Ex-Kanzlerin wird deutlichMerkel schützt die Regierung – und kontert Merz!

Berlin, Deutschland: Station: Digitalmesse Re:publica 2026: Altkanzlerin Angela Merkel in der Sendung WDR-Europaforum
Immer häufiger tritt Angela Merkel bei öffentlichen Veranstaltungen auf, wie hier auf der Re:publica.
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Altkanzlerin Merkel kennt Krisen und Kritik - fortwährend harmonisch verläuft ihre 16-jährige Amtszeit nicht. Jetzt spricht sie über die aktuelle Regierung, findet klare Worte zu Friedrich Merz und verrät, ob sie sich noch einmal ein politisches Amt vorstellen könnte.

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Regierung von Friedrich Merz gegen die Kritik verteidigt, dass vieles zu langsam gehe. „Diese Regierung ist vor gut einem Jahr ins Amt gekommen“, sagte sie der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ („FAS“). „Sie hat Haushalte beschlossen, fundamentale Entscheidungen getroffen, was die Verteidigungsausgaben und was die Infrastruktur anbelangt. Sie hat interessante Elemente, auch im Rentenbereich, eingeführt, etwa die Frühstartrente.“ Es sei einfach nicht richtig, dass nichts passiert sei.

Auf die Frage, ob sie es der Regierung zutraue, dass sie die erforderlichen Reformen, etwa der Rentenversicherung, durchbringe, sagte sie: „Ja. Ich nenne nur mal das Beispiel der Gesundheitsreform. Da verläuft die Diskussion nach meiner Beobachtung gut.“ Merkel warnte aber davor, zu hohe Erwartungen zu wecken. „Schon zu meiner Zeit ist die gesamte politische Debatte vor allem durch die sozialen Medien hektischer geworden“, erklärte sie. „Gerade in einer solchen Stimmung ist es ein Fehler, Erwartungen zu wecken, die sich nicht erfüllen. Diesen Fehler habe ich selbst auch schon gemacht.“

Umfragen hatten zuletzt eine zunehmende Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung und historisch schlechte Beliebtheitswerte des Kanzlers gezeigt.

Merz hatte kürzlich beklagt, dass kein Kanzler vor ihm solche Anfeindungen in den sozialen Medien habe ertragen müssen wie er. Merkel meinte dazu: „Ich habe mich immer an Helmut Kohl orientiert. Der hat gesagt, dass ihn keiner gezwungen hat, diese Arbeit zu machen. In der Arbeitsbeschreibung für einen Kanzler oder eine Kanzlerin enthalten sind tolle Erlebnisse, aber ebenso Sachen, die man ertragen muss.“ Man brauche für die Arbeit eine „innere Zufriedenheit, eine gewisse Standfestigkeit und ein weites Herz“, sagte sie der „FAS“.

Mit Blick auf ihre eigene Regierungszeit ließ Merkel auch Selbstkritik erkennen - etwa beim Thema Verteidigungsausgaben. Man habe zwar immer wieder Aufwüchse gehabt. „Rückblickend betrachtet waren wir dabei aber nicht schnell genug.“ Zudem räumte die frühere Bundeskanzlerin ein: „Ich bin sehr unzufrieden gewesen mit der Geschwindigkeit der Digitalisierung. Da hatten wir uns sehr viel mehr vorgenommen, aber das durchzusetzen ist im Rahmen unserer föderalen Strukturen extrem schwierig.“

Außerdem wolle sie kein politische Amt mehr anstreben. „Hinter mir liegt ein wirklich erfülltes politisches Leben. Die Kraft, die Spannkraft und die Neugierde für neue Ämter habe ich nicht“, sagte sie. Was da manchmal „herumgeistert“, das seien „Spielereien“. „Das sind manchmal auch ärgerliche Spielereien. Man muss sich ja nicht schämen, wenn einer sich mich auch als Bundespräsidentin vorstellen kann. Aber es liegt auch eine kleine Unernsthaftigkeit darin. Und so sollte nicht über das oberste Staatsamt gesprochen werden“, betonte Merkel im „FAS“-Interview.

Sie wies auch Überlegungen zurück, sie könne im russisch-ukrainischen Konflikt vermitteln. „Man kann, das weiß ich aus meiner Erfahrung, mit dem russischen Präsidenten nur verhandeln, wenn man mit politischer Macht ausgestattet ist, die in der Demokratie auf Zeit vergeben wird.“

Die 71-Jährige hatte sich in jüngster Zeit immer wieder bei Veranstaltungen zu Wort gemeldet. „Ich bin keine aktive Politikerin mehr. Das bedeutet aber nicht, dass ich ein unpolitischer Mensch geworden wäre“, sagte Merkel. Sie habe mit ihrer Berufserfahrung „hier und da etwas mitzuteilen.“ Die ehemalige Kanzlerin betonte zugleich: „Aber ich will mich nicht in die aktuelle Politik einmischen, ganz und gar nicht.“

Verwendete Quellen: mwa/dpa