Warum er im Prozess auch schlimme Bilder ertrugVater der ermordeten Dreifach-Mutter Nina H. mit emotionalen Worten

War es ein Auftragsmord?
Gino F. tötete Nina H. im Mai 2025 in ihrer Wohnung mit vier Kopfschüssen. Zwei ihrer drei kleinen Kinder mussten das Verbrechen mitansehen. Dafür ist der 30-jährige Auftragskiller mitte Juni vom Landgericht Augsburg zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt worden. Ninas Vater Ralf H. war im Prozess jeden Tag dabei und erklärt jetzt in Stern TV, warum er selbst die Obduktionsbilder anschaute.
Selbst Nina H.s Tochter (8) musste vor Gericht aussagen
Die Richter glauben bis heute: Der Mord an Nina H. war ein Auftragsmord, den Gino F. ausführte. Der Auftraggeber: der Ex-Freund der 29-Jährigen. Nur wenige Wochen vor der Tat hatte sich das Paar getrennt. Der 43 Jahre alte Ex-Partner Christian S. habe die Pistole und Munition besorgt und dem Angeklagten Gino F. 1.000 Euro Belohnung für das Verbrechen versprochen. Gino F. ist der Ziehsohn des 43-Jährigen aus einer früheren Beziehung. Noch ist unklar, ob der Christian S. selbst auch angeklagt wird und einen Prozess bekommt. Das hofft jedoch Ralf H, der Vater der getöteten Nina H. (†29). Er hat den Prozess gegen den Killer von Tag 2 an im Gerichtsaal verfolgt.
„Sie haben die Wahrheit bekommen, aber eben nicht den Frieden, nach dem Sie sich verständlicherweise auch gesehnt haben. Jetzt ist eine Woche seit dem Urteilsspruch ins Land gegangen. Wie fühlt sich dieser Urteilsspruch jetzt an?”, fragt Moderator Hallaschka bei stern TV am 24. Juni. „Ich würde es als Etappenziel bezeichnen.”, erzählt Ralf H. „Ich bin sehr, sehr froh über das Urteil. Ich glaube, das ist das Härteste, was man fällen kann. In diesem Fall.”
Darum wollte Ralf H. alles im Prozess sehen und hören
Ralf H. war ab dem zweiten Prozesstag dabei und verpasste im Saal keine einzige Minute. Selbst als Obduktionsbilder seiner toten Tochter gezeigt wurden und der Richter ihn vor genau diesem Moment warnte, ging der 56-Jährige nicht. „Für mich war das unheimlich wichtig, dass ich alles erfahre, auch die letzten Minuten, die letzten Sekunden meiner Tochter, wie alles passiert ist. Das ist immer so ein Film, was man die ganze Zeit abspult. Und ich habe jetzt mittlerweile 99,9 %, weiß ich alles. Und auch wenn es noch so brutal ist, es hilft mir”, berichtet der trauernde Vater im Studio.
Daniela Rose ist die Anwältin von Ralf H. Für sie ist es nicht nachvollziehbar, dass Christian S. nach der Tat das Sorgerecht für die beiden gemeinsamen Kinder beantragte. Also auch für das acht Jahre alte Mädchen, welches den Mord an seiner Mutter Nina H. miterlebte. Vor Gericht, erzählt sie, hätte Gino F. mit einem Geständnis dem Kind eine Aussage ersparen können. Darauf habe er allerdings verzichtet. „Und so musste das Kind eben leider den schweren Gang antreten und aussagen. Ich meine, dass nicht zuletzt deshalb auch die besondere Schwere der Schuld verhängt wurde, weil er eben diese Prozesstaktik gewählt hat”, berichtet Daniela Rose.
Wird Nina H.s Ex-Partner noch angeklagt?
Christian S., der zunächst noch als Zeuge befragt wurde, wurde dann während des laufenden Prozesses wegen des Verdachts der Anstiftung zum Mord festgenommen. Er sitzt nun ebenso wie sein Ziehsohn in Untersuchungshaft. Sollte die Staatsanwaltschaft auch ihn anklagen, würde der Fall voraussichtlich in einem weiteren Prozess erneut verhandelt. Und dass das geschieht, darauf hoffen Ralf H. und seine Anwältin Daniela Rose. (mit dpa)
Verwendete Quelle: stern TV, eigene RTL-Recherche, dpa



