Trotz besserer WirtschaftslageAlarmierende Studie: Großpleiten in Deutschland erreichen Rekordhöhe

Dass die Wirtschaft in Deutschland etwas in Schwung kommt, spiegelt sich nicht bei der Zahl der Großinsolvenzen wider. Nach einem Rekord im vergangenen Jahr setzt sich der Trend fort. Besorgniserregend ist vor allem, dass mehrere klassische industrielle Kernbranchen betroffen sind.
Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland bleibt einer Studie zufolge trotz besserer Konjunktur auf Rekordniveau. Im ersten Halbjahr registrierte der Kreditversicherer Allianz Trade 33 Unternehmensinsolvenzen von Firmen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie aus der veröffentlichten Untersuchung hervorgeht. Damit setze sich der Negativtrend nach dem Rekordjahr 2025 fort: Im Vorjahr hatte Allianz Trade mit insgesamt 94 Großinsolvenzen in Deutschland den bislang höchsten Wert seit Beginn der Auswertung 2015 verzeichnet.
„Es gibt auch 2026 keine Verschnaufpause bei den Großinsolvenzen“, sagte der CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Milo Bogaerts. „Der Negativtrend aus dem Vorjahr verfestigt sich. Das ist ein Warnsignal für die deutsche Wirtschaft.“ Das zeige, dass der Anpassungsdruck in vielen Branchen weiter enorm sei. Großunternehmen stünden häufig im Zentrum komplexer Wertschöpfungsketten. „Fällt ein Marktteilnehmer dieser Größenordnung aus, geraten oftmals auch Zulieferer, Dienstleister und andere Geschäftspartner unter Druck“, sagte Bogaerts.
Besonders betroffen waren im ersten Halbjahr 2026 die Automobilbranche mit sieben Großinsolvenzen, gefolgt vom Einzelhandel (fünf Fälle) sowie Maschinenbau und Dienstleistungen (je vier). Damit geraten zunehmend auch klassische industrielle Kernbranchen unter Druck.
Hohe wirtschaftliche Schäden
Mit der steigenden Zahl der Fälle nahmen den Angaben nach auch die wirtschaftlichen Schäden durch Großinsolvenzen zu: Der kumulierte Jahresumsatz der insolventen Großunternehmen erhöhte sich in den ersten sechs Monaten um drei Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro.
In den vergangenen vier Quartalen verzeichnete Allianz Trade weltweit insgesamt 504 Großinsolvenzen. Davon entfielen 325 Fälle auf Westeuropa. Deutschland vereinte mit 97 großen Insolvenzen etwa 30 Prozent aller Großinsolvenzen in Westeuropa, gefolgt von Frankreich (69), Italien (62) und Großbritannien (45). „Jede dritte Insolvenz in Westeuropa in den vergangenen zwölf Monaten kommt aus Deutschland“, sagt Bogaerts. Im weiteren Jahresverlauf sei keine nachhaltige Entspannung zu erwarten. Besonders Branchen mit hohen Investitions- und Energiekosten sowie Unternehmen mit geringer Preissetzungsmacht blieben anfällig für finanzielle Schieflagen.
Auch wegen der überraschend gut laufenden Exporte haben führende Institute zuletzt ihre Wachstumsprognosen für Deutschland angehoben. Das Ifo-Institut etwa erwartet für 2026 jetzt einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,4 Prozent, nachdem bislang nur ein Plus von 0,8 Prozent vorausgesagt worden war.
Verwendete Quellen: rog/rts


