Silvesterhorror in der SchweizFeuerkatastrophe in Crans-Montana: Identifizierung der Opfer kann noch lange dauern – bislang keine Deutschen unter den Opfern
Tragödie in der Silvesternacht!
„Die Schweiz trauert heute”, sagt Bundespäsident Guy Parmelin bei einer Pressekonferenz am Neujahrstag. In der Bar „Le Constellation” im Schweizer Luxus-Skiort Crans-Montana im Kanton Wallis sind mindestens 40 Menschen bei einem Feuer ums Leben gekommen. Nach RTL-Informationen sind Stand jetzt keine Deutschen unter den Todesopfern. Die Behörden gehen von 115 Verletzten aus, die meisten davon hätten schwerste Verbrennungen, sagte Frédéric Gisler, Kommandant der Kantonspolizei Wallis. Der Brand wurde wohl durch ein Unglück ausgelöst. Ein Anschlag wird ausgeschlossen.
Familien der Opfer warten weiter auf Informationen
Die Identifizierung der Toten und teils auch der schwer verbrannten Menschen in den Krankenhäusern könne noch Tage oder Wochen dauern, „unerträglich lang für die Familien der Opfer”, hieß es bei der Pressekonferenz am Nachmittag des Neujahrstages. Auch die Nationalitäten der Opfer wurden noch nicht zweifelsfrei geklärt. Dazu müsse erst eine Identifizierung der Leichen abgeschlossen werden. „Wir haben eben Familien getroffen. Viele warten noch auf Informationen. Das ist ein furchtbarerer Moment, wir sind uns dessen bewusst”, sagte der Präsident der Regierung im Kanton Wallis, Mathias Reynard.

Nach Angaben des italienischen Außenministers Antonio Tajani wurden zwischen zwölf und 15 Italiener bei dem Feuer verletzt und in Krankenhäuser eingeliefert. Etwa 16 Italiener würden vermisst, sagte Tajani am Donnerstagabend in der Sendung „Diaro del giorno” des Senders Rete4. Informationen über mögliche deutsche Todesopfer oder Verletzte lagen zunächst nicht vor.
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Die Ermittler gehen aktuell davon aus, dass in der Bar eine Verpuffung stattgefunden hat. Wie es dazu kommen konnte, wird untersucht. Für die Einsatzkräfte sei die Arbeit vor Ort eine große Herausforderung gewesen. So eine schlimme Katastrophe sei sehr selten und selbst erfahrene Rettungskräfte hätten so etwas noch nie gesehen, erklärten die Behörden bei der Pressekonferenz am Nachmittag. „Es handelt sich um eine der schlimmsten Tragödien, die es in der Geschichte dieses Landes gab. Wir sind bestürzt”, sagte Guy Parmelin, Bundespräsident der Schweiz.
Verletzte müssen auf Spezialkrankenhäuser in der ganzen Schweiz verteilt werden
Das Feuer in der Bar soll am Neujahrstag gegen 01.30 Uhr ausgebrochen sein. Bei der Veranstaltung soll es sich um eine Silvesterparty für Minderjährige unter 17 Jahren gehandelt haben, berichtet Corriere della Sera. Augenzeugen aus der Bar berichten, dass eine Art Geburtstagsfeuerwerk auf einer Champagnerflasche das Feuer ausgelöst haben könnte. Die Funken einer Art Wunderkerze hätten auf die Holzdecke des Lokals übergegriffen.
Der Walliser Staatsrat Mathias Reynard sprach von einer „großen Tragödie”. Für Angehörige und Zeugen wurde eine Hotline eingerichtet. Viele der Verletzten befinden sich laut Behörden in einem ernsten Zustand und wurden auf Krankenhäuser im ganzen Land verteilt, weil die Kliniken im Kanton Wallis komplett ausgelastet seien. Die Behörden riefen die Menschen in der Schweiz auf, sich am Neujahrstag vorsichtig zu verhalten, damit die Krankenhäuser nicht noch weiter belastet würden. Augenzeugen in Genf berichteten, dass am Universitätsspital alle paar Minuten Nothubschrauber landeten.
Explosion war nicht der Auslöser für den Brand
Der tödliche Brand wurde nach ersten Erkenntnissen der Behörden nicht durch eine Sprengsatz-Explosion verursacht. Das Feuer habe bei seiner Ausbreitung eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Er berief sich dabei auf Zeugenaussagen und erste Ermittlungen. Es handele sich nicht um eine Explosion eines Sprengsatzes, die einen Brand auslöst. Damit begründete Staatsanwältin Beatrice Pilloud auch ihre Einschätzung, einen Anschlag auszuschließen.
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Auch die Gemeinde äußerte sich in einer Story bei Instagram zu der Feuerkatastrophe in der Silvesternacht. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Wir möchten außerdem den Rettungskräften und allen Menschen unsere tiefste Dankbarkeit aussprechen, die geholfen haben und es auch weiter tun”, hieß es dort.
Bundeskanzler Friedrich Merz sprach den Opfern aus der „Le Constellation”-Bar bei X sein Mitgefühl aus. Aus dem Auswärtigen Amt heißt es gegenüber RTL: „Unsere Botschaft steht mit den Schweizer Behörden in engem Kontakt.”
Menschen mit schweren Verbrennungen in Krankenhäuser gebracht
Vor Ort waren Polizei und Feuerwehr mit zahlreichen Einsatzwagen und Hubschraubern. Ein Rettungsarzt sagte dem Westschweizer Sender RTS, Menschen seien mit schweren Verbrennungen in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Am Morgen sei die Lage unter Kontrolle gewesen, sagte ein Polizeisprecher Medienvertretern. Der Einsatz dauerte nach Polizeiangaben am Vormittag noch an. Über dem Ort wurde ein Überflugverbot verhängt.

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Die Schweizer Behörden bekommen Unterstützung vom Zivilschutz des Aostatals – eine italienische Region an der Grenze zur Schweiz: Ein Hubschrauber mit Spezialisten der Bergwacht und medizinischem Personal wurde von den Schweizern erbeten und ist dort seit 6 Uhr im Einsatz, wie die italienische Bergwacht mitteilte.
Brand durch Pyrotechnik ausgelöst?
Laut dem lokalen Schweizer Radiosender RhoneFM könnte der Umgang mit pyrotechnischen Gegenständen die Ursache der Tragödie gewesen sein. Mehrere Personen sollen dies gegenüber dem Sender bestätigt haben. Die Zahl der Opfer wird als sehr hoch eingeschätzt; RhoneFM berichtet von möglicherweise mehreren Dutzend Todesfällen. Die Zeitung Le Nouvelliste spricht sogar von 40 Opfern und 100 Verletzten.

Crans-Montana ist ein Schweizer Nobel-Skiort
Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927-2017). Der Ort auf etwa 1.500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Januar finden dort auch Rennen des Ski-Weltcups statt.

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Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2.600 Hotelbetten und hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland. Der nächste große Flughafen ist Genf, rund 180 Kilometer nordwestlich. (mit dpa, afp)
Verwendete Quellen: afp, dpa, Reuters, Instagram, Blick, Corriere della Sera, Le Nouvelliste

