Neue Spuren und eine brutale VermutungSieben Jahre galt Johns (†28) Tod als Unfall – dann entsperren Privatermittler sein Handy

Hatte die Familie mit ihrem Gefühl Recht? War doch alles ganz anders?
Sieben Jahre lang galt der Tod von John Kesting (†28) als Unfall. Dann gelingt es Privatermittlern, sein Handy zu entsperren. Drei Spuren darauf stellen den bisherigen Ablauf infrage und führen zu einer neuen, drastischen Theorie. Es könnte ein Mord gewesen sein!
Tod nach Polterabend! Der Fall John Kesting (†28) war schon eingestellt
6.29 Uhr. Nur wenige Meter von dem Feldweg entfernt, auf dem John Kesting später tot gefunden wird, entsteht ein Live-Foto auf seinem Handy. Darauf zu sehen sind die Schatten von zwei Personen. Fünf Minuten später macht John noch ein Selfie. Er ist am Leben, äußerlich unverletzt und befindet sich nach Einschätzung der Privatermittler unmittelbar an seinem späteren Fundort. Genau diese Aufnahmen bringen sieben Jahre nach seinem Tod Bewegung in den Fall!
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Lange galt der Tod des 28-Jährigen als Unfall. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass John nach einem Polterabend in Altenlotheim, einem ruhigen Stadtteil von Frankenau in Nordhessen, alkoholisiert gestürzt war und sich dabei tödliche Kopfverletzungen zugezogen hatte. Gegen 8.35 Uhr wird John hier von einem Fahrradfahrer und zwei weiteren Zeuginnen gefunden. Mit einer massiven Kopfverletzung, blutüberströmt.
Weil damals kein Hinweis auf Fremdverschulden gesehen wurde, blieb sein Handy gesperrt. Der Fall wurde eingestellt. Erst das von der Familie beauftragte Privatermittlerteam ließ das Gerät Anfang Mai von einem IT-Forensiker entsperren. Was darauf gefunden wurde, stellt die bisherige Unfall-Theorie aus Sicht der privaten Ermittler infrage.
Drei Handy-Spuren verändern den Fall John Kesting (†28)
Die erste Spur steckt in Fotos vom Polterabend. Darauf ist John mit einem Mann zu sehen, der 2019 bei der Polizei angegeben hatte, John gar nicht gekannt zu haben. Privatermittlerin Stefanie Plugge-Henze sagt: „Die Fotos auf dem Handy beweisen, dass John und diese Person in Interaktion getreten sind und auch sehr vertraut miteinander waren.“

Noch brisanter ist die zweite Spur. Um 6.29 Uhr zeigt ein Live-Foto die Schatten zweier Personen nahe des späteren Fundorts. Für Plugge-Henze ist das der zentrale Hinweis. „Das ist für uns natürlich die allerwichtigste Erkenntnis gewesen. Er war nicht alleine.“

Die dritte Spur folgt fünf Minuten später. Um 6.34 Uhr entsteht Johns letztes Live-Foto. Privatermittler Marius Richter zufolge wurde das Selfie praktisch dort aufgenommen, wo John später gefunden wurde. Auf dem Bild sei er sichtlich unverletzt und am Leben.

Privatermittler halten eine brutale Gewalttat für möglich
Richter hält einen Unfall aufgrund der äußeren Umstände und des Verletzungsbildes inzwischen für wenig plausibel. Seine neue Theorie ist drastisch. Er hält es für möglich, dass John am Boden lag, eine zweite Person über ihm war und seinen Kopf mit großer Wucht gegen den Asphalt geschlagen haben könnte.
„Also die Sturz-Theorie, die würden wir jetzt hier deutlich verwerfen“, sagt Richter. Stattdessen komme aus seiner Sicht eine „Tathandlung“ infrage. Bewiesen ist dieses Szenario bislang nicht.
Die Staatsanwaltschaft Marburg hatte zuvor erklärt, es hätten sich keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden feststellen lassen. Auch die Anwesenheit einer weiteren Person während des mutmaßlichen Sturzgeschehens sei nicht nachweisbar gewesen.
Johns Familie will die neuen Hinweise nun bei der Staatsanwaltschaft einreichen. Vater Uwe Kesting sagt: „Irgendwie finde ich, dass ich das schuldig war, dass das geklärt wird. Dass man irgendwie auch abschließen kann. Das fehlt einfach.“
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, I & U



