Business School für GrundschülerLehrerin verlangt von Drittklässlern Miete für Pult und Stühle

Ein leeres Klassenzimmer
Sieben Dollar Miete für ein Pult und einen Stuhl (Symbolfoto)
picture alliance / imageBROKER / Liam Cleary
von Philipp Petersdorff

Ein eigenes Einkommen, Miete und sogar Strafzettel – und das schon in der dritten Klasse.
Lehrerin Shelby Lattimore hat in ihrem Klassenzimmer eine kleine Wirtschaftswelt geschaffen. Dahinter steckt allerdings kein knallhartes Geschäftsmodell, sondern eine ungewöhnliche Unterrichtsidee.

Klassenzimmer-Kapitalismus

Sie haben einen Job, bekommen regelmäßig ihr Gehalt und müssen davon erst einmal ihre Rechnungen bezahlen. Was nach dem Alltag vieler Erwachsener klingt, gehört für die Drittklässler von Shelby Lattimore zum Schulalltag. Die Lehrerin aus Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina hat in ihrem Klassenzimmer eine eigene kleine Wirtschaft aufgebaut. Gezahlt wird natürlich nicht mit echtem Geld, sondern mit sogenannten „Lattimore Bucks“.

Was zunächst ziemlich streng klingt, verfolgt ein klares Ziel. Lattimore hat in ihrem Klassenzimmer eine kleine Wirtschaftswelt geschaffen, in der die Kinder arbeiten, Geld verdienen, Rechnungen begleichen und sparen. Damit will sie ihnen schon früh finanzielle Verantwortung beibringen. Wie People berichtet, entwickelt die Lehrerin ihr ungewöhnliches System seit rund drei Jahren immer weiter.

So viel verdienen die Drittklässler

Das Geld fällt auch bei Shelby Lattimore nicht vom Himmel. Jedes Kind übernimmt einen Job. Die Schüler können unter anderem die Tür aufhalten, ihre Mitschüler in einer Reihe anführen, beim Aufräumen helfen oder sich um den Klassenfisch kümmern. Alle zwei Wochen ist Zahltag. Wie viel ein Kind verdient, hängt von seiner Aufgabe ab.

Konkrete Zahlen nannte Lattimore bereits 2023 gegenüber dem US-amerikanischen Finanzmagazin TheStreet. Damals bekamen ihre Schüler alle zwei Wochen zwischen 10 und 20 Dollar Spielgeld. Wer zusätzliche Aufgaben erledigte, konnte sich außerdem eine Art Überstunden-Zuschlag verdienen.

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Dann kommt die Rechnung für Tisch und Stuhl

Vom Gehalt geht zuerst die Miete ab. ABC News berichtete 2024, dass die Kinder zu Beginn des Schuljahres fünf Dollar im Monat für ihren Tisch und Stuhl zahlen mussten. Im Januar folgte die nächste Lektion aus dem echten Wirtschaftsleben. Lattimore erhöhte die Miete auf sieben Dollar. Damit wollte sie ihren Schülern Inflation ganz praktisch näherbringen. Auch im aktuellen Gespräch mit People erzählt die Lehrerin, dass sie ihre Klassen nach der Rückkehr im Januar mit höheren Mieten konfrontiert. Die Kinder würden dann merken, dass sie sich plötzlich nicht mehr dasselbe leisten können wie zuvor.

Ein Dollar Strafe kann sich schnell summieren

Auch schlechtes Benehmen kann teuer werden. Lattimore erklärte The Street, dass jeweils ein Dollar Strafe fällig werden konnte, wenn ein Schüler seine Arbeit verspätet abgab, respektlos war oder etwas im Klassenzimmer kaputt machte. „Diese Strafen mögen nur einen Dollar betragen, aber sie summieren sich“, sagt sie. Wer innerhalb einer Woche zehn Strafen kassiere, könne sich eine begehrte Belohnung anschließend möglicherweise nicht mehr leisten. Auch Schwänzen macht sich auf dem Konto bemerkbar. „Wenn sie nicht zur Schule kommen, werden sie nicht bezahlt“, erklärt Lattimore. Schließlich gebe es das Einkommen nur alle zwei Wochen.

Für 30 Dollar dürfen die Schüler selbst Lehrer spielen

Wer seine Rechnungen bezahlt hat und noch Geld besitzt, darf es sparen oder für Belohnungen ausgeben. ABC News nennt einige Preise aus dem Jahr 2024. Süßigkeiten gab es damals für zwei Dollar. Sieben Dollar kostete ein gemeinsames Mittagessen mit der Lehrerin.

Der teuerste Wunsch kostete 30 Dollar. Dafür durfte ein Kind selbst die Rolle des Lehrers übernehmen. Die Belohnungen sollen den Schülern einen zusätzlichen Anreiz geben, ihr Geld nicht sofort auszugeben. Genau darum geht es Lattimore. Die Kinder sollen überlegen, ob sie sich heute etwas Kleines gönnen oder lieber für etwas Größeres sparen. Einen wichtigen Unterschied zum echten Leben gibt es allerdings. Hier können sie solche Erfahrungen sammeln, ohne tatsächlich Geld zu verlieren.

Verwendete Quellen: ABC News, People, The Street