Verurteilt für einen Mord in der Silvesternacht 1981/82Hinrichtung am 14. Juli geplant – ist Dennis Sochor (74) gar nicht der alleinige Mörder?

Seine wird die elfte Hinrichtung in Florida in diesem Jahr sein.
Gerade erst wurde ein Mann nach 34 Jahren im Todestrakt in Florida hingerichtet, nun steht bereits der nächste Vollzug einer Todesstrafe an: Dennis Sochor (74) wurde 1987 wegen Mordes ersten Grades an einer Frau zum Tode verurteilt. Am 14. Juli soll er endgültig hingerichtet werden. Doch nun äußert eine Organisation Zweifel an der Richtigkeit des Urteils.
Vor dem Mord war Dennis Sochor schon wegen Vergewaltigung im Gefängnis
Weil eine Frau, die Dennis Sochor in der Silvesternacht 1981/82 kennenlernt, nicht mit ihm schlafen möchte, bringt er sie kaltblütig um. So steht es laut Miami Herald in den Gerichtsakten zum Fall. Demnach habe Patricia Gifford mit einer Freundin eine Silvesterparty besucht, auf der sie Dennis Sochor und seinen Bruder Gary Sochor trafen. Später sei Gifford mit den Brüdern in Dennis Sochors Firmenwagen weggefahren, um zu frühstücken. Doch stattdessen habe Sochor an einer abgelegenen Stelle angehalten und die junge Frau aus dem Fahrzeug geholt, um Sex zu haben, was diese jedoch nicht zuließ. Dennis Sochor habe später gestanden, dass er daraufhin wütend wurde und sie bis zu ihrem Tod gewürgt hat. Die Leiche habe er beseitigt – bis heute wurde sie laut Miami Herald nie gefunden.
Sochor war zuvor bereits wegen einer Entführung und Vergewaltigung im Jahr 1980 zu einem Jahr Haft und fünf Jahren auf Bewährung verurteilt worden, heißt es. Nach dem Mord an Patricia Gifford bzw. als während der Suche nach der jungen Frau Bilder von ihr auf der Silvesterparty veröffentlicht wurden, die sie neben einem unbekannten Mann zeigten, sei Sochor nach Aussage seiner Mitbewohner verschwunden. Tatsächlich wurde Sochor erst im Jahr 1986 verhaftet, als er in Georgia eine rote Ampel überfuhr. Am 2. November 1987 wurde er schließlich von einer Jury mit zehn zu zwei Stimmen wegen Mordes ersten Grades zum Tode verurteilt.
Bei seinem Geständnis habe Sochor der Polizei gesagt, dass sein Bruder, mit dem er die Silvesternacht verbracht hatte, zum Zeitpunkt des Mordes nicht bei ihm gewesen sei.
Menschenrechtsverein äußert Zweifel an der Urteilsfindung im Fall Dennis Sochor
Doch genau diese Aussage zweifelt die Organisation Floridians for Alternatives to the Death Penalty (FADP) jetzt an. In einer Veröffentlichung heißt es: „Dennis Sochors Verurteilung beruhte maßgeblich auf der Aussage seines Bruders Gary.” Und weiter: „Die Geschworenen mussten zwischen zwei widersprüchlichen Darstellungen wählen – der einen, die laut Verteidigung gelogen hatte, um sich selbst zu retten, und der anderen, die gelogen hatte, um ihren Bruder zu schützen.”
Sowohl 2009 als auch 2016 habe Dennis Sochor selbst einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt. 2009 lautete die Begründung, die Staatsanwaltschaft habe entlastende Beweise zurückgehalten. Der Staat habe demnach verschwiegen, dass Gary Sochor im Gegenzug für seine Aussage Straffreiheit erhalten habe.
Lese-Tipp: Mädchen-Killer oder unschuldig? Richter drücken Pause-Taste und stoppen Hinrichtung
In dem Antrag von 2016 sei es hingegen um neu entdeckte Beweise und zusätzliche Vorwürfe gegangen, der Staat habe entlastende Informationen zurückgehalten. Dem Antrag zufolge habe die Staatsanwaltschaft Beweise dafür zurückgehalten, dass Gary einem Freund seine Beteiligung an dem Mord gestanden hatte, obwohl der Staat seit Langem der Ansicht war, Gary sei nicht an dem Verbrechen beteiligt gewesen, heißt es in der Veröffentlichung von FADP. Der Verein, der sich gegen die Todesstrafe einsetzt, schreibt zudem, dass neu veröffentlichte Akten darauf hindeuten, „dass die Ermittler weiterhin davon ausgehen, dass Gary Informationen über die Umstände von Patricia Giffords Verschwinden und den Verbleib von Beweismitteln in diesem Fall besitzen könnte”.
Streaming-Tipp: „Der Fall Melissa – Rassismus und die Todesstrafe” auf RTL+
Melissa Lucio ist die erste hispanoamerikanische Frau, die in Texas zum Tode verurteilt wurde. Sie wird des Mordes an ihrer zweijährigen Tochter beschuldigt. Doch ihre Geschichte erweist sich als komplexer, als es zunächst den Anschein hat.
Todesstrafe: Kritik an Hinrichtung durch tödliche Injektion
FADP ist der Meinung, dass es keinen Grund mehr gibt, Dennis Sochor hinzurichten. „Die Gründe, die zur Rechtfertigung der Todesstrafe angeführt wurden – Abschreckung, öffentliche Sicherheit und Rechenschaftspflicht – sind längst erfüllt”, heißt es. Immerhin habe der Verurteilte den „überwiegenden Teil seines Erwachsenenlebens hinter Gittern verbracht”. Man ist der Meinung, dass Sochor nach fast vier Jahrzehnten hinter Gittern „keine Gefahr für die Öffentlichkeit dar[stellt]”.
Neben den Zweifeln an der Urteilsfindung führt der Verein „ein erhebliches Risiko schweren und unnötigen Leidens” an, das mit der Hinrichtungsmethode – tödliche Injektion – einhergehe. „Autopsien zahlreicher kürzlich in Florida durchgeführter Hinrichtungen zeigen Anzeichen eines akuten Lungenödems – einer raschen Flüssigkeitsansammlung in der Lunge, die vor dem Tod zu starker Atemnot, Panik und dem Gefühl des Ertrinkens führen kann”, heißt es.
Lese-Tipp: Leory Dean McGill hatte zwei Menschen angezündet! Todeskandidat verstört mit seinem letzten Satz
Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Verein gegen den Vollzug einer Todesstrafe einsetzt. Auch für den am 25. Juni 2026 hingerichteten Dusty Ray Spencer hatte FADP eine Petition ins Leben gerufen, allerdings ohne Erfolg.
Die Hinrichtung von Dennis Sochor ist laut Death Penalty Information Center schon die elfte Todesstrafe, die Floridas Gouverneur Ron DeSantis alleine in diesem Jahr unterschrieben hat. 2025 gab es in dem Bundesstaat bereits 19 Hinrichtungen – ein historischer Rekord und fast die Hälfte aller Hinrichtungen in den gesamten USA in dem Jahr. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisieren die hohe Zahl an Exekutionen scharf.
Verwendete Quellen: Miami Herald, Deth Penalty Info, Floridians for Alternatives to the Death Penalty



