Lautstarkes Zeichen gegen Hass CSD Berlin schlägt Alarm! „Queere Menschen stehen weltweit unter mehr Druck“

Der CSD in Berlin setzt jedes Jahr ein Zeichen für die queere Community. Hunderttausende Menschen werden zum großen Demonstrationszug erwartet. Was nach Party aussieht, hat einen ernsten Hintergrund.
Zum Christopher Street Day (CSD) in Berlin warnen die Organisatoren vor einem raueren gesellschaftlichen Klima. „Queere Menschen stehen weltweit unter mehr Druck“, sagte Vorstandsmitglied Thomas Hoffmann. Bestehende Rechte würden teils wieder rückabgewickelt und auch die Hasskriminalität steige an. Mit ihrem zweitägigen CSD wollten sie ein ganz klares Zeichen dagegensetzen und sagen: „Wir werden nicht kleiner, sondern größer. Wir werden nicht leiser, sondern lauter“, sagte Hoffmann, „und zwar so lange, bis alle Menschen in Deutschland frei, sicher und selbstbestimmt leben können“.
Mit der Demonstration forderten sie etwa, Hasskriminalität wirksam zu bekämpfen und auch queere Räume zu sichern, sagte Hoffmann. Er äußerte sich auch besorgt über die Umfragewerte der AfD in Sachsen-Anhalt, wo Anfang September ein neuer Landtag gewählt wird. „Die Positionen dieser Partei sind eindeutig und die queere Community hat Angst.“
Die Organisatoren erwarten zum Berliner CSD Hunderttausende Menschen. Das Motto lautet „Haltung ist hot“. Die Demonstration soll zum Brandenburger Tor ziehen. Geplant ist ein Auftritt von Sarah Connor, nachdem am Freitagabend bereits Rapperin Ikkimel („Fußballmänner“) aufgetreten war.
„Schön, dass ich heute hier spielen darf, Leute, es ist mir eine Ehre“, sagte die 29-jährige Ikkimel zum Auftakt des Wochenendes. In vielen Ländern würden homosexuelle Menschen und die queere Community nicht akzeptiert. Es werde immer gesagt, in Deutschland sei das eine Selbstverständlichkeit, so die Rapperin. Leider merke sie aber immer wieder in Berlin, dass dem leider nicht so sei. „Deswegen bin ich ganz, ganz stolz, dass ich heute hier spielen darf, dass ihr hier seid und dass ihr für eure Rechte einsteht, Leute.“
Vor Beginn des Konzerts hatte die Polizei vier Männer zur Seite gezogen, die den Angaben nach einer mutmaßlich rechten Gruppierung angehörten. Die Männer hätten offensichtlich stören wollen, sagte Polizeisprecher Florian Nath. Die Polizei rechnet mit Gegenprotest für den CSD aus dem rechten Lager. Angekündigt ist eine Gegendemonstration mit 100 Teilnehmern. Die Gegendemonstration besorge sie derzeit nicht, sagte Hoffmann vom CSD-Vorstand. Sie gingen erstmal davon aus, dass das in Berlin wie auch im Vorjahr einen sehr geringen Zuspruch erfahre. „Und wir stehen dort auch in einem sehr vertrauensvollen Austausch mit der Berliner Polizei.“
„Trotzdem ist das natürlich eine sehr besorgniserregende Entwicklung“, sagte Hoffmann. Früher habe es keine Gegendemonstrationen gegen den Berliner CSD gegeben und auch nicht gegen andere CSDs. Wenn man sehe, dass es der rechten Bewegung 2024 in Bautzen, Leipzig und anderen Städten gelungen sei, massiv gegen CSDs zu mobilisieren. „Das ist wirklich eine Entwicklung, die nicht nur unserer Community Angst machen sollte, sondern allen Menschen, die in Freiheit und in Vielfalt leben wollen.“
Beim Berliner CSD wird auch der Regierende Bürgermeister Kai Wegner erwartet, der bei der nächsten Abgeordnetenhauswahl nicht mehr antritt. Nach Debatten um sein Tennisspiel und seine Angaben zum Krisenmanagement während eines großen Stromausfalls war er als CDU-Spitzenkandidat zurückgetreten. Der Senat ist beim CSD erstmals mit eigenem Wagen dabei.
Verwendete Quellen: raf/dpa


