Deutsche Kliniken vor dem Hitze-KollapsLeiden Patienten, weil Hitzeschutz und Klimaanlagen fehlen?

The Emergency department at Pellegrin Hospital, part of Bordeaux University Hospital, during the heatwave affecting France. The Gironde department is on red alert for the heatwave. In Bordeaux on 23 June 2026.//AMEZUGO_URGENCES-7/Credit:UGO AMEZ/SIPA/2606231212
Hitzewellen sind für Krankenhaus-Patienten oder Pflegeheimbewohner besonders gefährlich.
picture alliance / SIPA / UGO AMEZ

Wenn draußen die Temperaturen steigen, wird es für viele Kranke auch drinnen unerträglich heiß.
In deutschen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen fehlt es oft an Möglichkeiten, Patientenzimmer zu kühlen. Besonders alte, pflegebedürftige und schwer kranke Menschen leiden unter der Hitze.

Nur vier von zehn Kliniken können Patientenzimmer kühlen

Wie groß die Lücken beim Hitzeschutz sind, zeigt eine repräsentative Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) für die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), über die das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) berichtet. Demnach können lediglich 41 Prozent der Krankenhäuser Patientenzimmer aktiv kühlen, etwa mithilfe von Klimaanlagen.

Lese-Tipp: Rund 9.600 Tote allein durch extrem heiße Juni-Woche

59 Prozent haben diese Möglichkeit gar nicht. Und selbst in Kliniken mit Kühltechnik ist im Mittel nur etwa jedes vierte Patientenzimmer entsprechend ausgestattet. DKG-Chef Gerald Gaß nennt den Befund alarmierend. Patienten und Beschäftigte müssten vor Hitze genauso geschützt werden wie vor Kälte, sagte er dem RND.

Patientenschützer warnen vor Hitze-Gefahr

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert Konsequenzen. „Gerade alte, pflegebedürftige und schwer kranke Menschen leiden“, sagt Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. In den Sommermonaten gehe es um 5,8 Millionen Klinikpatienten und rund 800.000 Pflegeheimbewohner.

Lese-Tipp: Horror-Hitze in Pflegeheime: Senioren leiden

Gerade für ältere Menschen kann Hitze gefährlich werden: Mit zunehmendem Alter lassen die Fähigkeit zur Temperaturregulierung sowie Durst- und Wärmeempfinden häufig nach. Pflegeeinrichtungen setzen deshalb unter anderem auf Trinkrunden und -protokolle, leichtere Mahlzeiten, Ventilatoren und mobile Klimageräte.

Doch auch Krankenhäuser stoßen an Grenzen. Selbst im vergleichsweise kühlen Schleswig-Holstein könnten normale Stationen meist nicht gekühlt werden, erklärt Patrick Reimund von der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein laut dpa. Bei Außentemperaturen von mehr als 30 Grad sei die Belastung für Patienten und Mitarbeiter erheblich.

Streaming Tipp
Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Hitzeschutz scheitert häufig am Geld

Das größte Hindernis sind offenbar die Kosten. 97 Prozent der Krankenhäuser nennen in der DKI-Umfrage finanzielle Gründe als Problem beim Ausbau des Hitzeschutzes. Ein Gutachten beziffert den zusätzlichen Finanzbedarf für Klimaschutzmaßnahmen in deutschen Kliniken einschließlich der Gebäudekühlung laut Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein auf mehr als 30 Milliarden Euro.

Patientenschützer Brysch unterstützt deshalb den Vorstoß der SPD, Klimaanpassung als neue Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern im Grundgesetz zu verankern. Bislang sind vor allem Länder und Kommunen für den Hitzeschutz zuständig. Brysch fordert, dass sich der Bundestag dabei besonders auf Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen konzentriert.

Für Reimund steht fest, dass Investitionen dringend notwendig sind: Klima- und Hitzeschutz seien kein Komfort oder Luxus, sondern dienten dazu, „viele unnötige Todesfälle“ zu vermeiden. (jgr, mit dpa)

Verwendete Quellen: Redaktionsnetzwerk Deutschland, dpa