Als ich das gehört habe, hat mich das zutiefst erschüttert“, sagt Lies. "Mit welcher Grausamkeit und Brutalität der Täter vorgegangen ist und Menschen, die sich eigentlich täglich darum kümmern, dass andere Menschen eine Perspektive bekommen, aus dem Leben gerissen hat, das ist erschreckend.“

Lies schilderte auch seine Eindrücke von der Gedenkandacht am Dienstagabend. Die große Anteilnahme habe gezeigt, wie sehr die Tat die Menschen bewege. „Die Menschen waren auch da, weil sie gemeinsam trauern wollten." Für ihn sei deshalb sofort klar gewesen, an der Andacht teilzunehmen: "Wir stehen an der Seite der Menschen, die dort leben, aber auch an der Seite der Hinterbliebenen, der Familien, der Freunde.“

Mit Blick auf die Folgen der Tat fordert der Ministerpräsident eine lückenlose Aufklärung. Zugleich müsse darüber gesprochen werden, wie Beschäftigte in der Jugendhilfe künftig noch besser geschützt werden können. "Wir können dankbar sein für die Menschen, die dort tätig sind“, betont Lies im Gespräch mit RTL.
Nele Hasselbusch

Staatsanwaltschaft: Ermittlungen gegen beide Frauen dauern an 

Warum wurden die beiden zunächst festgenommenen Frauen wieder freigelassen? Dazu hat sich die Staatsanwaltschaft Stade im Gespräch mit RTL geäußert. Gegen die 34-jährige Mutter des gemeinsamen Kindes und die mutmaßliche Fahrerin des Tatverdächtigen sei kein Haftbefehl beantragt worden.

Pressesprecherin Julia Pirk erklärt im Gespräch mit RTL: „Die beiden ebenfalls in Gewahrsam befindlichen Frauen wurden im Laufe des Nachmittags freigelassen. Gegen sie ist kein Haftbefehl beantragt worden. Im Übrigen dauern die Ermittlungen auch hinsichtlich der Tatbeteiligung der beiden Frauen an. Insoweit konnte zum jetzigen Zeitpunkt kein dringender Tatverdacht fest angenommen werden.“ 
Nele Hasselbusch

Beschwerde gegen Sorgerechtsentscheidung im Fall Stade

Im Sorgerechtsstreit um die drei Monate alte Tochter des mutmaßlichen Schützen steht eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Celle noch aus. Nach Angaben des Gerichts haben sowohl die Mutter als auch der Vater Beschwerde gegen den Beschluss des Amtsgerichts Neustadt am Rübenberge eingelegt.

Das Amtsgericht hatte angeordnet, dass Mutter und Kind gemeinsam in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht werden. Zudem bleibt den Eltern vorerst die Gesundheitssorge für ihre Tochter entzogen. Nach der Schließung der betroffenen Einrichtung in Stade sind die 34-Jährige und das Baby inzwischen an einem anderen Ort untergebracht worden. (dpa)
Nele Hasselbusch

Blumenmeer am Tatort wächst weiter 

Auch am dritten Tag nach der Tat kommen immer wieder Menschen zur Jugendhilfeeinrichtung in Stade. Sie legen Blumen nieder, zünden Kerzen an und gedenken der sechs Todesopfer. 
Vor Ort kehrt derweil langsam wieder etwas Ruhe ein. Die Straßensperrungen sind aufgehoben, auch die Polizei ist nicht mehr am Tatort im Einsatz.

RTL
RTL
Das Blumenmeer vor dem Gebäude wird immer größer, die Fassungslosigkeit über die Tat bleibt.
Das Blumenmeer vor dem Gebäude wird immer größer, die Fassungslosigkeit über die Tat bleibt. RTL
Nele Hasselbusch

Heute Gedenk-Andacht für die Opfer in Hannover 

In der Marktkirche Hannover wird heute um 14 Uhr der sechs Todesopfer der Bluttat in Stade gedacht. Im Mittelpunkt stehen dabei auch die drei getöteten Mitarbeitenden der Jugendhilfe der Region Hannover.

Die Andacht soll Raum für Trauer, Erinnerung und gemeinsames Innehalten bieten. Eingeladen sind Angehörige, Freunde, Wegbegleiter sowie alle Bürgerinnen und Bürger. Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes gestaltet die Andacht. Zudem liegt ein Kondolenzbuch aus, Besucher können in der Gebetsecke eine Kerze für die Opfer anzünden. 
Camilla Koziol

Haftbefehl wegen sechsfachen Mordes 

Nach den tödlichen Schüssen auf sechs Menschen in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade hat das Amtsgericht Haftbefehl gegen den 45 Jahre alten Tatverdächtigen erlassen. Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten aufgrund des Vorliegens von Mordmerkmalen, insbesondere Heimtücke und niederen Beweggründen, als sechsfachen Mord, hieß es in einer Mitteilung. Er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.
Martina Lewinski

Trauerfeier nach tödlichen Schüssen

Einen Tag nach der tödlichen Gewalttat in Stade kommen Angehörige, Mitarbeitende, Einsatzkräfte und Bürger zu einer Trauerfeier zusammen. Die Stimmung ist von tiefer Betroffenheit geprägt. RTL ist vor Ort. 

Viele Menschen liegen sich bei der Gedenkveranstaltung in den Armen, weinen leise und trauern gemeinsam um die Opfer der tödlichen Schüsse. 

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) zeigt sich tief erschüttert. In seiner Rede sagt er: „Die Menschen dort haben einfach ihre Arbeit gemacht und dann wurden sie unvermittelt getötet. Nichts ist mehr so, wie es gestern Morgen war. Dieser Gedanke lässt mich nicht mehr los.“ 

Lies spricht von „sinnloser Gewalt“ und betont, dass ausgerechnet Menschen, die anderen Hilfe angeboten hätten, „gewaltsam aus ihrem Leben gerissen“ worden seien. Es werde viel Zeit brauchen, bis die Wunden heilen könnten. Zugleich fordert der Ministerpräsident eine umfassende Aufarbeitung und Aufklärung der Tat. Abschließend dankt er allen Einsatzkräften, die „schnell und professionell gearbeitet haben“ und das Geschehene nun selbst verarbeiten müssten. 

Auch die stellvertretende Bürgermeisterin von Stade kämpft zu Beginn ihrer Rede mit den Tränen. Sichtlich bewegt sagt sie: „Diese Stadt ist auch meine Stadt.“ Es sei „schrecklich, was passiert ist“. An die Trauergäste gerichtet, betont sie: „Wir tragen diesen Schmerz gemeinsam.“ 
Blick in die St.-Wilhadi-Kirche während einer Trauerandacht für die Opfer nach den Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung. In der Einrichtung waren am Vortag mehrere Menschen durch Schüsse getötet worden.
Blick in die St.-Wilhadi-Kirche während einer Trauerandacht für die Opfer nach den Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung. In der Einrichtung waren am Vortag mehrere Menschen durch Schüsse getötet worden. picture alliance/dpa | Carsten Neff
Camilla Koziol

Mordkommission übernimmt Ermittlungen

Nach der Bluttat in einer Jugendhilfeeinrichtung mit sechs Toten im niedersächsischen Stade sollen die Ermittlungen "aufgrund des Umfangs und der Komplexität des Tatgeschehens" von einer eigens eingerichteten Mordkommission übernommen werden. Das teilten die Polizei in Lüneburg und die Staatsanwaltschaft Stade am Dienstag mit. Erwartet wurde zudem eine Entscheidung über einen Untersuchungshaftbefehl für den nach der Tat am Montag festgenommenen 45-jährigen Verdächtigen.
Camilla Koziol

Kommt der Verdächtige in U-Haft?

Der 45 Jahre alte mutmaßliche Täter ist in Polizeigewahrsam. Die Staatsanwaltschaft entscheidet im Laufe des Tages, ob sie einen Haftbefehl beantragt. Wenn dies wie erwartet geschieht, muss das Amtsgericht Stade noch heute entscheiden, ob der Mann in Untersuchungshaft kommt.
Berichte, nach denen der 45-Jährige Mitglied eines Clans sein soll, bestätigten die Ermittler nicht. "Wir haben derzeit keine Hinweise dafür, dass eine Clanzugehörigkeit besteht", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft der dpa auf Anfrage.

Camilla Koziol

Unter den Todesopfern sind auch zwei Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter der Jugendhilfeeinrichtung

Unter den Getöteten sind neben den drei Mitarbeitenden des Jugendamts Hannover zwei Frauen und ein Mann, die als Mitarbeitende der Stader Jugendhilfeeinrichtung vor Ort waren. 
Camilla Koziol

Immer wieder legen Menschen Blumen ab oder stellen Kerzen auf

An dem Gebäude, in dem sich das Grauen abspielte, sind von außen keine Beschädigungen zu sehen, wie ein dpa-Reporter berichtet. Bisweilen kommen Anwohner, die trotz Absperrung zu ihrem eigenen Haus dürfen.
Die Tat sorgt für große Bestürzung. Immer wieder kommen Menschen und legen in der Nähe des Tatortes Blumen ab oder stellen im Gedenken an die Opfer Kerzen auf. Die Straße soll voraussichtlich den gesamten Dienstag gesperrt bleiben.

ACTIONPRESS FOTO ONLINE
Camilla Koziol

Beamte schossen auf die Reifen des Fluchtwagens

Die Polizei hatte den Tatverdächtigen kurz nach der Tat festgenommen. Er versuchte mit einem Auto zu fliehen, das eine 65-Jährige fuhr. Beamte schossen auf die Reifen des Wagens. Nach derzeitigem Erkenntnisstand hat die Frau eine enge Verbindung zur Familie des Tatverdächtigen. Auch sie wurde nach Behördenangaben von der Polizei vernommen. Ob die 65-Jährige weiter in Gewahrsam ist, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage nicht.