12.000 Beschäftigte bangenGaleria erneut insolvent! Experte sieht Überlebenschance nur für 40 bis 50 Filialen

Blick auf die Galeria Filiale „Galeria Kaufhof an der Kö“.
Blick auf die Galeria Filiale „Galeria Kaufhof an der Kö“.
picture alliance/dpa / Rolf Vennenbernd
von Philipp Petersdorff

Schon wieder geht es für Galeria ums Überleben.
Die Warenhauskette hat zum vierten Mal innerhalb von nur sechs Jahren einen Insolvenzantrag gestellt. Während rund 12.000 Beschäftigte um ihre Zukunft bangen, halten Experten zumindest einen Teil der 83 Filialen noch für rettbar – andere nicht.

Experte sieht Zukunft für deutlich kleineres Galeria

Noch bleiben die Türen offen. Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt, der Geschäftsbetrieb in den bundesweit 83 Filialen soll nach Angaben des Unternehmens vorerst weiterlaufen. Welche Warenhäuser die erneute Krise überstehen und ob Standorte schließen müssen, ist bislang offen.

Einer hält zumindest einen deutlich verkleinerten Neustart für möglich. Handelsexperte Johannes Berentzen von der Beratungsgesellschaft BBE sagte der Deutschen Presse-Agentur: „40 bis 50 Standorte sind unter dem richtigen Eigentümer und mit einer klar differenzierten Positionierung fortführungsfähig – aber nicht als Vollsortimenter wie bisher.“

Stattdessen sieht Berentzen Chancen für lokal verankerte Warenhäuser mit Erlebnischarakter, weiteren Partnern und mehr Aufenthaltsqualität. Entscheidend sei allerdings, dass sich ein strategischer Investor finde, der Galeria tatsächlich verändern wolle. Andernfalls, so der Experte, müsse man über eine „geordnete Abwicklung“ sprechen.

Im Video: Galeria hat schon viele Krisen durchlebt

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Verdi spricht von „völliger Ungewissheit“

Für die rund 12.000 Mitarbeiter beginnt damit erneut eine Zeit des Bangens. Die Beschäftigten wurden am Freitagvormittag über den Insolvenzantrag informiert. Die Gewerkschaft Verdi reagierte mit scharfer Kritik. Bundesfachbereichsleiterin Silke Zimmer sprach von einer „völligen Ungewissheit“ für die Belegschaft. „Die Beschäftigten haben es schon lange befürchtet: Galeria hat heute das vierte Insolvenzverfahren innerhalb von nur sechs Jahren eröffnet, ganz ohne eine Erklärung zu den Umständen“, erklärte sie.

Zimmer machte „haarsträubende Managementfehler“ für die Entwicklung verantwortlich und kritisierte fehlende nachhaltige Investitionen durch die Gesellschafter. Jetzt müsse schnell geklärt werden, wie es für die Mitarbeiter weitergehe. „Die Beschäftigten brauchen jetzt einen Plan für die Zukunft und keine Nebelkerzen“, forderte die Gewerkschafterin. Der Gesamtbetriebsrat wollte sich zunächst nicht ausführlich äußern. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zuallererst unsere Belegschaft im Blick haben“, teilte er auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Lese-Tipp: Welche Filialen nach der zurückliegenden Insolvenz 2024 geschlossen worden sind

Schon die vierte Insolvenz seit 2020

Für Galeria ist es bereits der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Das Unternehmen durchlief 2020, 2022 und 2024 Insolvenzverfahren. Zahlreiche Warenhäuser verschwanden in dieser Zeit, Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen. Beim bislang letzten Verfahren firmierte das Unternehmen noch als Galeria Karstadt Kaufhof. Die Krise des damaligen Mutterkonzerns Signa hatte die Warenhauskette mit in Schwierigkeiten gebracht. Neun der damals noch 92 Filialen mussten schließen.

Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die traditionsreichen Namen Karstadt und Kaufhof verschwanden aus dem Firmennamen, zudem zog die Unternehmenszentrale von Essen nach Düsseldorf.

Probleme zeichneten sich bereits seit Monaten ab

Die jüngsten Schwierigkeiten kamen nicht völlig überraschend. Im April 2026 hatten mehrere Vermieter über ausgebliebene Mietzahlungen geklagt. Galeria verwies damals auf Schwankungen bei der Liquidität und bestätigte, Vermieter um Zahlungsaufschub gebeten zu haben. Im Juni folgte eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro durch die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers. Nur einen Monat später stellte Galeria 33 Warenhäuser auf den Prüfstand und begann Gespräche mit Vermietern über die Mietkonditionen. Ohne tragfähige Lösungen sei die Zukunft der jeweiligen Standorte gefährdet, hatte das Unternehmen damals erklärt.

Experte rechnet langfristig mit dem Verschwinden von Galeria

Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg hält es zwar für möglich, dass Galeria auch das aktuelle Insolvenzverfahren übersteht. Bei der langfristigen Zukunft der Warenhauskette zeigt er sich allerdings skeptisch. Die grundlegenden Probleme seien nicht gelöst worden. Roeb nennt dabei insbesondere die fehlende Attraktivität des Angebots. Das spreche seiner Einschätzung nach dafür, dass Galeria in den kommenden Jahren dauerhaft vom Markt verschwinden könnte.

Die Zahlen zeigen, wie stark Galeria bereits geschrumpft ist. Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI erwirtschaftete Galeria Karstadt Kaufhof 2019 mit 174 Filialen noch einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Sechs Jahre später waren es mit weniger als der Hälfte der Standorte nur noch zwei Milliarden Euro.

Verwendete Quelle: dpa