Rätselhafter Cold Case Hatte der Göhrde-Mörder einen Mittäter? Polizei ermittelt gegen einen neuen Verdächtigen

Polizisten suchen 1989 nach Spuren im Fall der Göhrde-Morde
Polizisten suchen im Juli 1989 nach Spuren im Fall der Göhrde-Morde
Michael Behns/dpa

Überraschende Wende im Fall der Göhrde-Morde!
Hat der Lüneburger Friedhofsgärtner die Taten Ende der 1980er Jahre nicht allein begangen? Gerüchte über einen Mittäter gibt es seit Jahren. Die Polizei ermittelt nun gegen einen Beschuldigten.

Der „Todes-Gärtner” und seine blutige Spur

Es ist eine Nachricht, die alte Wunden aufreißt und zugleich neue Hoffnung schürt. Mehr als drei Jahrzehnte nach den brutalen Doppelmorden im niedersächsischen Staatsforst Göhrde gibt es wieder Bewegung in einem der spektakulärsten Kriminalfälle Deutschlands. „Wir ermitteln gegen einen lebenden Beschuldigten”, bestätigte ein Sprecher der Polizeidirektion Lüneburg der Deutschen Presse-Agentur. Die Gerüchte über einen Mittäter, die seit Jahren kursieren, erhalten damit erstmals eine offizielle Grundlage. Die Ermittler einer spezialisierten „Cold Case”-Einheit arbeiten mit Hochdruck daran, die letzten Puzzleteile zusammenzusetzen und das Rätsel endgültig zu lösen.

Der Name Kurt-Werner Wichmann steht für unvorstellbares Grauen. Der Lüneburger Friedhofsgärtner gilt als überführter Mörder von mindestens fünf Menschen. Im Sommer 1989 tötete er im Waldgebiet der Göhrde zwei Paare auf bestialische Weise. Das Perfide: Der zweite Doppelmord geschah, während die Polizei nur 800 Meter entfernt die Spuren des ersten Verbrechens sicherte. Jahrelang tappten die Ermittler im Dunkeln. Erst 2017, fast 30 Jahre nach den Taten, konnte Wichmann durch eine DNA-Spur als Täter identifiziert werden.

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Doch da war das „Monster von Lüneburg” längst tot. Wichmann, ein unauffälliger Mann mit „eiskalten Augen”, wie Zeugen ihn beschrieben, nahm sich 1993 in Untersuchungshaft das Leben. Er saß wegen anderer Vorwürfe ein. Mit seinem Suizid schien das ganze Ausmaß seiner Taten für immer verborgen zu bleiben.

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Warum es einen Helfer geben muss

Die Theorie eines Komplizen ist für die Ermittler mehr als nur eine vage Vermutung. Ein entscheidendes Indiz: Wichmann fuhr mit seinem eigenen Auto in die Göhrde, kehrte aber mit dem Fahrzeug eines seiner Opfer zurück. Wer hat seinen Wagen vom Tatort weggefahren? Diese Frage lässt die Ermittler seit Jahren nicht los und nährt den Verdacht, dass Wichmann nicht allein mordete.

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Schon seit 2017 soll ein Mann aus dem engsten Umfeld des Killers im Visier der Fahnder sein. Neue Untersuchungsmethoden und Dutzende neue Hinweise, die in den letzten Monaten bei der Polizei eingingen, könnten nun den entscheidenden Durchbruch bringen.

Fund- und Beweisstücke im Fall der Göhrde-Morde
Fund- und Beweisstücke rund um die Göhrde-Morde in der Asservatenkammer der Polizei
Philipp Schulze/dpa

Das Grauen unter der Garage

Dass der Fall überhaupt noch einmal aufgerollt wurde, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Wolfgang Sielaff, dem ehemaligen Leiter des Hamburger Landeskriminalamtes. Seine Schwester, Birgit Meier, verschwand 1989 spurlos. Sielaff ließ nicht locker, kritisierte die oft schleppende Polizeiarbeit der 90er Jahre und ermittelte nach seiner Pensionierung auf eigene Faust.

Sein unermüdlicher Einsatz führte 2017 zu einem grausamen Fund: Unter der Garage auf Wichmanns ehemaligem Grundstück wurde die Leiche seiner Schwester entdeckt. Auf dem Grundstück fand die Polizei zudem Hunderte Asservate, darunter vergrabene Handtaschen und Schuhe, die weiteren Opfern gehört haben könnten. Die Polizei stellte Bilder der Gegenstände online, in der Hoffnung auf neue Zeugen.

Die Ermittler prüfen auch Verbindungen zu weiteren ungelösten Mordfällen im Raum Cuxhaven und Schwerin. Die Frage, wie viele Leben der Serienmörder wirklich auf dem Gewissen hat, ist bis heute unbeantwortet. Für die Angehörigen der Opfer und die Öffentlichkeit bleibt die Hoffnung, dass mit der möglichen Ergreifung des Komplizen endlich die ganze Wahrheit ans Licht kommt.

Verwendete Quellen: dpa, NDR