Ärzte kämpfen vergeblich um ihr LebenEltern verweigerten Impfung! Mädchen (4) stirbt in Italien an fast ausgerotteter Krankheit

Impfpass mit Spritze, Einmalverpackung, Auffrischungsimpfung gegen Diphtherie
Die Impfung gegen Diphtherie wird als Standard-Impfung von der STIKO empfohlen.
imago/Jochen Tack

Eine Krankheit, die kaum noch jemand auf dem Schirm hat, kostet Anna Rosa das Leben.
Als das vierjährige Mädchen am Samstag (15. August) in die Notaufnahme des Cervello-Krankenhauses in Palermo kommt, ist sie bereits in einem kritischen Zustand. Tagelang versuchen die Ärzte, ihr Leben zu retten – ohne Erfolg. Anna Rosa stirbt an einer fast ausgerotteten Krankheit, gegen die sie nicht geimpft war.

Trotz Verdachts auf Diphtherie: Vierjähriges Mädchen kommt erst Tage später ins Krankenhaus

Die ersten Beschwerden treten laut La Repubblica bereits zwischen Montag und Dienstag auf. Anna Rosa hat Fieber, keinen Appetit und muss sich übergeben. Zunächst hält ihre Mutter die Symptome offenbar für eine gewöhnliche Erkrankung.

Doch schon am Dienstagnachmittag wird der Kinderarzt misstrauisch. Er vermutet Diphtherie und rät den Eltern dringend, mit ihrer Tochter ins Krankenhaus zu fahren. Diphtherie ist eine schwere Infektionskrankheit. Wie das deutsche Gesundheitsportal gesund.bund.de erklärt, bilden Bakterien bei der Erkrankung ein Gift, das über den Blutkreislauf wichtige Organe schädigen kann – die Krankheit kann tödlich verlaufen.

Trotzdem kommt die Vierjährige laut La Repubblica offenbar erst am Samstag in eine Klinik – zu diesem Zeitpunkt hat sich ihr Zustand bereits dramatisch verschlechtert. Anna Rosa ringt nach Luft, ihr Fieber steigt weiter. Das Mädchen sei zuvor kaum bei einem Kinderarzt gewesen. Als es schließlich in der Notaufnahme ankommt, ist sein Zustand bereits kritisch.

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Vierjährige stirbt an Diphtherie – „alles versucht, um das kleine Mädchen zu retten”

Im Krankenhaus beginnt ein verzweifelter Kampf um Anna Rosas Leben. Die Vierjährige wird zunächst intubiert und anschließend auf die Intensivstation des Kinderkrankenhauses in Palermo verlegt. Doch ihr Zustand verschlechtert sich weiter.

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Ärzte verabreichen Anna Rosa ein Diphtherie-Serum, führen eine Blutreinigung durch und schließen die Vierjährige sogar an eine ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung) an, bei der die Herz- und Lungenfunktion künstlich übernommen wird. Doch nichts bringt den erhofften Erfolg. Anna Rosa stirbt in der Nacht vom 19. auf den 20. August gegen 2.30 Uhr an multiplem Organversagen.

„Wir haben alles versucht, um das kleine Mädchen zu retten”, erklärt der ärztliche Direktor des Civico-Krankenhauses Domenico Cipolla laut La Repubblica. Den durchgeführten Tests zufolge gehe man von Diphtherie als Todesursache aus. Es stehen jedoch noch Ergebnisse des Nationalen Gesundheitsinstitutes aus.

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Eltern hatten Vierjährige offenbar nicht gegen Diphtherie impfen lassen

Besonders tragisch: Anna Rosa war laut La Repubblica nicht gegen Diphtherie geimpft. Ihre Eltern sollen die Impfung nach der Geburt bewusst abgelehnt haben, obwohl sie in Italien für Kinder vorgeschrieben ist – und wirksam gegen die tödlich verlaufende Erkrankung schützen kann.

Als Grund hätten sie Ärzten gegenüber angegeben, dass sie die Autismus-Erkrankung eines Cousins mit einer Masern-Mumps-Röteln-Impfung in Verbindung bringen. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus ist wissenschaftlich nicht belegt.

Anna Rosa hat drei Geschwister. Diese wurden nach dem Krankheitsfall inzwischen geimpft. Auch ein vierjähriger Cousin des Mädchens kam mit ähnlichen Symptomen ins Krankenhaus. Sein Zustand sei allerdings nicht ernst, berichtet La Repubblica. Er soll bereits einen Teil seiner vorgesehenen Impfungen erhalten haben.

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Staatsanwaltschaft ermittelt nach Tod des Mädchens

Nach Anna Rosas Tod beschäftigt der Fall nun auch die Justiz. Die Staatsanwaltschaft in Palermo hat Ermittlungen eingeleitet, der Leichnam des Kindes wurde sichergestellt. Eine Autopsie soll weitere Klarheit über die genaue Todesursache bringen.

Proben wurden außerdem zur Untersuchung an das italienische Nationale Gesundheitsinstitut geschickt. Denn ein solcher Fall ist in Italien äußerst selten: Laut La Repubblica wurden seit dem Jahr 2000 lediglich fünf Diphtherie-Fälle im Land gemeldet.

Diphtherie in Deutschland? Infektionen auf Impflücken zurückzuführen

Auch in Deutschland ist Diphtherie nicht vollständig verschwunden. Nach Angaben der Landesärztekammer Hessen kam es 2022 zu einem deutlichen Anstieg der Verdachts- und Krankheitsfälle. Zwar gingen die Zahlen danach wieder zurück, sie liegen demnach aber weiterhin über dem Niveau der Jahre vor 2022. Als einen Grund nennen Experten vor allem Impflücken in der erwachsenen Bevölkerung.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt deshalb nicht nur die Grundimmunisierung im Kindesalter, sondern auch regelmäßige Auffrischungen. Erwachsene sollten ihren Diphtherie-Schutz in der Regel alle zehn Jahre erneuern. Die Landesärztekammer betont: Die Krankheit sei trotz ihres seltenen Auftretens keineswegs Vergangenheit – aber mit konsequentem Impfschutz wirksam bekämpfbar.

Verwendete Quellen: La Repubblica, gesund.bund.de, Landesärztekammer Hessen