Dürren, Fluten, BrändeStudie simuliert, wie zwei Grad wärmere Welt aussehen könnte

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HANDOUT - Dürre in Mitteldeutschland 2018. Vertrocknetes Feld nördlich von Leipzig.

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Vertrocknetes Feld nördlich von Leipzig während einer Dürre in Mitteldeutschland im Jahr 2018: Derartige extreme Wetterereignisse nehmen in den Klimamodellen deutlich zu.
André Künzelmann / UFZ/dpa

Eine neue Analyse von Klimamodellen durch ein Leipziger Forscherteam liefert ein alarmierendes Ergebnis: Schon bei zwei Grad Erwärmung könnten die Worst-Case-Szenarien schlimmer ausfallen als die erwartbaren Szenarien bei drei oder sogar vier Grad Erwärmung

Schon bei einer Erderwärmung um zwei Grad Celsius können Wetterereignisse auftreten, die mitunter extremer sind als bei einer Erwärmung um drei oder sogar um vier Grad. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, die sich vor allem auf Klimarisiken in drei Bereichen konzentriert: Starkregen in dicht besiedelten Regionen, Dürren in bedeutsamen Agrargebieten und Wetterverhältnisse, die Waldbrände begünstigen. Unabhängige Experten halten die Studie unter Federführung von Emanuele Bevacqua und Jakob Zscheischler vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig für einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des Klimawandels.

Noch immer sind Simulationen zu Folgen des Klimawandels mit großen Unsicherheiten behaftet. „Im Sinne einer verantwortungsvollen Risikobewertung sollten wir deshalb über die wahrscheinlichsten Entwicklungen hinausblicken und auch extreme Szenarien berücksichtigen, die schwerwiegende gesellschaftliche oder ökologische Folgen haben könnten“, wird Bevacqua in einer UFZ-Mitteilung zitiert. Er und seine Kollegen werteten globale Simulationen zahlreicher Klimamodelle aus, die auch den Berichten des Weltklimarates (IPCC) zugrunde liegen. Während üblicherweise die Werte aus verschiedenen Simulationen gemittelt werden, blickten die Forscher diesmal auf die Extremwerte - also auf Worst-Case-Szenarien.

Die extremsten Werte bei einer Erwärmung um zwei Grad fanden sie bei der Analyse von Dürren in Agrargebieten, die für die weltweite Sicherung der Ernährung wichtig sind. So nahm die Häufigkeit von Dürren in diesen Gebieten in zwei Klimamodellen um mehr als 35 Prozent zu, in einem Modell sogar um mehr als 50 Prozent, wie das Team im Fachjournal „Nature“ berichtet.

Der Mittelwert dafür lag bei einem Plus von 11 Prozent. Zum Vergleich: Selbst im Falle einer Erwärmung um vier Grad liegt der Mittelwert bei 16 Prozent mehr Dürren. „10 der 42 untersuchten Modelle liefern bei zwei Grad Ergebnisse, die deutlich über dem Modellmittel bei vier Grad Erwärmung liegen“, betont Bevacqua mit Blick auf die Simulationen zu den Dürren.

Aber auch die Extremwerte für heftige Niederschläge in dicht besiedelten Regionen, die Menschenleben kosten und große wirtschaftliche Schäden anrichten können, sind beachtlich. Die Forscher betrachteten die maximale Niederschlagsmenge an fünf aufeinanderfolgenden Tagen eines Jahres in einer um zwei Grad wärmeren Welt im Vergleich zum Zeitraum 1851 bis 1900. Diese Niederschlagsmenge nimmt im Durchschnitt der Modelle um etwa 8,5 Prozent zu, in extremen Fällen jedoch um 13 bis 15 Prozent. Der höchste Modellwert liegt dabei höher als der Mittelwert zahlreicher Modelle für eine um drei Grad wärmere Welt.

Auch bei Simulationen zu Wetterverhältnissen, die Waldbrände begünstigen, liegt der höchste für eine Zwei-Grad-Welt simulierte Wert höher als der Durchschnittswert für eine Drei-Grad-Welt. „Unsere Ergebnisse bedeuten nicht, dass eine Zwei-Grad-Erwärmung insgesamt so gravierend wäre wie eine deutlich stärkere Erwärmung“, betont Zscheischler. Aber in besonders verwundbaren oder gesellschaftlich wichtigen Sektoren könnten schon zwei Grad extreme Auswirkungen haben.

In einem „Nature“-Kommentar weist Rachel Warren von der britischen University of East Anglia in Norwich darauf hin, dass derzeit geplante Maßnahmen gegen den Klimawandel vermutlich zu einer Erderwärmung um 2,8 Grad führen werden.

„Die Studie veranschaulicht deutlich, dass extreme Änderungen - wenn auch mit geringer Wahrscheinlichkeit - selbst bei einer Erwärmung von „nur“ zwei Grad nicht mehr auszuschließen sind“, sagt der Klimaforscher Douglas Maraun von der Universität Graz, der nicht an der Studie beteiligt war. „Diese Worst-Case-Änderungen könnten so stark sein, dass sie in etwa den erwarteten Änderungen einer vier Grad wärmeren Welt entsprechen.“

Risikoabschätzungen und die Planung von Anpassungsmaßnahmen könnten zu kurz greifen, wenn sie lediglich auf den wahrscheinlichsten Bereich klimatischer Änderungen ausgelegt würden, sagt Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Und Carl-Friedrich Schleussner vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg (Österreich) hält die Studie für einen wichtigen Beitrag zur Klimawandelforschung. Er fordert politisches Handeln: „Die Studie sollte ein Weckruf sein, dass dringendes Umsteuern erforderlich ist.“

Verwendete Quellen: Stefan Parsch, dpa