Hygiene-Skandal in KlinikBis zu 40 Patienten bei OP mit HIV infiziert?

Dieser Fall klingt unfassbar.
Ein vom medizinischen Personal unzureichend desinfizierter OP-Schraubendreher zwingt rund 40 Patienten dazu, sich auf HIV und Hepatitis testen zu lassen. Sie alle wurden seit 2017 im Hôpital de l’Enfant-Jésus in Québec (Kanada) operiert.
OP-Gerät über Jahre hinweg falsch gereinigt
„Ich war ziemlich überrascht, Sie können sich das gar nicht vorstellen”, sagt eine Patientin der kanadischen Zeitung Le Journal de Montréal, die Martine genannt wird. Denn rund zwei Jahre nach ihrer Operation erreicht sie ein Anruf aus dem Krankenhaus Hôpital de l’Enfant-Jésus aus Québec. Die Nachricht: Sie gehört zu einer Gruppe von rund 40 Patienten, die sich vorsorglich auf HIV und Hepatitis testen lassen sollen.
Lese-Tipp: Heftige Vorwürfe gegen psychiatrische Klinik – RTL-Reporter decken erhebliche Missstände auf
Wie das Universitätsklinikum Québec-Université Laval durch seinen Sprecher Jean-Thomas Grantham erklärt, geht es um einen chirurgischen Schraubendreher, der über Jahre hinweg nicht korrekt desinfiziert wurde. Seit 2017 sei das selten genutzte Instrument unzureichend gereinigt worden. Der Grund liegt offenbar in der Bauweise. Ein Teil des Griffs kann sich lösen. Doch genau dieses Detail wurde nicht immer beachtet.
Das Personal zerlegte das Werkzeug nicht vollständig – und reinigte es trotzdem. Alle betroffenen Eingriffe fanden in derselben Klinik statt. Inzwischen hat das Krankenhaus die Patienten kontaktiert und zu Tests aufgefordert.
Video-Tipp: TikTok-Skandal im Krankenhaus – Schwestern wegen Livestream freigestellt
Patienten sind verunsichert und besorgt
Martine belastet besonders der Gedanke, dass sie so lange nichts wusste. „Wenn man dem Krankenhaus nicht vertrauen kann, was soll man dann tun?“ Die Blutuntersuchung hat sie sofort machen lassen. Doch das Warten auf die Ergebnisse zieht sich. Zwei bis drei Wochen soll es dauern. Für sie fühlt sich das endlos an. „Ich habe keine Symptome, aber ich denke trotzdem darüber nach“, sagt sie.

Das Universitätsklinikum betont gegenüber dem Journal de Montréal, dass die Tests aus Vorsicht erfolgen. Das Risiko einer Ansteckung sei gering. Außerdem habe man den Reinigungsprozess inzwischen angepasst. Das Instrument werde nun korrekt zerlegt und desinfiziert, bestätigt Marilou Couture, ebenfalls Sprecherin des Krankenhauses.
Doch die Zweifel bleiben. „Selbst wenn man mir sagt, dass es nur ein Fall von 100.000 ist, macht mir das Sorgen“, sagt Martine. Ein Satz, der zeigt, wie groß die Verunsicherung ist. Bei ihr und den anderen Betroffenen des Hygiene-Skandals.
Verwendete Quellen: Le Journal de Montréal
































