Sachsen-Anhalt-Wahl im Live-TickerMerkel schockiert über AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt

Nach dem Erdrutsch-Sieg bei der Landtagswahl will die AfD will in Sachsen-Anhalt regieren.
Sollte es dazu kommen, wäre das historisch. Für eine Alleinregierung der als rechtsextremistisch eingestuften Partei reicht es nicht. Für Bundeskanzler Friedrich Merz (70, zeitgleich CDU-Chef) wird es derweil immer bedrohlicher.

Liveblog: Historische Wahl in Sachsen-Anhalt

Wichtige Updates
Annika Redmer

Merkel ist schockiert über AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt

Der Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt hat Altkanzlerin Angela Merkel tief getroffen. Das sei «einfach schockierend», sagte die frühere CDU-Parteichefin bei der Digitalmesse Digital X der Deutschen Telekom in Köln. Ihre Partei hatte in dem Bundesland eine herbe Niederlage eingesteckt und ihren Stimmenanteil halbiert. "Mir als CDU-Mitglied blutet das Herz", sagte die Christdemokratin, die von 2005 bis 2021 Bundeskanzlerin war. "Das ist ein Einschnitt, ein wirklicher Einschnitt, den wir in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erleben."
Die frühere CDU-Parteichefin riet zu einer anderen Art der Kommunikation, um die Bevölkerung besser zu erreichen und Fortschritte besser zu erklären. "Die individuelle Ansprache der Bürger» sei wohl wichtiger geworden als früher, sagte Merkel. Demokratische Parteien müssten jetzt stärker den Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern suchen. 

Gefühle statt Fakten 

Bedenklich findet sie, dass Fakten bei vielen Bürgern keinen so hohen Stellenwert mehr hätten und stattdessen auf Gefühle referiert werde. Als Beispiel nannte sie die nach ihrer Darstellung faktische Aussage, dass in Sachsen-Anhalt die Arbeitslosigkeit gesunken und der individuelle Wohlstand gestiegen sei. "Und dann sagt der Spitzenkandidat (der AfD Ulrich Siegmund), "kann sein, aber das wird nicht so gefühlt"."
Man dürfe nicht zulassen, dass so eine Einstellung mehrheitsfähig werde, sagte Merkel. "Es war der Fortschritt der Aufklärung, dass sich die Summe der Menschen auf Fakten einigen konnte." Wenn nun das Gefühl Hoheit übernehme und Fakten nicht mehr als das Wichtigste bewertet werden, wären das zivilisatorische Rückschritte. 
dpa
Annika Redmer

Klingbeil: Kein Abbau des Sozialstaats

Vizekanzler Lars Klingbeil hat in der Haushaltsdebatte im Bundestag klargemacht, wo für ihn Grenzen bei Reformen liegen. Man dürfe nicht zulassen, "dass unter dem Schlagwort der Reform ein systematischer Abbau unseres Sozialstaates betrieben wird", betonte der SPD-Chef. "Wir brauchen einen funktionierenden Sozialstaat, damit Deutschland ein starkes Land sein kann." Hier sei sich die Spitze der Koalition auch einig. 
Zwei Tage nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt räumte der Vizekanzler auch ein, die Regierung habe Vertrauen verloren. "Wenn wir Vertrauen für die notwendigen Veränderungen zurückgewinnen wollen, dann muss die Frage der Gerechtigkeit der Veränderungen in den Mittelpunkt", sagte er. Das müsse Maßstab aller Entscheidungen sein. Wenn die Bundesregierung die richtigen Schritte anstoße, komme auch der Glaube zurück, "dass wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen können. Dann wächst auch das Vertrauen in die politische Mitte", sagte Klingbeil. 
Annika Redmer

AfD will alle Parteien zu Sondierungen einladen 

Die AfD in Sachsen-Anhalt will alle im Landtag vertretenen Parteien zu Sondierungsgesprächen einladen. "Morgen bekommt jede im Landtag vertretene Partei von uns einen Brief, wo wir zu Sondierungsgesprächen einladen", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion, Tobias Rausch, am Montagabend in der MDR-Sendung "Fakt ist". "Wir sind natürlich, weil wir jetzt nicht die absolute Mehrheit haben, auch kompromissbereit in gewissen Sachen." Man werde sehen, wer die Gesprächsangebote annehme. 
BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig betonte erneut, nicht in eine Koalition mit der AfD gehen zu wollen. "Wir haben immer gesagt, wir gehen in keine Koalition. Wir möchten, dass mit wechselnden Mehrheiten regiert wird." Es gehe darum, Mehrheiten für einzelne Projekte zu finden.
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD mit deutlichem Abstand die meisten Stimmen holte, deutet sich eine schwierige Regierungsbildung an. Vor der Wahl hatten alle anderen Parteien eine Koalition mit der Partei ausgeschlossen. 
Annika Redmer

Wüst fordert Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Prüfung der AfD

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst fordert eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD und möglichen Folgen. Diese Prüfung müsse ergebnisoffen sein und dürfe nicht automatisch zu einem Verbotsverfahren führen, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.
"Ich warne vor Schnellschüssen bei einem AfD-Verbot, denn das Verbot einer politischen Partei kann nur der letzte Weg sein, wenn wir unsere Verfassung schützen wollen", sagte Wüst. Er erklärte: "Es muss nun eine Struktur geben, in der diese Fragen von Bund und Ländern sorgfältig, professionell und seriös geprüft werden."

Aus Sicht des NRW-Regierungschefs sollten in der Arbeitsgruppe der Verfassungsschutz, aber auch Verfassungsrechtler und weitere Experten von Bund und Ländern beteiligt sein. "Es geht insgesamt um die Frage, wie der Staat verfassungsrechtlich mit einer Partei umgeht, die mindestens in einzelnen Bundesländern verfassungsfeindliche Ziele verfolgt", so der CDU-Politiker. 

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche