Drama in 6.000 Metern HöheMann aus Fenster von Ryanair-Flugzeug gesogen – ist DAS die Ursache?

von Nadine Becker und Jan Luhrenberg

Neue Vermutungen zum Ryanair-Schockflug!
Nachdem eine Fensterscheibe mitten im Flug brach und ein Mann beinahe herausgesaugt wurde, ist neues Videomaterial vom rechten Triebwerk aufgetaucht. Darauf zu sehen: eine fehlende Turbinenschaufel, herausgebrochene Teile und sogar Löcher im Gehäuse. Für RTL hat sich ein Experte diese Schäden angesehen – und vermutet eine Ursache für den Schreckmoment auf 6.000 Metern Höhe.

„Wenn die dann anfangen, durch die Gegend zu fliegen ...”

Pilot Mirko Miesen sagt im RTL-Interview: „Es kann sein, dass zum Beispiel durch Vogelschlag, aber leider heutzutage auch zum Beispiel durch Drohnen, eben etwas in das Triebwerk hineinfliegt, was da genau diese Schaufeln kaputt macht. Und wenn die dann anfangen, durch die Gegend zu fliegen, das Gehäuse zu zerstören, dann kann es eben auch passieren, dass Teile das Flugzeug treffen.“

Und weiter erklärt er: „In diesem Fall sieht man ja auch, dass die Scheibe in unmittelbarer Nähe zum Triebwerk ist. Also die Wahrscheinlichkeit, dass das die Ursache für die kaputte Scheibe ist, ist wirklich sehr hoch.“

Lese-Tipp: Ryanair-Schockflug: Maschine musste schon am Vortag außerplanmäßig umkehren

Während des Ryanair-Flugs FR1879 am Freitagmorgen (10. Juli) von Thessaloniki (Griechenland) nach Memmingen (Deutschland) kam es auf 6.000 Metern zum Drama: Eine Scheibe platzte, der Kopf und die Schultern eines Passagiers ragten plötzlich aus dem Fenster! Zuvor soll ein lauter Knall zu gehören gewesen, wie Augenzeugen erzählten.

Besonders die Passagierin Christina schilderte die dramatischen Szenen an Bord ausführlich. Sie sagte über den Mann in Not, der offenbar nur knapp dem Tod entkam: „Sein Kopf, sein Hals und seine Schultern waren schon draußen.“ Und weiter: „Ein paar Mädchen, die neben ihm saßen, packten ihn sofort“. Nur weil der 61-Jährige angeschnallt gewesen sei und ihn die Frauen festhielten, habe verhindert werden können, dass er vollständig aus dem Fenster gerissen wurde.

Ryanair bestätigt den Vorfall um das Flugzeugfenster

Auch der Pilot reagierte sofort, stabilisierte die Maschine und brachte alle sicher zurück nach Thessaloniki. Der Passagier, der neben der beschädigten Scheibe gesessen haben soll, kam dort in ein Krankenhaus, berichtete der griechische Rundfunk. Den Informationen zufolge stammt der Mann aus Serbien. Ermittlungen seien aufgenommen worden, berichtete ERT.

Ryanair bestätigte den Vorfall und dass sich das Passagierfenster gelöst habe. Wie es zu dem Zwischenfall gekommen ist, ging aus den Angaben jedoch nicht hervor. Das Unternehmen hat Untersuchungen dazu laufen.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Warum wurde der Mann beinahe aus dem Ryanair-Flugzeug gesaugt?

Ein Experte erklärt den Zwischenfall. „Eigentlich kommt so etwas sehr selten vor”, sagte der emeritierte Professor für Luftfahrtelektronik, Harald Hanke, der Deutschen Presse-Agentur. Der ehemalige Pilot erklärt das Phänomen mit dem großen Druckunterschied zwischen dem Kabineninnenbereich und dem Außenbereich des Flugzeugs.

Die Passagierkabine werde im Flug auf einem für Menschen erträglichen Luftdruck gehalten, der in großer Höhe deutlich über dem der Umgebungsluft liegt. „Wenn in der Kabine nun plötzlich ein großes Loch entsteht, gleicht sich der Druck schlagartig aus”, sagt Hanke.

In der Folge werden Gegenstände oder auch nicht angeschnallte Passagiere durch die Öffnung angesaugt. „Je größer die Öffnung ist, desto schneller geschieht das.” Mit dem Druckabfall verbunden ist das Herabfallen von Sauerstoffmasken in der Kabine, was den Zeugenaussagen zufolge auch geschehen ist. (mit dpa)

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, DPA