Ein Thema liegt klar vornStudie deckt auf – davor haben die Menschen in Deutschland 2026 am meisten Angst

Frau zeigt ihr leeres Portemonnaie
Die größte Sorge: Wie sollen wir das alles bezahlen?
picture alliance / CHROMORANGE / Rüdiger Rebmann
von Philipp Petersdorff

Steigende Preise, höhere Abgaben und eine schwächelnde Wirtschaft.
Die größten Ängste der Deutschen drehen sich 2026 vor allem ums Geld. Gleichzeitig wächst die Skepsis gegenüber der Politik. Doch die R+V-Langzeitstudie hält auch eine überraschend positive Erkenntnis bereit.

Drei der vier größten Sorgen drehen sich ums Geld

Die Sorge um den eigenen Geldbeutel bestimmt die Ängste der Deutschen 2026. An der Spitze steht mit 59 Prozent die Furcht vor weiter steigenden Lebenshaltungskosten. Damit belegt dieses Thema bereits zum 16. Mal in insgesamt 35 Befragungen Platz eins. Im vergangenen Jahr hatten sich noch 52 Prozent davor gefürchtet. Studienleiter Grischa Brower-Rabinowitsch erklärt den hohen Wert so: „Die Menschen erleben tagtäglich, wie kostspielig der Alltag inzwischen ist.“ Politikwissenschaftlerin Professorin Isabelle Borucki ergänzt: „Die Schlüsselpreise Energie, Wohnen und Lebensmittel sind spürbar gestiegen. Dadurch sinkt der finanzielle Spielraum für Freizeit, Urlaub und Anschaffungen. Die Menschen können sich immer weniger leisten.“

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Auf Platz zwei folgt die Angst vor Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen. Sie beschäftigt 53 Prozent der Befragten. Brower-Rabinowitsch sieht einen Zusammenhang mit den hohen staatlichen Ausgaben für Sozialversicherungen, Verteidigung und Infrastruktur.

Noch deutlicher verändert hat sich eine andere Sorge. 51 Prozent fürchten eine schlechtere Wirtschaftslage. Damit springt das Thema von Platz zehn im Vorjahr auf Platz vier. Der Anstieg um zehn Prozentpunkte ist der stärkste unter allen abgefragten Ängsten. Borucki spricht vom „stärksten Signal der Studie“ und einem „kollektiven Vertrauensverlust in die wirtschaftliche Zukunft des Landes“.

Migration zweimal unter den zehn größten Ängsten

Auch die Themen Flucht und Zuwanderung beschäftigen viele Menschen. 52 Prozent fürchten, dass die Zahl der Geflüchteten den Staat überfordert. Diese Sorge steigt gegenüber 2025 um drei Prozentpunkte, rutscht im Ranking aber von Platz zwei auf Platz drei.
47 Prozent befürchten zudem Spannungen durch weiteren Zuzug aus dem Ausland. Damit bleibt diese Angst wie im Vorjahr auf Platz sieben.

Auffällig ist der Unterschied in der Entwicklung zwischen West und Ost. Während beide Migrationssorgen im Westen zugenommen haben, gingen sie im Osten jeweils leicht zurück. Dort liegen die Werte allerdings weiterhin höher.

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Vertrauen in die Politik nimmt deutlich ab

Auch die Bewertung der Politik fällt schlechter aus als im vergangenen Jahr. 48 Prozent der Befragten fürchten, dass die Politik von ihren Aufgaben überfordert ist. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als 2025. Noch deutlicher zeigt sich die Unzufriedenheit bei der Schulnote, die die Befragten Regierung und Opposition geben. Im Durchschnitt kommen beide auf eine 4,1. Im Vorjahr lag die Bewertung noch bei 3,8.

„Nach dem Ende der Ampel verknüpften viele mit Schwarz-Rot die Hoffnung auf mehr Führung, weniger Streit und eine schnelle wirtschaftliche Wende. Das hat sich nicht erfüllt“, sagt Borucki. Aus ihrer Sicht klaffe zwischen großen Ankündigungen und spürbaren Ergebnissen eine Lücke. „Die Menschen sind enttäuscht und verlieren Vertrauen.“

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Diese Ängste beschäftigen die Deutschen außerdem

Die weltpolitischen Sorgen fallen dagegen geringer aus. 45 Prozent fürchten, dass die Politik von Donald Trump die Welt gefährlicher macht. 41 Prozent haben Angst davor, dass autoritäre Herrscher weltweit mächtiger werden. Borucki beobachtet nach Jahren geopolitischer Krisen einen „Gewöhnungseffekt“ und sagt: „Der Blick der Bevölkerung ist eher nach innen gerichtet.“ Das sieht man auch an den anderen Ängsten und Sorgen.

  • Platz 9: 41 Prozent fürchten politischen Extremismus. Bei der gesonderten Abfrage liegt die Angst vor Islamismus mit 45 Prozent vor der Angst vor rechtem Extremismus mit 43 Prozent. Linksextremismus nennen sieben Prozent.

  • Platz 12: 37 Prozent bereitet eine gesellschaftliche Spaltung Sorgen. 75 Prozent fürchten dabei eine Spaltung zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, 59 Prozent eine Trennung zwischen Arm und Reich.

  • Platz 14: 34 Prozent haben Angst davor, dass Deutschland zur Kriegspartei wird. 2025 waren es noch 41 Prozent. Vor Kriegsbeginn in der Ukraine lag die Angst allerdings nur bei 16 Prozent.

  • Platz 16: Jeder dritte Deutsche fürchtet, dass Künstliche Intelligenz die Gesellschaft gefährdet

  • Platz 20: Trotz Rekordhitze im Juni, Niedrigwasser, Ernteausfällen und Waldbränden sinkt die Angst vor dem Klimawandel auf 30 Prozent.

  • Platz 24: Nur 20 Prozent der Erwerbstätigen haben Angst vor Arbeitslosigkeit. Seit Beginn der Abfrage 1992 war dieser Wert noch nie so niedrig.

  • Platz 25: Mit 19 Prozent bilden Straftaten in diesem Jahr das Schlusslicht der abgefragten Sorgen.

Das allgemeine Angstniveau bleibt vergleichsweise niedrig

So düster einzelne Ergebnisse wirken, insgesamt zeichnet die Studie ein weniger pessimistisches Bild. Über alle abgefragten Themen hinweg liegt das durchschnittliche Angstniveau bei 38 Prozent. Das sind lediglich zwei Prozentpunkte mehr als 2021, dem bislang sorgenärmsten Jahr der Langzeitstudie. Vom bisherigen Höchststand 2016 mit 52 Prozent ist der Wert weit entfernt.

Acht Ängste erreichen 2026 sogar ihren bislang niedrigsten gemessenen Wert. Für Borucki erklärt sich dieser scheinbare Widerspruch durch die starke Konzentration auf wirtschaftliche Themen: „Im Zentrum stehen finanzielle Sorgen. Weil das Geld knapper wird, treten andere Ängste in den Hintergrund.“

Für die repräsentative R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen 2026“ wurden rund 2.400 Menschen der deutschsprachigen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren persönlich befragt. Die Erhebung lief zwischen Mai und Juli 2026. Die Langzeitstudie wird seit 1992 durchgeführt.

Verwendete Quelle: R+V Studie „Die Ängste der Deutschen”