Kommentar zum Iran-KriegKein Waffenstillstand, bis das Regime stürzt!

Im Iran ist ein weiteres Todesurteil im Zusammenhang mit den jüngsten Massenprotesten vollstreckt worden. Foto Archiv
Im Iran sind nach den jüngsten Protesten weitere Menschen hingerichtet worden. (Archivfoto)
Uncredited/UGC/AP/dpa
von Mitra Afhami

Die Waffen stehen still – die Hoffnung auch!
Europa blickt mit Erleichterung auf die Waffenruhe zwischen der Islamischen Republik, den USA und Israel – auch wenn sie fragil erscheint. Viele sehen darin eine Chance auf Frieden. Ich sehe das anders und sage es offen: Ich will keinen Waffenstillstand, solange dieses Regime an der Macht ist. Denn für uns Iranerinnen und Iraner bedeutet Waffenruhe nicht Sicherheit, sondern die Fortsetzung von Unterdrückung und Repression.

Angst vor der eigenen Regierung größer als vor Bomben

Ich bin Iranerin und lebe seit über vierzig Jahren in Deutschland. Das Mullah-Regime hat mir meine Heimat genommen – meine Kindheit und Jugend. Dieses Schicksal teile ich mit Millionen Iranerinnen und Iranern über mehrere Generationen hinweg. Jeden Tag verfolge ich Nachrichten, Videos und Stimmen aus sozialen Medien. Was ich dort sehe, ist keine Erleichterung über die Waffenruhe, sondern Angst, Wut und Enttäuschung.

Die Menschen im Iran fürchten sich mehr vor ihrer eigenen Regierung als vor Bomben. Diese Vorstellung ist bizarr, aber leider wahr. Allein in den letzten Wochen wurden schätzungsweise mehr als vierzehn junge Menschen – darunter auch Teenager – hingerichtet. Ihr „Verbrechen“: Sie hatten im Januar gegen das Regime protestiert. Tausende sitzen in Gefängnissen und bangen um ihr Leben.

Während man in Deutschland über Benzinpreise diskutiert, kämpfen Menschen im Iran ums Überleben, um Meinungsfreiheit, um das Recht, frei leben und lieben zu dürfen.

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Verhandlungen stärken nur Macht der Mullahs

Der fortwährende Versuch Europas, mit den Mullahs zu verhandeln, stärkt am Ende nur deren Macht. Jeder Dialog mit einem Regime, das seine eigene Bevölkerung terrorisiert, gibt ihm neue Legitimation. Ein freier Iran wäre nicht nur für die Iranerinnen und Iraner, sondern für die gesamte Welt ein Gewinn. Das Regime finanziert Terrorgruppen wie Hamas und Hisbollah und nährt Extremismus weit über seine Grenzen hinaus.

Solange diese Führung besteht, wird es keinen echten Frieden geben – weder im Nahen Osten noch darüber hinaus. Die Welt wäre ohne dieses Regime sicherer und stabiler.

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Iranische Bevölkerung braucht den Westen

Die iranische Bevölkerung kann dieses Regime nicht allein stürzen. Es ist brutal und tötet ohne Zögern. Die Menschen haben ihren Mut längst bewiesen – zuletzt im Januar, als sie zu Hunderttausenden auf die Straße gingen. Doch innerhalb von zwei Tagen wurden Zehntausende Demonstrierende getötet. Ohne Unterstützung des Westens wird die Islamische Republik nicht fallen.

Für viele Iranerinnen und Iraner ist ein Waffenstillstand, der nur dem Regime nutzt, kein Frieden und keine Freiheit – er ist ein Stillstand der Hoffnung. Und für mich, als Iranerin, die in der Sicherheit Europas lebt, bleibt das Gefühl der Ohnmacht und die Verpflichtung, die Stimmen aus meinem geliebten Iran hörbar zu machen.